Weiner Mihályné szerk.: Az Iparművészeti Múzeum Évkönyvei 9. (Budapest, 1966)

IPARMŰVÉSZETI MÚZEUM — MUSÉE DES ARTS DECORATIFS - Héjj-Détári, Angéla: Der „Matthias Corvinus-Pokal" und Endres Dürer, der „Meister mit Rosette"

Die Frage jedoch steht offen, ob der Matthias-Becher von der Hand des Meisters mit Rosette stammt, d. h. von demselben Goldschmied, der den Scheurl-Pokal und den erwähnten Buckelpokal der Goldschmidt-Sammlung anfertigte ? Bezüglich des Matthias-Bechers und der Werke des „Meisters mit Rosette" kann man mit drei Zeitpunkten rechnen: Der erste ist 1480, von wann an die ältesten Nürnberger Beschauzeichen, die auf dem Matthias- und auf dem Scheurl-Becher zu sehen sind, wahrscheinlich in Gebrauch stehen. Der zweite ist die sichere Jahreszahl 1519 des Seheurl-Bechers. Das Nürnberger Merkzei­chen auf dem Becher aus der Goldschmidt-Sammlung ist wieder ungewiß, da es vielleicht bereits ab 1541, wahrscheinlicher aber zwischen 1550—1650 in Gebrauch stand. Die aus der labilen Datierung Rosenbergs gewonnene Zeitspanne 1480—1650 ist daher viel zu weit und unsicher : sie ist eine Folge dessen, daß bis zum Erscheinen des Markenbuches von Rosenberg kein solches älteres Stück zutage gekommen war, das mit dem laut Verfasser ab 1550 gebräuchlichen Zeichen versehen worden wäre. Wir müssen uns aber auch dann an die von ihm angegebenen zeitlichen Grenzen anpassen. Demzufolge müssen wir — sofern wir auch in Matthias-Becher auf Grund der Analogien ein Werk des Meisters mit Rosette zu erkennen meinen —• entweder jener Tradition entsagen, die das Stück mit dem großen ungarischen König verbindet, oder müssen wir annehmen, daß das Merkzeichen des Bechers aus der Gold­schmidt-Sammlung bedeutend früher angewandt wurde, als das Jahr 1550. Wäre übrigens der hypothetisch zwischen 1480—1490 angefertigte Matthias­Becher ein Frühwerk des Meisters mit Rosette, müßte man auf Grund seiner späteren Werke einen 80—90 Jahre alten und dennoch noch schaffenden Greis — ein im Mittelalter unwahrscheinlich langes Leben ! — voraussetzen. Da diese Vorstellung unwahrscheinlich ist, muß man entweder daran denken, daß der Matthias-Becher um etwa 2 Jahrzehnte später hergestellt wurde, oder daß sein Hersteller jener unbekannte, doch bedeutende Nürnberger Goldschmied war, von dem der Meister mit Rosette die Kunst der Herstellung von Buckelpokalen erlernt hatte. Wer war dieser in der zweiten Hälfte des 15. Jhs. wirkende ältere Gold­schmied, der der Meister des Meisters mit Rosette gewesen sein konnte ? Nimmt man infolge der zeitliehen Analogie an, daß er zugleich der Hersteller des Budapester Matthias-Pokals war, muß man unbedingt nach einer stilschaffen­den, kräftigen Persönlichkeit suchen, einer solchen, bei der der „Meister mit Rosette" als Goldschmiedegeselle — vielleicht noch im ausgehenden 15. Jh. — die Kunst seines Handwerkes erlernte. Der erste, dem Namen nach bekannte Meister unter den Nürnberger Goldschmieden ist der Goldarbeiter Jeronimus Holper. Er wurde 1435 Meister, hatte mehrere Ämter innerhalb der Zunft und starb 1476. 39 Holpers Beziehungen zur weitverzweigten Familie der Dürer ist bekannt. Das erste bekannte Mitglied dieser Familie, Anton Dürer, 40 war Goldschmied in Gyula (Kom. Békés, Ungarn) begütert im benachbarten Dorf Ajtós. Hier 39 Rosenberg, a. a. O. N~r. 3745. 40 Éber László : (Hrsgb.): Művészeti Lexikon (Lexikon der Kunst) I. Budapest, 1935. S. 264. Stichwort „Dürer" (verfaßt von I. Genthon). Zádor A. — Genthon I. (Hrsgb.): Művészeti Lexikon (Lexikon der Kunst) I. Buda­pest, 1965. S. 575-78 (verfaßt von J. Végh).

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