Tanulmányok Budapest Múltjából 14. (1961)
Tóth András: Pest közterhei és városgazdálkodása a visszafoglalástól a Rákóczi-szabadságharcig = Die öffentlichen Lasten und der städtische Haushalt Pests in der Zeit von der Rückeroberung der Stadt bis zum Freiheitskrieg Rákóczis 213-240
A. Tóth DIB ÖFFENTLICHEN LASTEN UND DER STÄDTISCHE HAUSHALT PESTS IN DER ZEIT VON DER RÜCKEROBERUNG DER STADT BIS ZUM FREIHEITSKRIEG RÁKÓCZIS In unserer Studie, die im vorigen Band dieser Serie veröffentlicht wurde, haben wir untersucht, wie sich das gesellschaftliche und politische Leben der Stadt Pest in der Zeit von der Befreiung aus der Türkenherrschaft bis zu dem von Rákóczi geführten Freiheitskrieg gestaltet hatte. Aus dem Kampf, der sich zwischen dem Stadtrat, der Bürgerschaft und den Anhängern der Kameralverwaltung vor einem gesellschaftlich sehr komplizierten Hintergrund abspielte und dessen bedeutendster Erfolg darin bestand, für Pest das Privilegium einer königlichen Freistadt errungen zu haben, war die gewerbetreibende Bürgerschaft deutscher Nationalität erstarkt hervorgegangen. Günstig beeinflußt wurde diese Entwicklung durch die zwischen der Selbstverwaltungspartei und der Hofkammer immer enger werdenden Beziehungen und durch die gesellschaftlich und national sehr heterogene Zusammensetzung der Einwohnerschaft Pests, die eine größere Beweglichkeit der einzelnen Kräfte ermöglichte. In unserer gegenwärtigen Studie befassen wir uns mit den Problemen des städtischen Haushalts in dieser durch viele Kämpfe bewegten Periode, um im Spiegel des wirtschaftlichen Fortschritts den allgemeinen Entwicklungsgang klarer vor Augen zu führen. Der Kampf um das Privileg war und konnte auch nicht ein reiner politischer Kampf sein. Wie bei einer jeden, der äußeren Form nach politischen Kraftprobe, standen auch hier wirtschaftliche Interessen im Hintergrund. Für die Stadt war es von größter Wichtigkeit — und dies kommt auch im Text des Privilegiums klar zum Ausdruck —, daß sie auch wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen kam. Als Entgelt für die wirtschaftliche Selbständigkeit war sie zu jedem materiellen Opfer, ja zu jedem Risiko bereit. Aus der Fachliteratur sind uns zur Genüge jene finanziellen Schwierigkeiten bekannt, welchen sich im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts der Habsburgerstaat gegenübersah. Auf seinem Weg zur Schatzkammer versickerte das Geld in einem solchen Gewirr kleiner Kanäle des Mißbrauchs, daß daraus nur eine ausbeutende Steuerpolitik resultieren konnte. Für diese Ausbeutung hätte aber die Wiener Finanzpolitik auch bei nochsovielem Suchen keine besseren Objekte finden können als die als Rebellen geltenden ungarischen Bauern, und die kraftlose städtische Bürgerschaft der neuerworbenen Gebiete. Der Zweck der befreienden Kriegsoperationen war nicht der, auf dem Turm von Ofen das Kreuz an die Stelle des Halbmonds zu setzen, sondern neue Gebiete für das Danaidenfaß der kaiserlichen Schatzkammer zu erschließen. Demgegebüber kann wirtschaftlich der Kampf der Stadt um das Privilegium darin zusammengefaßt werden, daß die Bürgerschaft angesichts der erbarmungslosen militärischen und kameralischen Steuerpolitik bestrebt war, diese Lasten von einer durch die Stadt einzutreibenden Steuer ablösen zu lassen, welche die Einkünfte sowohl der Stadt als auch der Bürgerschaft zu vermehren imstande war. Der erste Kameralinspektor in den befreiten Gebieten war Stephan Johann Werlein, ein sehr früher Vertreter der Idee, aus Pest einen Marktort, ja einen Handelsknotenpunkt zu entwickeln. Bereits in 1688 genehmigte er die Abhaltung von Wochenmärkten und wiederholt betonte er, daß die Organisierung der Gilden mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu fördern sei. Vermutlich war es nicht zu geringem Teil ebenfalls Werleins Verdienst, daß die Kammer schon in 1690 der Stadt Pest die Abhaltung von Jahrmärkten gestattete, bzw. gleich in den ersten Jahren steuerfreie Perioden ermöglichte. Werleins Nachfolger in der Kammerdirektion traten nicht in seine Spuren, was Pest jahrzehntelang zu fühlen bekam. Für sie zählten weder die politischen, noch die wirtschaftlichen Interessen der Stadt. Um die Jahrhundertwende tauchten dagegen die Ideen Werleins, selbstverständlich den neuen Verhältnissen angepaßt, erneut auf. Damals stellte sich die Hofkammer, gegenüber der ausbeutenden Kammerdirektion, an die Seite der städtischen Autonomiebestrebungen. 238