Technikatörténeti szemle 22. (1996)

Papers from the Second International Conference on the History of Chemistry and Chemical Industry (Eger, Hungary, 16–19 August, 1995) - Suhling, Lothar: Chemisch-metallurgische Technik im Neusohler Hüttenrevier zur Agricola-Zeit – Vom Spleißen, Seigern und Treiben in Neusohl und Moschnitz

bar konkreter technologischer Beleg ist mir vor dieser Zeit aus keinem anderen Betrieb bekannt. Worin aber bestand nun diese von den frühen Nutzern streng geheimge­haltene Technologie? «- Die physikalisch-chemischen Grundzüge des Kupferseigerverfahrens lassen sich in qualitativer Hinsicht anhand des Schemas im Bild 1 als Abfolge von drei metallurgischen Operationen I II III 1. Prinzip der Seigerung von silberhaltigem Kupfer (Cu + Ag) mit Hilfe von Blei (Pb) darstellen. Ausgehend von silberhaltigem Rohkupfer (Cu + Ag) erfolgt durch Zusammenschmelzen mit einem drei- bis vierfachen Bleiüberschuß (Pb) eine Gemischbildung oberhalb von 990° C. Dieser Vorgang (I) wird als Frischen des Rohkupfers bezeichnet. Als Rohkupfer kam La. das noch etwas kupfer­sulfidhaltige „Schwarzkupfer" zum Einsatz. Daher nahm man zum Frischen einen Anteil Schlackenblei oder Herdblei, das zu einem Großteil aus Bleiglätte (PbO) bestand, hinzu. De Glätte wurde im Frischprozeß zu Blei reduziert, das Kupfersulfid größtenteils zu Kupfer und S0 2 oxidiert. Nach dem Frischen wurde das Schmelzgut zu Scheiben von drei bis dreieinhalb Zentnern ver­gossen (Stufe II). Beim Abkühlen bildet sich zunächst ein Kupfergerüst durch dendritische Kristallisation aus, da die Schmelztemperaturen der beiden Metalle Kupfer und Blei stark voneinander abweichen (1083°C/327°C) und Blei im festen Kupfer nicht löslich ist. Hierbei reichert sich das in der Schmelze enthaltene Silber im Blei an; die Blei-Silber-Legierung erstarrt schließlich unterhalb der eutektischen Temperatur von ca. 326° C im Kupfergerüst. Physikalisch gesehen handelt es sich hier um eine innere Separation durch selektive Kristallisation. In der anschließenden Operationsstufe (III) werden die erstarrten Frischstücke auf dem Seigerofen oder Seigerherd bei 700-800° C in reduzierender Atmosphäre geseigert, d. h. so lange geglüht, bis das sil­berhaltige Blei weitestgehend ausgeschmolzen und von dem fest zurück­bleibenden Kupfergerüst - Kienstöcke genannt - abgetropft ist (vgl. Bild 2). Dieses 'Herabtröpfeln' - in seiner mittelhochdeutschen Form sigen, neuhoch­deutsch seigen - ist wohl auch der physikalische Vorgang, der zur Namensgebung geführt hat 7 . Mit anderen Worten: Wir haben es in dieser Stufe (III) mit einer äußeren Trennung durch selektives Ausschmelzen zu tun.

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