Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.3. Ägyptische und orientalische Götter und Kulte (Judit Topái)

Hermes Psychopompos. Das vermutlich die Stier­tötung darstellende Kultrelief blieb nicht erhalten (T. NAGY 1942, 436, Taf. XCV/1). Am Südrand der Zivilstadt schließlich wurde bei der Stadtmauer ein Doppelheiligtum mit unvoll­ständigen und fragmentierten Stücken des Inven­tars freigelegt (T. NAGY 1943/1, 384-386). 56 Hier gelang es, das proportionsgerechte und schön gearbeitete Kultbild, an dessen Sockel die Namen der Stifter Symphorus und Marcus zu lesen waren (T. NAGY 1942, Taf. LXIV/1), zusammmen mit den Gestalten der beiden Fackelträger mit Schild zu rekonstruieren (T. NAGY 1950, Abb. 15). Das Doppelheiligtum entstand im Zeitalter der Seve­rer 57 und blieb bis zum Ende des 4. Jahrhunderts in Benutzung (T. NAGY 1942, 433). 58 Mauern kamen bislang zwar nicht zum Vor­schein, doch möglicherweise gab es am Westrand der Zivilstadt (Bahnstation Óbuda) ebenfalls ein Mithräum, da man hier außer dem schon erwähn­ten Attis-Relief 59 auch einen von Filander dedizier­ten, dem Unbesiegbaren (invicto deo) geweihten Altar fand. 60 (Abb. 6.) Die Dedikation d(eo) S(oli) des anderen, ganz in der Nähe gefundenen Altares könnte auch S(ilvano) lauten (I. TÓTH 1988, Nr. 58). 61 Nördlich der Zivilstadt (heute Római fürdő), bei den Quellen III-IV-V, dürfte ein weiteres Mithräum gestanden haben (PÓCZY 1972/3), wo zwei Soli deo Altäre in situ zum Vorschein kamen. 62 Nördlich davon, im Gebiet des vicus Vindonianus, stieß man in einem Steinbruch des Stadtteils Békásmegyer auf das Fragment eines Mithras-Reliefs (KUZSINSZKY 1897, 116, Nr. 17 = Vermaseren 1804) sowie ein Altarfragment ohne Inschrift (KUZSINSZKY 1897, 116, Nr. 1859; I. TÓTH 1988, Nr. 39). 56 Altäre: Lapid. Aq. Inv. Nr. 64.10.101 = Vermaseren 1767-1772. 57 Zur Datierung s. das Ergebnis der kürzlich abgeschlossenen Nachgrabung: ZSIDI 2002/3. 58 Mehrere Inventarstücke: I. TÓTH 1988, Kat. Nr. 48-51. 59 Lapid. Aq. Inv. Nr. 64.11.32. 60 Lapid. Aq. Inv. Nr. 70.10.17; Aquincum 1986, 212, Kat. Nr. 768. 61 Lapid. Aq. Inv. Nr. 64 10.162. 62 LapidAq. Inv. Nr. 64.10.149 und 64.10.193. Abb. 6. Altar des Filander für invicto deo aus dem Gebiet westlich der Zivilstadt Weit weniger mit einem Mithräum in Zusam­menhang stehende Denkmäler stammen vom Gebiet der Militärstadt. Auf Grund der vorhande­nen Stücke kann man von mindestens drei Heilig­tümern in der Canabae ausgehen: nördlich, südlich und östlich des Legionslagers (NÉMETH 1991/2, 261). In der Nähe des Statthalterpalastes dürfte schon im 2. Jahrhundert ein Mithräum gewesen sein, dessen Glaubensgemeinde aus dem Kreis der Bediensteten des Statthalters 77. Haterius Saturni­nus kam und dessen Hohepriester im Rang eines pater der aus Ägypten stammende Arpocras war (CIL III 3479; MOCSY 1962/1, 737, 10; Verma­seren 1777). Leider hatte man die im Gebiet des Lagers gefundene, etwas rustikal ausgeführte Reli-

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