Tanulmányok Budapest Múltjából 19. (1972)

Spira György: Pest a negyvennyolcas forradalom szeptemberi fordulatának kezdetén = Pest zu Beginn der September-Wendung der ungarischen Revolution von 1848/49 327-358

kämpfen. Da er jedoch wußte, daß die Mehrheit der Pester Massen zwar die radikale Politik in allem unterstützte, im Vergleich zur Gesamtbevölkerung des Landes nur einen Bruchteil ausmachte, und weil er weiterhin sah, daß auch die Mehrheit des liberalen Adels endlich einmal geneigt war, sich mit den Habs­burgéra einzulassen, trat der Gleichheits-Club noch immer nicht für die so­fortige Einführung einer revolutionären Diktatur, sondern zunächst nur für die Schaffung einer radikal-liberalen Koalition unter der Führung von Kossuth ein. Und dieses Ziel konnte nun schon erreicht werden, wenn auch nicht von einem Tag auf den anderen. Am 11. September nämlich begann Jellacic seine aggressiven Kriegshand­lungen, die Batthyány-Regierung, die nun selbst die Schlappe ihrer bisherigen Politik bekannte, trat zurück, und Erzherzog Stephan teilte dem Landtag mit, daß er die Lenkung des Landes übernehme. Das Abgeordnetenhaus aber bestand darauf, daß die Exekutivgewalt solange in der Hand der abgesagten Regierung bleibe, bis an deren Stelle eine neue Regierung trete. Erzherzog Stephan war also gezwungen, seine Machtübernahmepläne fallenzulassen, um wenigstens von Kossuth loszukommen, und war gezwungen, Batthyány den Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung zu geben. Allerdings durchkreuzte dieser Schritt vorläufig auch die Pläne des Gleichheits-Clubs, eine radikal­liberale Koalition an die Macht kommen zu lassen. Die am 10. September freigewordene Empörung blieb jedoch auch in den folgenden Tagen nicht ohne Fortsetzung: unter den Fenstern des Abgeordneten­hausen wiederholten sich von Tag zu Tag die Demonstrationen, und in den Bankreihen des Abgeordnetenhauses wuchs von Tag zu Tag das Mißtrauen gegenüber Wien, nun noch verstärkt durch das Gefühl eines Verdachtes gegen den Palatin. Kossuth gelang es so bis zum 15. September, den Beschluß durch­zubringen, daß das Abgeordnetenhaus zur systematischen Kontrolle der ent­stehenden zweiten Batthyány-Regierung aus seinen eigenen Reihen eine ständige Kommission bilde. Am folgenden Tag wählten die Abgeordneten in diesen Landesverteidigungsausschuß zum größten Teil Radikale, neben denen sich natür­lich auch Kossuth befand. Und somit bildeten sich dennoch schon in diesen Tagen die Organisationsformen der zukünftigen radikal-liberalen Koalition, sodaß Anfang Oktober, als offensichtlich wurde, daß auch die zweite Batthyány-Regie­rung unfähig ist, die im Laufe des Angriffs der Konterrevolution entsandenen kritischen Lage zu bewältigen, diese Koalition reibungslos die Lenkung der Exekutivgewalt übernehmen und die Organisation des Freiheitskriegs beginnen konnte. 358

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