Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.4. Das Christentum (Klára Póczy)

auf, daß die vielleicht betend erhobenen Arme zur Zeit der Glaubensauseinandersetzungen beseitigt wurden. 10 Zu den unsicheren Befunden gehören noch zwei Altarplatten aus Aquincum aus Mar­mor, vorn mit einer rundbogigen Vertiefung. 11 Auf Grund nordafrikanischer und orientalischer Ana­logien vermutete man, daß Altäre dieses Typs im Rahmen des Gottesdienstes eine bestimmte rituelle Funktion hatten. Eine der Altartafeln mit Randver­zierung stammt zweifellos aus dem sog. Saal mit Doppelpfeilern der Zivilstadt von Aquincum. Das Relief zeigt Jonas und den Waalfisch. Im Türrah­men der benachbarten Therme war die - ebenfalls nur mutmaßlich - betende Gestalt eingemeißelt. Die christlichen Baudenkmäler sind mit größerer Sicherheit erkennbar. Bis 1938 (als in Budapest im Rahmen des St. Stephansjahres der Eucharis­tische Kongress stattfand) wurden drei Gebäude dieser Art bekannt, und die Existenz einer vierten Gruppe ist sehr wahrscheinlich: 12 • Eine frühchristliche Dreikonchen-Friedhofska­pelle, sog. cella trichora, aus der Raktár utca, d. h. vom nordwestlichen Gebiet der Militärstadt (L. NAGY 1931/2). • Eine Friedhofskapelle mit Langschiff und Apsis aus der Zivilstadt, vom Gelände der Gaswerke, die inmitten einer großen Gräbergruppe stand (L. NAGY 1940, 254, Abb. 3.). • Ein als frühchristliche Doppelbasilika bestimm­ter Gebäudekomplex mit eingebauten subsellium, mit den Stellen für Altar und Cancellum sowie mit einem Taufbrunnen. Auf den Gebäudekomp­lex stieß man in der Nähe des obigen Friedhofs, ebenfalls außerhalb der Mauer der Zivilstadt, im Bereich des Donauufers (L. NAGY 1942/1, 767-768). • Ein weiterer, allerdings unsicherer Befund deu­tete auf eine christliche Begräbnisstätte in der 10 B. Kuzsinszky, Aquincumi ásatások 1880-1881 [Aquincu­mer Ausgrabungen 1880-1881]. BudRég 2 (1882). 11 E.B. Thomas, Pannonische Reliquienaltäre. Arch. Vestnik 29 (1978) 573-587; gegensätzlicher Meinung: M." NAGY 1988/2 bzw. HAVAS 2002. 12 Mit abweichender Meinung zu einem Teil der für christlich gehaltenen Gebäudeteile und Beobachtungen: D. Gáspár, Christianity in Roman Pannónia. BAR International Serie 1010. Oxford, 2002. Nachbarschaft der cella trichora in der Vihar utca, also in der Militärstadt. Hier wurden unter der Oberfläche eine Reihe aus Stein gebauter Grab­kapellen freigelegt (L. NAGY 1942/1, 776), die sich am Rande ein und derselben Wagenstraße auf der nach unseren gegenwärtigen Kenntnissen westlichen, äußeren Seite des früheren Lagers aus dem 2.-3. Jahrhundert befanden (POCZY­NÉMETH-SZIRMAI-KOCSIS 1986, 386, 398, Abb. 1). Die Typen der Gräber gehörten zu den von frühchristlichen Begräbnisstätten bekannten Varianten. Diese Angabe ist leider nur in der Beschreibung zu lesen, weder Zeichnungen noch Fotos davon blieben erhalten. Aus dem Zeitraum zwischen 1938 und 1973 ist von weiteren freigelegten Baudenkmälern christlicher Prägung nichts bekannt. Aber 1976 erschien eine äußerst bemerkenswerte Studie über die Ergebnisse der früher in der Pester Innen­städtischen Pfarrkirche durchgeführten Grabungen (GEREVICH 1976, 44-46). Die Ausgrabungen fanden im Zusammenhang mit einer umfassenden Restaurierung der Kirche 1942-44 statt. Mit­telalterarchäologen erforschten den romanischen Ursprung des Kirchenbaus, wobei sie - eindeu­tig — auf spätrömische Mauern stießen, die sie mit zahlreichen Fotos und Zeichnungen doku­mentierten. Diese Mauern waren, davon konnte man ausgehen, Uberreste der im Inneren der Brückenkopfstellung Contra-Aquincum stehenden Gebäude. Auf einer späteren Gesamtzeichnung zeigt das spätrömische Mauerwerk den Grund­riss einer Hallenkirche mit Langschiff und einer Apsis, die in späterer Zeit durch zwei seitliche Apsiden erweitert wurde. Die römischen Mauern waren stellenweise bis zu einer Höhe von 2—2,5 m und zuweilen noch höher erhalten geblieben. Uber diesem antiken Bauwerk, und teilweise unter Verwendung seiner Mauern, hatte man die früh­arpadenzeitliche Kirche romanischen Stils im 11. Jahrhundert errichtet. Bemerkenswert ist die Lage des antiken Gebäu­des. Ein Vergleich mit allen aus Pannonién und vom Rhein bekannten Analogien ergab, daß früh­christliche Kirchen entweder in einem spätkaiser­zeitlichen Kastell oder innerhalb der Mauern einer

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