Tanulmányok Budapest Múltjából 19. (1972)

Morvay Endre: A Pest-budai repülőhíd = Die fliegende Brücke von Pest-Buda 131-151

ENDRE MORVAY DIE FLIEGENDE BRÜCK EVŐN PEST — BUDA Das heutige Budapest verdankt seine Entstehung der Tatsache, dass sich hier seit Urzeiten eine militärisch und wirtschaftlich wichtige Ueberfahrtsstelle der Donau befunden hatte. Die zur Ueberf ahrt und Warenbeförderung benützten Mechanismen sind uns nur aus bildlichen Ueberlieferungen bekannt; und auch diese datieren von nicht sehr lange her. So wissen wir mit Bestimmtheit, dass zur Zeit der Türkenherrschaft die beiden Städte Pest und Buda durch eine Schiffsbrücke verbunden waren. Letztere wurde während der Belagerung von Buda vernichtet und dann nicht wieder hergestellt. An ihrer Stelle wurde nach der Befreiung der Stadt eine am Seil pendelartig verkehrende Fähre, die sogenannte fliegende Brücke eingesetzt. Diese genügte mit ihren periodischen Fahrten zur Abwicklung des Verkehrs zwischen den durch Besetzung und Belagerung ruinierten beiden Städten. In der bisher veröffentlichten Literatur gehen die Meinungen darüber, seit wann die fliegende Brücke von Pest in Betrieb gewesen ist, auseinander. Aus in den Archiven befindlichem Material kann darauf geschlossen werden, dass die fliegende Brücke von Pest —Buda ungefähr in den Jahren 1695—96 entstand; dass sie in 1701 bestand, wissen wir schon mit Sicherheit, da Angaben darüber vorhanden sind, dass die Stadt Pest in diesem Jahr eine neue fügende Brücke bestellte. Sie wird im Tagebuch des Pfarrers Chishull, der den englischen Gesandten nach der Türkei begleitete, in 1702 erwähnt. Bjelke Türe, der Generaladjutant des Königs Karl XII. von Schweden, benützte sie in 1714 zur Ueberfahrt von Pest nach Buda. Die Ueberfahrtsstellen sind uns aus zeit­genössischen Stichen bekannt. Ueber Mechanismus und Funktionieren der fliegenden Brücke verfügen wir über weniger Angaben. Gemäss einer Beschreibung wurde sie mit Rudern betrieben, nach anderen Aufzeichnungen jedoch war es lediglich die Strömung des Flusses, das die Fähre am Seil an das andere Ufer brachte. Im Staatsarchiv zu Budapest befindet sich eine Zimmerwerkzeichnung aus dem Jahre 1790, die die fliegende Brücke darstellt; das Funktionieren der Bestandteile wird jedoch durch keinen Text erläutert. Eine Beschreibung der fliegenden Brücke ist in Josef Schemerls Werk aus 1807 enthalten, doch fehlt auch hier die Funktions­beschreibung, der Text gibt zu einigen Missverständnissen Anlass und entbehrt auch der Illustrationen. Dennoch können aus dem Vergleich dieser beiden Quellen interessante Schlüsse gezogen werden. Das funktionieren der fliegenden Brücke kann aus ihnen rekonstruiert werden. So kann man feststellen, dass die von den Masten getragene Gleise den wichtigsten Bestandteil des Lenkmechanismus der Fähre bildet. Das am hinteren Schiffsteil befestigte Seil kann sich in dieser Holz­schiene hin und her bewegen. Wenn bei der Abfahrt der Schnabel des Schiffes in der Weise dem anderen Ufen zugedreht wird, dass das am Gatt befestigte Seil in der von den zwei Balken gebildeten Schiene in die dem Abfahrtsufer zugewandte Ecke rutscht, dann wird das Schiff eine die Schiebwirkung des Flusses ausnützende Schrägstellung einnehmen und diese während der ganzen Ueberfahrt behalten können. Es wird also nicht in der Flussmitte stehen bleiben, was dann der Fall wäre, wenn das Seil am Schiffsschnabel befestigt wäre, Das Funktionieren dieses Lenkmechanismus wurde noch von Schaufeln befördert, die von der Schiffseite herabgelassen werden konnten. Letztere 150

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