Tanulmányok Budapes Múltjából 11. (1956)
Mályuszné Császár Edit, Kelemen László színháza
aufgeklärte Beamten hier mehr erreichen konnten, als in den Komitaten, die in ihren Massen konservativ waren. Der Dienst im Komitat oder in der Regierungsbehörde änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass sich jeder aufgeklärte Adelige verpflichtet fühlte, die Sache des ungarischen Theaters auf jede Weise zu fördern. Dies tat er in den Akten, besass aber seine Feder noch grössere Fähigkeiten, so eilte er, dem Mangel an Theaterstücken abzuhelfen, in dem er selbst schrieb und übersetzte, je nach Bedarf, bald Dramen, bald Schwanke. Das Übersetzen war aber eine schwere Arbeit. Geeignete Worte, oder gar passende Ausdrücke zu finden, konnte manchmal die Arbeit von Tagen sein. Péczely, Kazinczy, sodann auch Dugonics und Verseghy verbrachten viele mühsame Stunden mit Übertragungen. Der ungarische Adel des »Jahrhunderts des Lichts« tat sein Möglichstes, um der Schauspielkunst in der Muttersprache Beistand zu leisten. Unter den erfolgreichen Theaterdichtern finden wir aber auch solche bürgerlicher Abstammung, wie z. B. den Piaristen Christoph Simai, den Gärtnersohn aus Komárom, der sein Leben in staatlichen, sogenannten Normalschulen verbrachte und die Kinder armer Leute unterrichtete. Er kannte und liebte den Bürgerstand und wählte für seine Übersetzungen mit Vorliebe bürgerliche Stücke. Sein bürgerliches Selbstbewusstsein w T ar aber instinktiv und in seinen Worten ist die unmittelbare Wirkung der französichsen Aufklärung schwer zu entdecken. Die Rolle des Bürgertums offenbart sich in der Geschichte unseres Theaters auch durch die städtischen Magistrate. Die Stadt Buda war der Theatertruppe Kelemens nicht besonders zugetan, der Rat und die Ratsherren der viel fortschrittlicheren Stadt Pest waren ihr dagegen auf jede Weise behilflich. Der Kern der Truppe von Ladislaus Kelemen bildete sich auf die Anregung Kazinczys in der begeisterten Stimmung des Sommers von 1790, als die Wiederherstellung der Verfassung jedermann mit freudiger Hoffnung erfüllte. Adelige Mitglieder der verschiedensten Fakultäten der Pester Universität erklärten sich bereit, den ungarischen »Actorenberuf« auf sich zu nehmen. Sobald aber das Problem der Unterbringung des Theaters die Verwirklichung des Planes immer fraglicher erscheinen Hess — der deutsche Pächter der Theatergebäude der beiden Städte wollte nämlich, da er die Konkurrenz fürchtete, die Gebäude auf keinen Fall zur Verfügung stellen, — blieben diese ersten begeisterten Anreger langsam weg und nur ein einziger Mann : Ladislaus Kelemen kämpfte hartnäckig für die Realisierung des Planes weiter. Im Lichte der Quellenangaben des Hauptstädtischen Archivs stellte es sich heraus, dass Kelemen nicht, wie man früher geglaubt hatte, Advokat war, sondern röm. kath. Kantor, Nachfolger seines Vaters im Pester Ungarischen Kantoramt. Er hatte zwar kein Universitätsstudium, war aber ein belesener, ernster junger Mann mit guten Sprachkenntnissen. Die Mehrzahl seiner Schauspieler kam aus seinem engsten Bekanntenkreis ; es waren Nachbarn, Verwandte, ungarisch sprechende, arme städtische Bürger, oder Leute aus dem Kleinadel, die in der Hauptstadt irgendein Gewerbe betrieben. Der beste Schauspieler der Truppe, jedoch auch ihr böser Geist, Franz Kemény — Sehy mit Künstlernamen — war Dorf kantor, nach Pest kam er aber schon als entflohener Sträfling. Der Kampf um ein Theatergebäude kam endlich zu einem Ruhepunkt. Nach den zwei ersten Vorstellungen im Oktober 1790, die ohne Fortsetzung blieben, nahm in unserer Haupstadt am 5. Mai 1792 das ungarische Schauspiel mit regelmässigen Vorstellungen seinen Anfang. Der erste Direktor und Intendant wurde ein polnischer Kaufmann namens Joseph Protasewitz ; nach seiner kurzen und nicht allzu ruhmreichen Betätigung übernahm der junge Graf Paul Ráday die Aufgaben eines Intendanten. Das Programm hatte sich schon in den ersten Monaten herausgestalte 1 ; es kamen grösstenteils bürgerliche Schauspiele zur Vorstellung, einerseits, weil diese Stücke leicht darzustellende Rollen besassen, und anderseits weil ihr Gegenstand dem Interesse der Zuschauer nahestand. Eine grosse Rolle erlangte auch bei Kelemens Truppe der ungekrönte König der Bühnendichtung Kotzebue. Die Bühnenmässigkeit seiner Stücke und sein leichter, unterhaltender Zynismus machen ihn 50 Jahre zum erfolgreichsten Bühnendichter Europas. 196