Weiner Mihályné szerk.: Az Iparművészeti Múzeum Évkönyvei 9. (Budapest, 1966)
IPARMŰVÉSZETI MÚZEUM — MUSÉE DES ARTS DECORATIFS - Héjj-Détári, Angéla: Der „Matthias Corvinus-Pokal" und Endres Dürer, der „Meister mit Rosette"
dieser Entwicklung führt zum Typus der Glockenblumenpokale der Renaissance, 18 ein anderer zeitigte die Entstehung der jeweils par excellence Buckelpokale und leitet letzen Endes zu den traubenförmigen (ungarisch „szőlyőfő") Pokalen. Der Entwicklungsprozeß des Buckelpokale berührte derart wichtige Stationen, wie z. B. die Kunst Albrecht Dürers, in dessen berühmtem Dresdener Skizzenbuch auch diese bekannte Form unter den Zeichnungen für Goldschmiedewerke erscheint. 19 Ebenso auch die zwei, dem Budapester Matthias-Becher ähnlichen Pokale im Lüneburger ,,Ratssilber" (1504 und 1523), 20 und auch der Doppelpokal des Christoph Scheurl (1519), 21 und schließlich der Doppelpokal aus dem Goslarer ,,Ratssilber", der mit der Bergkanne (mit der Jahreszahl 1477 bezeichnet) ein Service bildet, seiner Inschrift zufolge aber aus dem Nachlaß von Johann Papen, Bürgermeister zu Goslar (1497—1509)j*tammt: „DISSE VORGULDEN KOPPE TVVEI SUNT UT DES ACHTBAR MGRI JOHAN PAPE BORGMESTERS SELIGEN TESTAMET TO GEMEINE BESTE HERGEBEN 1519." 22 Der Goslarer Becher scheint das Paarstück unseres von seinen Zierden erlösten MatthiasBechers zu sein, doch ist auch der Doppelpokal des Eustachius Hohmann (1585—1612), 23 der um 1610 entstandene Doppelpokal des Caspar Beutmüller 24 und etliche, in der ersten Hälfte des 17. Jhs. entstandene Buckelpokale des ebenfalls Nürnberger bekannten Goldschmiedes Peter Wiber 25 nahe Verwandte. Diese Form wurde also von der deutschen Goldschmiedekunst übernommen, sie wurde sogar ein charakteristischer Zug der zur Spätgotik beginnenden, ab Mitte des 16. Jhs. jedoch bereits den Stil der mitteleuropäischen Goldschmiedekunst an gebenden Goldschmiedekunst der Stadt Nürnberg. Interessanterweise sind aber die vielen wertvollen Schöpfungen selbst zur Hochrenaissance noch gotischer Konzeption, der neue Stil offenbart sich bestenfalls in den gravierten Renaissancemustern auf dem Mundrand. Das steht auch für eines der spätesten Werke von Hans Petzolt, dieser hervorragenden Persönlichkeit der deutschen Goldschmiedekunst der Renaissance: den Doppelpokal aus Moskau, 26 der ebenfalls in gotischem Geschmack aufgebaut und der Zeitdifferenz von anderthalb Jahrhunderten zuwider, eine recht nahe Analogie des Budapester Matthias-Pokale ist. Man muß aber bemerken, daß selbst auf den erwähnten, im 16. und 17. Jh. entstandenen Buckelpokalen keine solche Überlastung mit Ornamenten, die Formen verdeckenden, aus Blech ausgeschnittene Applikationen zu beobachten sind. 18 Mihalik : Die ungarischen Beziehungen des Glockenblumenpokals. . . 19 Wölfflin, Heinrich : Albrecht Dürer. Handzeichnungen. Berlin. Taf. 52. 2(1 Appuhn, Horst : Das Lüneburger Ratssilber. Nr. 14. Taf. 6. Much, Hans : Niederdeutsches gotisches Kunsthandwerk. Braunschweig, 1923. 21 Rossacher, Kurt : Der Nürnberger Hochzeitspokal des Christoph Scheurl aus der Sammlung Hearst. Alte und moderne Kunst. 1963. Sept. Okt. 22 Winkelmann, Heinrich (Hrsgb.) : Der Bergbau in der Kunst. Essen, 1958. S. 142. Kohlhaussen, Heinrich : Geschichte des deutschen Kunsthandwerks. München, 1955. S. 228. Griep, Hans-Günther : Mittelalterliche Goslarer Kunstwerke. Goslar, 1957. S. 33-34. 23 Rosenberg, a. a. O. III. Nr. 4033. Abgebildet in: Rolf Fritz: Gold und Silber. Beschreibendes und historisches Verzeichnis der Goldschmiedearbeiten des 12 —18. Jahrhunderts. Dortmund, 1965. Taf. 47. 24 Rosenberg, a. a. O. Nr. 4046/a. Abbildung auf Taf. 93. 25 Rosenberg, a. a. O. Nr. 4119. Abgebildet in: Dr. Max H. v. Freeden : Prunkstücke deutscher Weinkultur. Würzburg, 1957. Taf. III. 26 Böhm, Ernst: Hans Petzolt, ein deutscher Goldschmied. München, 1939. S. 30. Taf. XXVI.