Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

5. Die neuen Ergebnisse der topographischen Forschungen - 5.1. Eraviskersiedlungen im Raum Aquincum (Klára Póczy)

politische Etablierung nahmen mehr als ein halbes Jahrhundert in Anspruch (FITZ 2000/1, 65-73). Innerhalb dieser Zeitspanne ist - die gegenwärti­gen Forschungsergebnisse zusammenfassend - in jeder Generation (durchschnittlich alle zwanzig Jahre) jeweils eine wichtige Station zu verzeich­nen. Zur Zeit des Augustus geriet das eraviskische Gebiet (Komitate Fejér-Tolna) in ein Bündnis­verhältnis (foedus) mit der politischen Interessen­sphäre der Römer. Der foedus kam mit der Ero­berung Noricums zustande. Die keltischen Völker Transdanubiens blieben nach der Dakerherrschaft Noricum verbunden. Dieses Bündnis erbte Rom ab 15 v. Chr. 2 Ein von Rom entsandter Militär ­präfekt kontrollierte die Vereinbarung. Von da an belebten sich die Handelsbeziehungen der Eravis­ker mit Norditalien (L. NAGY 1942/1, 135). Das gelegentlich in zeitweilige Lager einrückende, die Gegend durchstreifende römische Militär wurde mit eraviskischen Silbermünzen bezahlt. Zur Organisierung der keltischen Stämme in Verwaltungseinheiten (civitas) konnte es erst nach der militärischen Besetzung des Gebietes kommen. Unter Tiberius entsendet man vorübergehend römische Hilfstruppen an die Donau, die in zeit­weiligen Lagern kampieren (T. NAGY 1973, 85). Die Verbände sind ständig in Bewegung, wäh­rend vor Ort das Prägen von Münzen weitergeht (BÍRÓ-SEY 1985, 11), was eindeutig die Stam­mesunabhängigkeit belegt. Unter Claudius wird die militärische Präsenz mit ständigen Truppenla­gern zur vollendeten Tatsache (GABLER 1999/1), die erste Phase der Limeslinie wird ausgebaut und stabilisiert sich. Der Sold für die Soldaten kommt nun schon aus römischen Geldquellen, die Hee­reslieferanten bedienen die Truppen teils mit Ware aus ihren eigenen Werkstätten und teils mit itali­schen Importartikeln. Pannonién ist also zu einem organischen Bestandteil des Imperium Romanum geworden. Unter Claudius wird Savaria (Szom­bathely) an der Bernsteinstraße der Sitz, d. h. 2 J. Fitz, Noricum und Pannonién zur Zeit der römischen Okkupation. Römisches Österreich 17-18 (1989-1991) 79-86. die Hauptstadt der neuen Provinz (PAVAN 1991, 456). Gleichzeitig mit ihm steigen Virunum (bei Klagenfurt) in Noricum und Agusta Vindelicorum (Augsburg) in Raetien (CZYSZ 1985, 134) in den Rang eines Statthaltersitzes auf, und beweisen die Existenz eines einheitlichen Organisationsprinzips für die Donauprovinzen. Die Siedlungen Die Siedlungen der lokalen Einwohnerschaft behandeln wir, dem historischen Hintergrund gemäß, in mehreren Gruppen: • Zur Zeit des Kaisers Augustus sind die Siedlun­gen, die vor dem Auftreten der Römer bestanden, unverändert: Oppidum, Handwerkerviertel, Dörfer. • Unter Tiberius, etwa nach 20 n. Chr., räumt man im neuen Grenzabschnitt an der Donau zunächst die Höhenfestung (später dann ver­mutlich auch die umliegenden Dörfer) und weist ihren Bewohnern hinter der Grenzlinie neue Wohnorte zu. • Von der Regierungszeit des Claudius an ist fol­gendes System zu beobachten: einzelne Gewerke der eraviskischen Bevölkerung (hier denken wir in erster Linie an die Bewohner des Oppidums) werden neben den ständigen Auxiliarlagern ange­siedelt, so dass sie neben den eigenen Werkstätten des Militärs ebenfalls für dessen Bedürfnisse sor­gen. Dieses System wurde eindeutig auch bei den vespasianischen Hilfstruppenlagern beibehalten. Gleichzeitig kam es vermutlich auch zu sponta­nen Ansiedlungen der einheimischen Eravisker im Umkreis der Militärlager. • Unter Kaiser Trajan wächst die Zahl der Ein­wohner in der Militär- und Zivilstadt von Aquin­cum schlagartig, und um ihre Versorgung haupt­sächlich mit Lebensmitteln abzusichern, entstehen etwa einen halben Tagesmarsch von der Donau entfernt zahlreiche neue dörfliche Siedlungen. Die Villengüter und Dörfer erstrecken sich im Großen und Ganzen in Form eines Halbkreises hinter dem Legionslager und dem Sitz der Provinz. Ihre Waren finden in der Stadt Absatz. Dem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, daß die neueren archäologischen Ausgrabungen

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