Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

7. Kunstdenkmäler aus den jüngeren Forschungen - 7.3. Musikdenkmäler aus Aquincum (Judit Topái)

reliefverzierten Sigillaten das Motiv des Knaben mit Flöte. 23 In einigen Fällen ist es wegen des schlechtes Zustandes der Fragmente oder - bei verloren gegangenen Stücken - der nicht ganz exakten Zeichnung unmöglich, die Instrumente (tibia gingrina, impares, pares, aulos) zu identifi­zieren. Inschriftdenkmäler Abschließend sollen auch jene Inschriftdenkmä­ler Erwähnung finden, an denen die Instrumen­tendarstellung entweder nicht mehr erkennbar ist - in Folge ihres fragmentierten Zustandes, oder es eine solche ursprünglich gar nicht gegeben hat, wo jedoch der Inschrifttext über die Beschäftigung des im Grab Ruhenden oder des das Denkmal stiftenden Hinterbliebenen - im Falle eines Altar­steins des Stifters - Auskunft gibt. Im Winter 1881-1882 kamen nördlich der Canabae von Aquincum, beim Bau des Filato­ri-Dammes, zahlreiche Gräber zum Vorschein (HAMPEL 1891, 58 ff.). Eines davon war der leider leere Sarkophag (CIL III 10501), 24 welcher durch seine Inschrift 25 zu unseren wichtigsten römischen Denkmälern gehört. In dem Steinsarg ruhte Aelia Sabina, Gattin des Organisten der legio II Adiutrix, Titus Aelius Iustus, von der ihr Gemahl mit der folgenden Widmung in Versform Abschied nahm: 26 Clavsa iacet lapidi conivnx pia cara Sabina / artibvs edocta svperabat sola maritv / m. Vox ei grata fvit, pvlsabat pollice cordas. / Sed cito rapta silpit. Ter denos dvxerat annos he / v male qvinqve minvs set plvs très me (n) ses habebat, / bis septemqve dies vixit h(a)ec ipsa superstes specta­ta in po / pulo hydravla grata regebat. Sis felix 23 Mit einfacher Flöte, unbekleidet: Inv. Nr. 34544, in einer Tunica: Inv. Nr. 66159, mit Doppelflöte, unbekleidet: Inv. Nr. 27749, oder in Tunica: Inv. Nr. 47/6/1810, 8121, 18087, 51797 etc. Auch im neuen, noch unpublizierten Fundmaterial gibt es zahlreiche Denkmäler dieser Art. 24 Lapid. Aq. Inv. Nr. 63.10.138. 25 J. Hampel, Aquincumi sírvers. ArchÉrt tJj.f. 2 (1882), 121-125. 26 Lesart: NÉMETH 1999/2, 64-65, Nr. 182. Gemäß Überset­zung von H. J. Mosser (WALCKER-MAYER 1970, 15.). qvicvmqve leges te / nvmina servent et pia voce cane Aelia Sabina vale. T(itvs) Ael(ivs) Ivstvs / hydravlarivs salariarivs leg(ionis)ï II Ad(ivtricis) conivgi faciendvm cvravit. Eingeschlossen liegt unter Stein die fromme, teure Sabina. In den Künsten gelehrt, übertraf sie als Einzige den Gemahl. Eine liebliche Stimme war ihr eigen, mit den Fingern schlug sie die Tasten. Aber rasch hinweggerafft, schweigt sie nun. Drei­mal zehn Jahre lebte sie, ach, weniger fünf, doch dazu waren ihr drei Monate gegeben und zweimal sieben Tage. Sie zeigte sich bei Lebzeiten vor dem Volk, wie sie lieblich die Hydraulis spielte. Sei glücklich, der du dies liest, die Götter mögen dich beschirmen, und sing mit andächtiger Stimme: Aelia Sabina, leb wohl! Titus Aelius Iustus, ange­stellter Organist der legio II Adiutrix ließ diesen Steinsarg für seine Gattin verfertigen. 27 Angesichts des lateinischen Textes, demzufolge Aelia Sabina mit ihren Fingern häufig auch Sai­ten zupfte, darf man als sicher annehmen, daß sie nicht nur beim Orgelspiel eine solche Kunst­fertigkeit erlangt hatte, mit der sie selbst ihren Gatten übertraf, sondern zugleich eine hervorra­gende Lyraspielerin gewesen sein muss. Archäo­logische Funde, die sich mit letzterem Instrument in Zusammenhang bringen lassen, z. B. Besätze aus Metall (Schildkrötenpanzer wie im Falle der Kythara von Intercisa) 28 oder beinerne Stimm­schlüssel, kamen in Aquincum - vielleicht mit einer Ausnahme 29 - leider noch nicht zu Tage. Die Annahme, in dem 1912 am Fundort Bécsi út 100 entdeckten Sarkophag mit reichen Beigaben 30 hätte eine professionelle Harfenspielerin geruht (POCZY 1997/2, 218), bedarf weiterer Bekräftigung. Die zweite Inschrift dieser Art schmückt einen sekundär verwendeten Grabstein. Leider wurden dort, wo die Namen der Gottheiten standen, die 27 Diese Übersetzung stammt von: PÓCZY 1997/2, 217, eine frühere Übersetzung aus der Feder E. Seengers in: M. Kaba - S. Pécsi, Die Orgel von Aquincum. Denkmäler aus der Geschichte Budapests 9 (1965) 30. 28 M. Bíró, Pannóniai csontművészet [Pannonische Beinkunst]. Budapest 2000, 133, Abb. 6-7. 29 Aq. Mus. Inv. Nr. 52790. 30 B. Kuzsinszky, Aquincumi sírlelet [Ein Grabfund aus Aquin­cum]. BudRég 10 (1922-23) 56-73.

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