Tanulmányok Budapest Múltjából 17. (1966)
Die Entwicklung des Pester Handwerks im XVIII. Jahrhundert und die Reform des Zunftwesens
Das überholte Zunftwesen und die Handwerksmissbräuche hemmten allgemein die Entwicklung der gewerblichen Produktion und Technik, da die Aufnahme in die Zunft meist weniger von der beruflichen Tauglichkeit als von den verwandtschaftlichen Beziehungen abhing. Die Langsamkeit der Zunftarbeit, die Schlechtigkeit ihrer Produkte führte zu vielen Beschwerden. Gegen diese suchte die staatliche Gewerbepolitik mehr nur im Nahrungsmittelgewerbe Abhilfe zu schaffen. Die Lockerung der Zunfsperre, die Erhöhung der Zahl der Meister wirkte sich auch auf die Qualität der Gewerbeproduktion vorteilhaft aus. Die Lage der Lehrlinge und Gesellen wurde durch die Herabsetzung der hohen Aufnahmsgebühren, der Kosten der Meisterprüfung und durch andere Massnahmen zweifellos gemildert. Demgegenüber verhielt sich die merkantilistische Gewerbepolitik ablehnend gegen die Lohnforderungen der Gesellen und Lehrlinge sowie gegen ihre Bewegungen, da sich diese, ihres Erachtens, ebenso gegen das „Gemeinwohl" richteten, wie die Missbräuche der Meister. Diese Politik verschlimmerte, schon infolge der erhöhten Lebenskosten, die soziale Lage der Gesellen und Lehrlinge. Die merkantilistische Zunftpolitik des Wiener Hofes richtete sich in Ungarn — wie dies auch die Analyse der Entwicklung des Pester Handwerks zeigt — mehr nur darauf, die bessere Verpflegung der Bevölkerung und die Versorgung des Militärs zu sichern. Sie war nicht, wie in Österreich, darauf bedacht, das Gewerbe aus den Zunftfesseln zu lösen und es auf den Weg des Kapitalismus zu leiten. Denn die staatliche Kontrolle der Zünfte führte, wie schon gesagt, mehr zur Ausbreitung des Zunftwesens als zur Lockerung seiner Schranken, wie dies zur Förderung der kapitalistischen Ansätze erforderlich gewesen wäre. Im letzten Abschnitt gibt die Studie auf Grund statistischer Daten eine Übersicht über die Lage des Pester Handwerks von 1770 bis 1780. Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt und das Ergebnis der staatlichen Gewerbepolitik zeigt sich daran, dass sich damals die Zahl der Handwerksberufe in Pest schon über 100 erhöhte, und dass die Zahl der Handwerker 15—17% der gesamten Stadtbevölkerung betrug. Es traten auch Handwerksfächer auf, aus denen sich mit staatlicher Unterstützung kapitalistische Gewerbe (Manufakturen) ausbilden konnten. 109