Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.4. Das Christentum (Klára Póczy)

8.4. DAS CHRISTENTUM Ein besonderes Kapitel der Geschichtsschreibung Roms und der europäischen Provinzen befasste und befasst sich auch heute mit dem Christen­tum. 1 Die Tradition wurde von der Pannonién ­forschung ebenfalls übernommen und auch bei der Aufarbeitung der Städte fortgesetzt. Bis zum Zweiten Weltkrieg schlössen Geschichtsschreibung und Geschichtslehre das Altertum nämlich über­einstimmend mit dem 313 von Constantinus I. erlassenen „Toleranzedikt" ab! Mit jenem Erlass also, welcher die Verfolgung der monotheistischen Christen und Juden offiziell abschaffte (T. NAGY 1939). Zur Staatsreligion erhoben das Christen­tum zwar erst die von Theodosius I. in den Jahr­en 389, 391 und 392 verabschiedeten Gesetze, 2 doch wegen des Christentums und der Ansied­lung neuer ethnischer Gruppen, die im Gebiet des Imperiums erschienen, ordnete man das 4. Jahrhundert - ab 313 — in den Geschichtsbü­chern schon dem Kapitel Völkerwanderungszeit zu. Gewiss hat auch das den im Vergleich zu heute deutlich früher angesetzten Zeitpunkt der „Aufgabe" Pannoniens (Jahr 476) beeinflusst. Als wesentlicher Zeitraum des Christentums gelten die annähernd hundert Jahre zwischen 313 und 390 weniger deshalb, weil sich das religiöse Empfinden der Einwohnerschaft bzw. Gläubigen wandelte. Viel wichtiger waren die im Namen des Christentums verfolgten Ziele einer auf neuen Pfeilern ruhenden Staatlichkeit, eines neuen sozialen Programms, der Anpassung neuer Gesellschaften bzw. der Aussöhnung mit den neu angesiedelten Völkergruppen. In Wirklichkeit ist es ein Jahrhundert der unter dem Mantel dieser edlen Vorstellungen ausgetragenen gnadenlosen 1 R. Krautheimer, Rom, Schicksal einer Stadt. 312-1308. München 1987, mit ausführlicher Literatur. 2 Th. Birt, Das römische Weltreich. Seine Herrscher, Feldher­ren und Staatsmänner. Berlin, 1941, 513. politischen Kämpfe gewesen. Christliche Sekten rangen miteinander um die politische Macht - wie man sehen konnte, auch hier in Valeria (MOCSY 1975/2). Andererseits verteidigten die alten füh­renden Strukturen, sowohl in Rom als auch im Magistrat der Provinzialstädte, ihre Positionen bis zum Äußersten und meist im Namen des uralten Götterglaubens. 3 Diesen allgemein anerkannten Rahmen hat in Aquincum, als Ergebnis der Forschungen der letzten 30 Jahre, ein zusammenhängendes Bild ausgefüllt. Bekannt wurden in Aquincum einige geschlossene Gruppen, die einander in der Führung der Stadt ablösten. Bekannt wurden der Hintergrund ihrer Bestrebungen, ihre religiöse Auffassung, und auch die Zeitpunkte der Führungswechsel lassen sich im Großen und Ganzen bestimmen. Wie in anderen Städten Pannoniens gibt es in Aquincum nur wenige christliche bzw. ausge­sprochen für diese Religion typische Funde. Aus früherer Zeit liegen Berichte über einige Lampen mit Christusmonogramm vor (L. NAGY 1938, 66, Abb. 31; L. NAGY 1942/1, 776, Anm. 10). 4 Zwei Ringe - der eine mit druchbrochen verziertem Bronzekreuzmuster, der andere mit Christusmo­nogramm aus blauem Glas - gehören ebenso zu dieser Gruppe (T. NAGY 1943/1, 371, Abb. 13) 5 wie eine Loculus-Platte aus weißem Marmor mit Inschriftfragment und Christusmonogramm, die auf eine katakombenartige Bestattung hindeutet, 6 3 A. Alföldi, Die Alexandrinischen Götter und die vota publi­ca am Jahresbeginn. Jhb. für Antike und Christentum 8/9 (1965/6) 62-98. Die Kontorniatmedaillions. Berlin 1987/ 1990. 4 Sowie eine Lampe mit Christusmonogramm aus dem 4. Jahrhundert aus der Vihar utca. 5 Der Ring (L. NAGY 1942/1, 776) aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts stammt aus dem frühchristlichen Grä­berfeldteil in der Vihar utca. 6 Aq. Mus. Inv. Nr. 33761.

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