Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)
Diese Manufaktur setzte die Ziegelproduktion bis ins ausgehende 4. Jahrhundert fort. Das andere bedeutende Handwerkerviertel des Zeitraums (das sog. Handwerkerviertel Gasfabrik) war am Ostrand des Municipiums, in der Nähe des Donauufers, angesiedelt (KUZSINSZKY 1932, PÓCZY 1956, 102-117). Hier kamen bislang annähernd 40 zum Brennen von Keramik der verschiedensten Größe und Qualität geeignete Brennöfen zum Vorschein. Neben Küchen-, Tafel- und Prunkgefäßen produzierte die Töpferwerkstatt als Massenartikel unter anderem Öllampen, Stuckmodel, Baumaterialien, Lebkuchenformen und kleine Terrakottafiguren. In der mit dem Namen des Meisters Pacatus verbundenen Werkstatt fand man Abb. 11. Gagatperlen aus mittelkaiserzeitlichen Gräbern Gußmodel des Bodens einer Öllampe mit dem Namen VRSVL, aus dem Handwerkerviertel der Militärstadt bis jetzt 70 unterschiedliche Formschüsseln sowie Dutzende von figuralen Stempeln. Zu den beliebten Motiven des Meisters gehörten außer den typischen Götterfiguren verschiedene laufende Tiere sowie Masken, Weinranken, Weinblätter, Weintrauben usw., die er für seine reliefverzierten Schüsseln in mannigfaltiger Weise verwendete. Interessanterweise sind die mit diesen Formschüsseln hergestellten Fertigwaren aus Aquincum kaum bekannt, und auch anderswo in Pannonién kamen sie weder in großer Zahl zum Vorschein, noch gibt es vorerst überzeugende Beweise für ihren Import. Angesichts der Fundumstände und auf Grund der Materialuntersuchung der Formschüsseln 16 wäre es durchaus denkbar, daß sich diese Werkstatt des Meisters nur mit der Herstellung und dem Export der anspruchsvolleren Formschüsseln beschäftigt hat, während die Massenproduktion einer anderen Filiale vorbehalten blieb. Bekräftigt wird diese Annahme auch durch die beträchtliche Entfernung der Officina von den Tonabbaustätten. In der Werkstatt des Pacatus arbeiteten hochbegabte Töpfermeister, deren Namen uns mit den Meisterstempeln und Signaturen überliefert wurden: Petilius, Respectus, Fabius, Flavinius, Litanus, Alexander, Maximinus, Florentinus, lulius Hilarus. Der Betriebszweig für Prunkgefäße stellte die Produktion bei Ausbruch der Markomannenkriege ein, aber im nördlichen Teil der Werkstatt wurde noch bis zur Wende des 2.-3. Jahrhunderts Haushaltskeramik (Schüsseln, Reibschüsseln, Krüge, Teller) hergestellt (ZSIDI 1984, PÓCZY-ZSIDI 1992, 27-31). Dass im 2. Jahrhundert auch Glanztonware zum Sortiment der Manufakturen Aquincums gehört hat, ist nur durch das Fundmaterial verifizierbar. Folgende Angaben deuten zumindest darauf hin: die bei den Ausgrabungen der Basilika der ZivilStadt von Aquincum gefundenen Mischtiegel für Rohmaterial mit Spuren von Bleiglasur, 17 die in 16 Die Materialuntersuchung (Neutronenaktivierungsverfahren) nahm Márta Balla vor (TU Budapest, Nuklear-Institut), im Rahmen der OTKA-Forschung, Nr. T. 13763, die Ergebnisse sind zum Teil noch unpubliziert. 17 Die Ausführungen von Tibor Nagy (T. NAGY 1964, 50, Anm. 160) wurde die von den jüngsten Forschungen nicht bestätigt (BUGÁN 2002/1, 98).