Balassa Iván szerk.: A Magyar Mezőgazdasági Múzeum Közleményei 1969-1970 (Budapest, 1970)
Mártha Zsuzsánna: Törekvések a tojáskereskedelem rendezésére Magyarországon századunk elején és a budapesti tojástőzsde
Um die Jahrhundertwende war Wien der Mittelpunkt des Eierhandels von Mitteleuropa. Der ungarische Eierhandel wollte sich aber bald vom wiener Markt loslösen. Seine weitere Bestrebung war, auch den Handel für die große Eierproduktion der Balkanhalbinsel in Budapest zu konzentrieren. Die Voraussetzung zur Verwirklichung dieser beiden Pläne sahen die Zeitgenossen in der Regelung des primitiven Eierhandels unseres Landes und in der Gründung einer Eierbörse. Von den 1890-er Jahren an haben sich die Interessenvertretungen der ungarischen Landwirte und Händler — wenn auch mit Unterbrechungen — um die Verwirklichung der Modernisierung des Eierhandels bemüht. Einige wichtigere Momente dieser Bestrebungen und die Urnstände der Aufstellung der Eierbörse von Budapest sind kurz die folgenden : Im Jahre 1892 hat der Ungarische Landwirtsehaftsverein (ungarisch: Országos Magvai' Gazdasági Egyesület) in seinem an die hauptstädtische Verwaltung gerichteten Memorandum die Errichtung einer Halle für Geflügel und Geflügelprodukte für notwendig erklärt, um einen Mittelpunkt des europäischen Eierhandels in Budapest auszubauen. Im Jahre 1898 hat die Direktion der Markthallen der Hauptstadt einen Hand eisnormen entwurf zur Regelung des Eiergroßhandels imd auch die Normativen des Detailverkaufes der Eier ausgearbeitet. In 1901 wurde unter Vorsitz des Bürgermeisters eine Beratung über die Ausbildung Budapests zum Landeszentrum für den Eierhandel abgehalten. Im Jabre 1904 hat die Budapester Handels- und Gewerbekammer in mehreren, an die Regierung gerichteten Eingaben die Regelung der Eierverwertung angefordert. In 1909 hat das Verw-altungskomitee des Landesvereins der Geflügelzüchter die Gründung einer Eierbörse nach dem berliner Vorbild und eine konsequente Bestrafung von Mißbräuchen des Eierhandels vorgesehlagen. Gleichzeitig hat die Budapester Handels- und Gewerbekammer in mehreren neuen Unterbreitungen die entsprechenden Maßnahmen, besonders die Gründung einer Eierbörse urgiert. Die Frage der Verbesserung des Eierhandels hat auch den IX. Landeskongreß der ungarischen Landwirte (Országos Gazdakongresszus) vom Jahre 1911 beschäftigt. Bald wurde für eine eingehende Besprechung der Methoden und Mittel zur Verwirklichung der bezüglichen Pläne vom Handelsminister eine Konferenz einberufen. Hier wurde von den Vertretern der Kammer angekündigt, daß diese die Leitung der zur Organisierimg des Eierhandels und zur Gründung der Eierbörse erforderlichen Arbeit auf sich nimmt, worauf die Kammer vom Minister beauftragt wurde, die Arbeit einzuleiten. Nach diesen Prämissen erfolgte am 22. Februar 1912 die Gründung und am 4. November die Eröffnung der Eierbörse von Budapest. Die Bedeutung ihrer Tätigkeit erwies sieb auch darin, daß ihre Kundmachungen, ihre täglichen Preisnotierungen, ihre Sachkundigen und ihre gelegentlich erwählte Schiedsgerichte die soliden Transaktionen förderten. Nach diesem ermutigenden Beginn konnte jedoch die Eierbörse nicht lange ungestört arbeiten, weil ihre Tätigkeit durch die während des im 1914 ausgebrochenen Weltkrieges eingeführte Umsatzbeschränkung der meisten Lebensmittel, darunter auch der Eier, lahmgelegt wurde. Gegen Ende des Weltkrieges wurde dann ihre Tätigkeit gänzlich eingestellt. Um die Jahrhundertwende war es für die kapitalistische Entwicklung in Ungarn bezeichnend, daß sich die Ausgestaltung modernster monopolistischer Verhältnisse mit einer starken Rüekständigkeit auf verschiedenen Gebieten des Wirtschaftslebens paarte. Dieses Paradoxon offenbarte sich auch in dem Umstand, daß das allgemeine Niveau der damaligen ungarischen Geflügelzucht mit einer entwickelten Organisationsform des Handels wie es die Eierbörse war, nicht in Einklang stand. Es ist aber anzunehmen, daß die Tätigkeit der Eierbörse von Budapest unter nationalökonomisch ruhigeren Verhältnissen perspektivisch eine günstige Rückwirkung auf das Niveau der ungarischen Geflügelzucht hätte ausüben können.