Technikatörténeti szemle 10. (1978)
A MÉRÉS ÉS A MÉRTÉKEK AZ EMBER MŰVELŐDÉSÉBEN című konferencián Budapesten, 1976. április 27–30-án elhangzott előadások II. - Witthöft, H.: Új távlatok a történeti metrológiában
Vereinfachend läßt sich konstatieren, daß unser modernes, abstraktes naturwissenschaftliches Denken nicht zum unmittelbaren Nachbarn mittelalterlicher Denkweisen gemacht werden darf. Die Vorstellung von einem sich auf kleinsten meßbaren Teilen aufbauenden Universum, von einer rationalen Systematik, die die Vielfalt der Erscheinungen auf nur wenige abstrakte Normeinheiten reduziert, entbehrt für die Frühgeschichte des mittel- und nordeuropäischen Maßwesens nahezu aller Voraussetzungen. Wo die Errungenschaften antiker Wissenschaft tradiert wurden, erstarrten sie sehr bald zu leeren Formeln. 3 Das Maßwesen muß hingegen auch in diesen Regionen notwendigerweise als eine fundamental praktische, sozioökonomisch lebendige Einrichtung gesehen werden. Sollte sie überhaupt von einem Bruch in der Kontinuität antiken Wissens betroffen worden sein, dann hat sie allem Anschein nach außerdem eine ausreichend gefestigte selbständige Grundlage besessen, die mit einiger Vorsicht als autark zu bezeichnen ist und die auch im Hohen Mittelalter noch wirksam war. Keinesfalls beruhte sie auf einer abstrakten Systematik, die ich als „numismatische Interpretation" der Überlieferung charakterisieren möchte — d.h. auf einer Maßpraxis, in der angeblich die größeren Einheiten als Vielfache der kleineren wie Pfund, Mark oder gar Pfennig oder Grän verstanden werden. Es ist hinlänglich bekannt, daß die Müzmeister des Mittelalters beispielsweise die Pfennigwerte nicht mit identischem Gewicht ausbrachten. 4 Eine moderne Grundlegung des Maßwesens deutet sich vielmehr erst an, als es im 16. Jahrhundert französischen Mechanikern gelang, „so feinziehende Waagen anzufertigen, daß damit ein Grain Poids-de-marc (0,053115 g) gewogen und hergestellt werden konnte." 5 Bis zu dieser Zeit und auch noch später wurden kleinsten Teilungen einer Mark bezeichnenderweise mit der mittleren Schwere von Getreidekörnern in Beziehung gebracht. 8 Als Fazit deutet sich an, daß die aus den kaufmännischen Rechen- und Handelsbüchern seit dem 14. Jahrhundert uns überlieferten systematischen Maßgebäude die älteren Bräuche mehr verhüllen als erhellen, ihnen keinesfalls gerecht werden, sondern sie mit Hilfe eines neuen, jüngeren und abstrakteren systematischen Maßdenkens interpretieren und erweitern. 7 Der Zugang zum älteren Maßgebrauch in Mittel- und Nordeuropa führt vielmehr über eine sinnhafte Denkweise 8 und über die These, daß das frühe Maßwesen dieser Regionen zwar Basiseinheiten kannte, diese u.U. auch mit anderen Kulturen teilte oder sie von dort erhalten hatte, einerseits sie jedoch in verschiedenen Größenbereichen auf eigenständige Weise entwickelte und andererseits^ dabei stets eine Bindung an die natürlichen Vorgegebenheiten bewahrte. Konkret gesprochen ist anzunehmen, daß diesem frühen Maßwesen einerseits ein mehr oder weniger autarkes vorwissenschaftliches Naturverständnis zugrundegelegen hat, während andererseits kleinere Maßeinheiten möglicherweise aus der Teilung übergeordneter Großnormen hervorgegangen sind. Überreste einer sinnhaften „Realbindung" finden sich in großer Zahl in denselben Rechen- und Handelsbüchern — nur werden sie zumeist als scheinbar „unsystematische" Aufzählung einer Kombination von Ware, Maß und Zahl übersehen. Eine Zuordnung zu verschiedenen kaufmännischen Hantierungen und die Nennung der Herkunft von Sendungen, Waren oder Verpackungen spielt dabei eine immer wieder erwähnte Rolle. 9 Es sind diese realen Varianten, die die seit dem 14. Jahrhundert sich zunehmend stärker entfaltende Maßpluralität immer noch strukturieren,