Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

8. Das religiöse Leben Aquincums im Spiegel der jüngeren Forschungen - 8.3. Ägyptische und orientalische Götter und Kulte (Judit Topái)

Abb. 1. Gemaltes Porträt eines Mannes aus einer sog. Mumienbestattung aus der Umgebung von Aquincum Abb. 2. Sarkophag der Cassia, aus dem westli­chen Gräberfeld der Militärstadt Jablonka Str. aufgedeckten Sarkophag, dessen Inschrift abgemeißelt war (PÓCZY 1964/2, 176­191, mit Abbildungen). Hier konnte man anhand der als Bandage benutzten, mit Balsamierungshar­zen durchtränkten Textilreste fünf verschiedene Schichten unterscheiden. Die den in den obigen Gräbern ähnelnden Beigaben, 5 in erster Linie das auf ein Holzkästchen gemalte Porträt (PÓCZY 1968), datieren auch dieses Grab ins 4. Jahrhun­dert. (Abb. 1.) Nicht in einem Familiengrab, sondern im Westgräberfeld der Militärstadt kam 1983 der 5 Aq. Mus. Inv. Nr. 64.5.1-15. unverzierte, aber mit bleigesicherten Eisenklam­mern sorgfältig verschlossene Sarkophag der vier­einhalbjährigen Cassia zu Tage. 6 (Abb. 2.) Die Eltern des kleinen Mädchens hatten sich mit einer Versinschrift in Hexametern von ihr verabschiedet (NÉMETH-TOPÁL 1991). Der kleine Leichnam lag ungestört auf einer 2 cm dicken Holzplat­te und war mehrfach mit einer aus mindestens dreierlei leinenähnlichen Stoffen bestehenden, reichlich mit Tannenharz durchtränkten Bandage umwickelt. Nach den im Grab gefundenen Beiga­ben, 7 vor allem einem kurrenten Follis Diocleti­ans, wurde das Kind im ersten Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts bestattet. Die 1976 am Südrand der Militärstadt (Perc u.) geborgene Mumienbestat­tung war für eine Auswertung leider zu schlecht erhalten (PÓCZY 1998/3, 59, Anm. 6.). 8 So gering die Zahl der Gräber aus Aquincum (bislang ausschließlich Frauen), die Verwandt­schaft mit dem ägyptischen Bestattungsritus zei­gen, auch sein mag, die Erscheinung an sich ist auf jeden Fall bemerkenswert, selbst wenn sich keine der Grabbeigaben, wie zu sehen war, mit einem ägyptischen Kult in Verbindung bringen läßt. 9 Dessen ungeachtet wäre es denkbar, daß die so Bestatteten und deren Familienmitglieder die Göttin Isis verehrt haben, für die es nicht nur in Savaria, sondern - wie eine Unförmi­ge, sekundär verwendete Steinplatte (mastaba) bezeugt - vermutlich auch in Aquincum ein Hei­ligtum gab (L. NAGY 1935/2, 28, Abb. 24). 10 Dies Marmorplatte 11 mit Hieroglyphen (Zeitalter: VI. Dynastie) kam 1852 in der Militärstadt ans 6 Lapid. Aq. Inv. Nr. 85.9.30, St. Margareten-Spital, Gebäude C, in der Austeilung. 7 Aq. Mus. Inv. Nr. 92.1.20-29. 8 Grabung K. Póczy 1976, Plan 4, Nr. 9. 9 Über ägyptische Kulte in Aquincum zuletzt: K. Póczy, Veränderungen des Hintergrundes der ägyptischen Kulte in Pannonién im 1.-4. Jh. Aegyptus et Pannónia I. Acta Sym­posii anno 2000. Budapest 2002, 163-172. 10 Laut DOBROVITS 1943, 48; gehört die Marmortafel zu einem Iseum. 11 UNM Cimeliotheka 67/1852; Kunsthistorisches Museum Budapest, Inv. Nr. 51.2141; E. Mahler, Egyiptomi emlék Óbudáról. Ein ägyptisches Denkmal aus Ó-Buda. BudRég 7 (1900) 170 ff.; Fo.: Perc u. 206 = 236, heute Fő tér 4: M. Pető, Településtörténeti adatok a III. ker. Perc utcából

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