Tanulmányok Budapest Múltjából 19. (1972)

Scheiber Sándor: Egy budai Mendel Nürnbergben = Ein ofner Mendel in Nürnberg 79-86

SÁNDOR SCHEIBER EIN OFNER MENDEL IN NÜRNBERG Joselman (Josel) Rosheim (gest. 1554) erzählt in seinem jetzt herausgegebenen Werk Sefer Hammiknah (ed. A. Fraenkel-Goldschmidt. Jerusalem, 1970. pp. 12—13.), dass ein reicher Ofner Jude sich in der Nürnberger Gemeinde ansiedeln und mit Hilfe seines Geldes nach Macht streben wollte. Die dortigen Juden waren dagegen. Die Stadtbehörde, die auf seiner Seite war, liess aus Rache die Juden durch den Kaiser aus der Stadt vertreiben. Dies geschah 1499. Rosheim sah noch den Ofner Juden verarmt. Sein Sohn schlug einen schlechten Weg ein. Er nennt seinen Namen nicht: „Ein Jemand" OKWÎ ''.«ö). Die Anspielung (man döhu) birgt den Namen: Mann, Mendel, ein Familien­mitglied des Ofner praefectus Judaeorum. Diese Familie galt seit Mathias als die vornehmste in Ofen. Die Aufgabe des praefectus war es, die Steuer der Juden für die königliche Schatzkammer einzunehmen. Dafür wurden ihm Privilegien zuteil: Bei festlichen Gelegenheiten begleitete er den König an der Spitze einer pomphaften Truppe und wurde vom Tragen des Judenzeichens enthoben. Die Mendels kamen vom Ausland nach Ungarn und nach 1526 gingen sie wieder ins Ausland. Rosheims Text macht es nun wahrscheinlich, dass sie von Nürnberg her kamen, die Nürnberger Hallers oder andere Nürnberger Kaufleute mochten sie gerufen haben. Zu dieser. Zeit treffen wir tatsächlich Mendels in Nürnberg; 1497 lässt Kaiser Maximilian dem ihm Dienste erweisenden Juden Mendel von der Stadt 200 Gulden zahlen (A. Müller: Geschichte der Juden in Nürnberg. 1146—1945. Nürnberg, 1968. p. 75.). Die Studie setzt voraus, dass dieser Mendel — laut Beispiel seiner Ofner Familie — auch in Nürnberg eine jüdische Präfektur für sich wollte ins Leben rufen lassen. Dies wollten die dortigen Juden nicht. Wenn Rosheim schreibt, der Sohn des Ofner Juden habe einen schlechten Weg eingeschlagen, so bedeutet das offenbar, er habe sich getauft. Tatsächlich kennen wir aus dieser Zeit einen Christoph Mendel aus Ofen, der 1534 den refor­mierten Glauben annahm und vom Markgrafen Georg von Brandenburg als Pro­fessor des Hebräischen nach Ansbach berufen wurde. G. Hamman erweist neuer­lich, dass er früher Jacob hiess (Zeitschrift für bayerische Kirchengeschichte 39 [1971] 220—230.). Dessen Vater mochte der in Rosheims Text erwähnte Ofner Mendel gewesen sein. Ein Beweis dafür ist es, dass nach Vertreibung kein Jude mehr Nürnberg betreten durfte. Einmal wird eine Ausnahme gemacht. 1529 erhält auf Bitte des Markgrafen Georg von Brandenburg der Jude Mendel die Erlaubnis, für ein Vierteljahr nach Nürnberg zu kommen. Die Persönlichkeit des Protektors macht es unzweifelhaft, dass von Jacob die Rede ist, der damals noch Jude war und erst nach fünf Jahren den Namen Christoph und das Christentum annahm. 86

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