Tanulmányok Budapest Múltjából 28. (1999) – Urbanizáció a dualizmus korában: konferencia Budapest egyesítésének 125. évfordulója tiszteletére a Budapesti Történeti Múzeumban

A VÁROS KULTURÁLIS ÉLETE ÉS A POLGÁROK - Szvoboda Dománszky Gabriella: Az Esterházy Képtár a magyar fővárosban 219-259

Ausdruck brachte: „Die Sammlung wird den Geschmack der ganzen Nation formen. Dadurch kann sich Ungarn auch auf dem Gebiet der Kunst mit den gebildetsten Völkern der Welt messen." Die ungarische Hauptstadt hatte keine Räumlichkeiten, in denen die Galerie angemessen hätte präsentiert werden können. So traf es sich glücklich, daß man gerade zu dieser Zeit mit der Planung eines neuen Akademiegebäudes begann. Emil Dessewffy bot dem Fürsten an, das geplante Gebäude um ein Stockwerk zu erweitern, falls dieser seine Gemäldegalerie dort zeigen wolle. Fürst Paul gehörte selbst zu den Gründern der Akademie, seit 1853 war er zudem Mitglied des Gremiums, das die Baupläne zu beurteilen hatte. Wahrscheinlich hat er auch auf die Entscheidung, das Gebäude im Stil der Neorenaissance zu errichten, unmittelbar Einfluß genommen, denn tatsächlich wurde mehr als die Hälfte des Palastes zu keinem anderen Zweck als der Präsentation seiner Sammlung gebaut. Zum Architekten der zwischen 1861 und 1865 gebauten Akademie bestimmte man August Friedrich Stüler ( 1800-1865) aus Berlin. Er legte den Festsaal in die Mitte des Gebäudes und über diesen in den dritten Stock einen run­den Saal mit Oberlicht, der dem Tribuna-Saal der Uffizien nachempfunden war und dessen Wände wie in den Uffizien kirschrot angelegt wurden. Die Esterházysche Galerie wurde in den Räumen des zweiten und dritten Stockwerkes un­tergebracht; am Eingang der Galerieräume sah man das Wappen der Esterházys. Im Februar 1865 erhielt Gustav Kratzmann, der die Sammlung in Wien betreute und mit ihr nach Pest umziehen sollte, die Anweisung, mit den Vorbereitungen für den Transport zu beginnen. Siebzig Kisten mit einem Gesamtgewicht von 4 000 Kilogramm trafen im Juni 1865 in Pest ein. Die Presse war begeistert: „Nicht länger ist Wien die östliche Kunststadt; diese Rolle ist an Pest übergangen. Ab heute wird man auch von unserer Kunst, und nicht länger nur von un­serem Schwert Kenntnis nehmen." Allerdings stellte Fürst Paul einige Bedingungen. Er erhielt alle Besitzrechte an der Sammlung zugunsten der Familie aufrecht, so daß diese auch zukünftig frei über die Sammlung verfügen und die Leihgabe auch zurücknehmen konnte. Auch verlangte er, die Sammlung müsse überall und zu allen Zeiten den Namen Esterházysche Bildergalerie tragen. Die Präsentation der Sammlung in einem öffentlichen Gebäude bedeutete eine qualitative Veränderung. Aus einer Privatangelegenheit war eine öffentliche, eine Angelegenheil von nationaler Bedeutung geworden. Für alle Beteiligten war die Lösung, die europäischen Meisterwerke im Gebäude der Akademie zu plazieren, vorteilhaft. Fürst Paul konnte seinen Namen in einer angemessenen Umgebung verewigen, dei Familie Medici, das große Vorbild, hatte Pate gestanden: die Akademie wurde durch die Galerie außerordentlich bereichert; und die Hauptstadt schließlich konnte als der Hauptfinancier des ganzen Projekts seine Entwicklung zu einer Weltstadt - ganz in der Nachfolge von Florenz - demon­strieren. Fürst Paul starb 1 866; das überschuldete Fideikommiß des Hauses Esterházy mußte schleunigst saniert werden. Auch der Verkauf der wertvollen Bildergalerie kam in Frage. Die Sequestrations-Kommission bot dem Kultusminister, Joseph Eötvös, offiziell an, die Galerie zu kaufen. Doch wurde durch die Staatsbürokratie eine rasche Entscheidung verzögert. So begann die Familie mit Interessenten im Ausland Verhandlungen zu führen. Diese Entwicklung und der Gedanke, die Sammlung könnte Pest wieder verlassen, löste in der Akademie Besorgnis, unter der Bevölkerung hingegen Empörung aus. Schließlich war der gerade erst fertiggestellte Neubau der Akademie nur wegen der Galerie so groß konzipiert wor­den, und dies hatte nicht zuletzt erhebliche Mehrkosten verursacht. Die Akademie teilte denn auch mit, daß sie im Falle der Abwanderung der Sammlung eine Entschädigung von 200 000 öst. Forint verlangen werde. in diesem kritischen Moment traf ein Mann in Pest ein, dessen Geschick es zu verdanken ist, daß es zum Ankauf der Sammlung durch den Staat kam. Es war Franz Pulszky, der neue Direktor des Nationalmuseums, der aus der englischen Emigration nach 1848 nach Hause zurückkehrte, und sich sofort in die Debatte einschaltete. Mit rhetorischem Geschick gewann er für die Sache den Finanzminister Karl Kerkápoly. Auch war ihm dabei Gyula Andrássy, der Ministerpräsident und Reichminister der Äußeren, behilflich. Wahrscheinlich auf Vorschlag von Franz Pulszky beauftragte der Ministerrat den damals namhaften Kunstexperten, den in Paris lebenden Deutschen Otto Mündler, den Wert der Sammlung zu schätzen. Mündler kam zu dem Ergebnis, die Sammlung habe einen Wert von 2 995 000 Francs. Dies war die Grundlage für den Kaufvertrag, den die Regierung am 8. Dezember 1870 mit der Familie schloß. Der Kaiser genehmigte den Vertrag am 14. Dezember, und der Landtag rati­fizierte ihn per Gesetz. Die Gemälde-, Zeichnungs- und druckgraphische Sammlung ging für 1 300 000 öst. Forint in das Eigentum des Staates über. Damit war im Jahr 1871 die Landesgemäldegalerie als eine repräsentative staatliche Sammlung entstanden. Im Jahre 1873 wurden Pest und Ofen zu Budapest vereinigt, und die Hauptstadt entwickelte sich immer rascher. Anläßlich der Millenniumsfeier der ungarischen Landnahme (1896) wuchs die Zahl der neuen öffentlichen Gebäude besonders schnell. Im Rahmen einer Sitzung aus Anlaß der Schönen Künste (bzw. das Museum der Bildenden Künste), das auch die Nationale Gemäldegalerie beherbergen sollte. Das grandiose Museumsgebäude wurde 1906 fertiggestellt. Endlich konnten die staatlichen Kunstsammlungen, die seit fast einem Jahrhundert zusammengetragen worden waren, ihren endgültigen Platz einnehmen. 259

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