Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.4. Das Christentum (Klára Póczy)
Abb. 4. Fragment einer ausgemalten Grabkammer im westlichen Gräberfeld der Militärstadt teten Apsis des Hallenbaus, wo auch das Taufbecken gestanden haben mag. 15 Dieses Gebäude war schon in den vorangegangenen Jahrhunderten ein Tempel gewesen. In der ausgerissenen früheren Apsis (unter dem neuen Fußboden aus dem 4. Jahrhundert) fand man den abgesägten Fuß einer bronzenen Götterstatue in Lebensgröße (SZIRMAI 1986, Nr. 12). Selbst Jahrhunderte später diente der spätrömische Tempel also noch immer dem Gottesdienst. Im 13. Jahrhundert errichteten die Franziskaner ihr Kloster und ihre Kirche hier in der Weise, daß diese genau der oben beschriebe15 SZIRMAI-ALTMANN 1976, Abb. 62 und 247-248. Zur Freilegung des unter der Straße liegenden Gebäudeteils bestand keine Möglichkeit. Abb. 5. Öllampe aus einem Grab der frühchristlichen Grabparzelle im nördlichen Gräberfeld der Militärstadt nen christlichen Kirche unter dem späteren Klarissenkloster (in der Perc utca) entsprachen. Auch an den Fußbodenniveaus änderte sich ab Ende des 4. Jahrhunderts bis ins ungarische Mittelalter nichts. Die mittelalterlichen Fußbodenziegel wurden auf dem spätrömischen Terrazzoboden verlegt (SZIRMAI-ALTMANN 1976, 236). Ein anderes bekanntes frühchristliches Denkmal erhob sich an der durch das Westtor der spätrömischen Festung führenden römischen Straße, die auf der Linie der von der Vörösvári út einmündenden Bécsi út verlief (Christentum 2000, 2538). Am Deckengewölbe dieser Friedhofskapelle blieb ein gemaltes Chi-Ro-Monogramm erhalten, das nach unseren gegenwärtigen Kenntnissen das schönste mit dieser Religion zu verbindende Symbol in Aquincum ist. (Abb. 4.) Von dem gleichen Gräberfeld stammen mehrere Gegenstände (TOPÁL 2002/2) mit christlichem Symbol, und auch die Zahl der Friedhofsparzellen, die man nicht mehr an Bestattungen nach heidnischem Ritus anschließen kann, hat sich - sowohl in der Zivil- wie auch in der Militärstadt - vermehrt (Christentum 2000, 25-38). 16 (Abb. 5.) 16 Im Hinblick auf die Beurteilung der christlichen Bestattungen gibt es in der Forschung vorerst keine Einigkeit; s. dazu zuletzt, auch mit Beispielen aus Aquincum: SCHMIDT 2000.