Tanulmányok Budapest Múltjából 19. (1972)

Komárik Dénes: Az 1844-es pesti Országháza-tervpályázat = Das Ständehaus 251-281

DÉNES KOMÁRIK DAS STÄNDEHAUS Wie im Jahre 1791 für das Kapitol in Washington, 1834 für das Parlament in London, so hat man auch für das Ständehaus in Pest im Jahre 1844 einen Architektenwettbewerb ausgeschieben. Der Bau eines Ständehauses in Pest steht in dem organischen Prozess des Bemühens, den Ort der Landtage von Preßbung, das sehr in der Nähe der Kaiserstadt Wien lag, nach Pest zu verlegen, in das Innere des Landes. Auch daß die Bedeutung von Pest innerhalb des Landes sich schnell vergrö­ßerte, ist auf dieses Bestreben zurückzuführen. Denn die rechtmäßige Haupt­stadt war ja noch Buda, die am jenseitigen Ufer der Donau liegende Schwester­stadt von Pest. Die Stände drangen seit 1830 auf jedem Landtag auf den Bau eines Ständehauses in Pest. Im Juni 1844 schließlich wurde ein internationaler, geheimer Architektenwettbewerb mit November als Einreichetermin aus­geschrieben. Der Landtag der Jahre 1843/44 wurde noch vor dieser Zeit auf­gehoben, sadaß der Bericht über die eingereichten Arbeiten erst auf dem Landtag von 1847/48 verlesen werden konnte. Die Ereignisse vom März 1848, ebenso wie der einige Monate später auflodernde Freiheitskampf, drängten aber damals die Angelegenheit in den Hintergrund. Der Mißerfolg des Freiheitskampfes, der Verlust der Unabhängigkeit und der neuen staatlichen Einrichtungen des Landes hatten auch für den Architektenwettbewerb des Ständehauses verhänglisvolle Folgen. Unter dem Absolutismus, der auf die Niederschlagung des Freiheitskampfes folgte, konnte von einem Aufbau eines ungarischen Ständehauses keine Rede mehr sein. Dringende Notwendig­keit erforderte aber im Jahre 1865 den Bau eines wenn auch nur provisorischen Abgeordnetenhauses, das dann innerhalb dreier Monate errichtet wurde; wo­durch jedoch der Bau eines endgültigen, kostspieligen und großartigen Ständehauses für lange Zeit aufgeschoben wurde. So geschah es, daß der Architektetwettbewerb von 1844 niemals zur Auswertung kam und in eigen­tümlicher Weise auch offiziell niemals abgeschlossen wurde. Obgleich keine einzige der 42 eingereicten Preisarbeiten bekannt ist, steht uns aufgrund verschiedener Quellen trotzdem ein ziemlich reiches Material zur Verfügung. Es ist sowohl hinsichtlich des Wettbewerbs, als auch — Weil ebenfalls ausländisshe Wettbewerber teilnahmen — in Hinsicht auf die Geschichte der ungarischen und europäischen Architektur beachtenswert. Nach 1849 haben mehrere Bewerber ihre Arbeit zurückverlangt. Dadurch konnte die Hälfte aller Verfasser des Wettbewerbs festgestellt werden. Die nicht zurückgeschickten Arbeiten wurden im zuständigen Ministerium auf­bewahrt und verschwanden später spurlos. Es ist zu befürchten, daß sie im zweiten Weltkrieg, während der Belagerung Budapest, vernichtet wurden. Folgende entwarfen Pläne, aber nahmen an dem Wettbewerb nicht teil: Eduard van der Null und August von Sicardsburg (Bild Nr. 1.), Raphael Ritter von Rigel (Bild Nr. 2.) Folgende nahmen an dem Wettbewerb teil: Antal Steiner, Architekt aus Pápa; Hermann Gémmel, Architektur-Professor an der Akademie von Königsberg; Urbani, Architekt aus Venedig; Carl Victor Keim, Architekt aus Regensburg; Eduard Metzger, Professor am Mün­chener Polytechnikum; József Pán, Baumeister aus Buda; Ede Szemelits, Ingenieur; Lodovico Manzi, Architekt aus Mailand; Heinrich Zanchi, Architekt; Károly Glembay, Ingenieur; Johann Stuhlmann Architekt aus Posen (mit 5 280

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