Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.2. Geldumlauf in Aquincum (Annamária R. Facsády)

6.2. GELDUMLAUF IN AQUINCUM Die vollständige oder um Vollständigkeit bestrebte Aufarbeitung des Geldumlaufs aus Aquincum ist eine alte Schuld unserer Forschung. Als einzi­ger Beitrag erschien 1953 die ungarischsprachige Studie von Tamás Pekáry mit einem Resümee in englischer Sprache (PEKÁRY 1953), deren vorran­giges Ziel es war, die nach einer neuen Methode erfolgende Analyse des Geldverkehrs vorzustellen. Diese berücksichtigte bei der Aufarbeitung des Münzmaterials aus Aquincum nicht die tatsächliche Stückzahl, sondern den jährlichen Emissionsdurch­schnitt, der mittels Dividieren der Zahl der Münzen der einzelnen Kaiser durch die Herrschaftszeit des jeweiligen Kaisers errechnet wurde. Als Grundlage der Analyse diente das bis 1951 ins Münzkabinett Aquincum gelangte, tatsächlich vorhandene, in erster Linie aus Streufunden bestehende Material, mit Ausnahme der Hortfunde bzw. der Münzfun­de von größeren Gräberfeldern. Unberücksichtigt blieben weiters die Nominalien der Münzen. Somit gelangte Pekáry auf Grund von 1458 Münzen zu seinen Schlussfolgerungen, die er in einer Graphik auch mit der ähnlichen Carnuntumer Statistik verglich. Den Geldumlauf in Aquincum betreffend stellte er fest, daß im 1. Jahrhundert nur eine geringe Menge Geldes in unser Gebiet gelangte, mit langsam steigender Tendenz ab der Flavierzeit. Ein beträchtlicher Anstieg kann unter Vespasian beobachtet werden. Während des 2. Jahrhunderts ist der Geldverkehr bis auf die Zeit der Qua­den-Markomannenkriege ausgeglichen. Beachtlich selbst angesichts des Aufschwungs zur Severerzeit ist der größte Münzumlauf unter Elagalabus, der unter Severus Alexander wieder annähernd auf die Hälfte absinkt. Im Laufe des 3. Jahrhunderts zeigt der Geldverkehr große Schwankungen, die weder mit der historischen Situation, noch mit der lau­fenden Degradation des Geldes zu erklären sind. Seinen Tiefpunkt erreicht er während der Herr­schaftszeit Diocletians. Im Hinblick auf die Menge der im 4. Jahrhundert nach Aquincum geflossenen Münzen darf wegen ihres langzeitigen Gebrauchs und der Tatsache, daß die Münzzufuhr Ende des 4. Jahrhunderts abbricht, auch ihr Fundort nicht unberücksichtigt bleiben. 1968 fasst János Szilágyi, gestützt auf ca. 2700 Stück Münzen, die Entwicklung des Geldumlaufs kurz zusammen (SZILAGYI 1968, 102), wobei er zu einem ähnlichen Ergebnis wie Pekáry kommt. Alle späteren Beiträge, die zur Analyse unter ande­rem auch Münzmaterial von Aquincum heranzie­hen, basieren - mangels Neuerscheinungen — auf der Studie von Pekáry bzw. aus numismatischer Sicht auf mangelhaften Münzpublikationen (FITZ 1978/1, 51, 69, 187; LÁNYI 1979, 187). Breiteren Raum für historische Rückschlüs­se bieten die geschlossenen Münzfundkomplexe, die mehrzählig auch als detaillierte Publikationen erschienen sind. Im behandelten Forschungszeitraum kam es zu einer Neubewertung des sog. Hortfundes von Lágymányos, die neue Erkenntnisse über das Geldprägen des einheimischen Keltenstammes der Eravisker brachte (TORBÁGYI 1984). 1 Sehr wichtig sowohl im Hinblick auf die Rolle Pannoniens inner­halb des Imperium Romanum als auch den frühen Geldumlauf ist der 1898 ans Tageslicht gelangte, im Münzkabinett des Ungarischen Nationalmuseums aufbewahrte und heute leider schon stark dezimierte sog. Schatz der Víziváros (TORBÁGYI 1997-1998/ 1). In seinem derzeitigen unvollständigen Zustand schließt der aus Denaren der römischen Republik bestehende Fund mit einer Prägung des Augustus ab. Bei einer Grabung im Herbst 1994 kam ein kleiner Münzfund zu Tage, der neun Aurei bzw. Münzen des Tiberius, Claudius, Nero und Vespasi­1 Vgl. den Abschnitt „Eraviskersiedlungen im Raum Aquin­cum" (5.1.).

Next

/
Oldalképek
Tartalom