Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
5. Die neuen Ergebnisse der topographischen Forschungen - 5.5 Nutzung der zur Siedlung gehörenden Gebiete - 5.5.3. Territorium des Municipiums - Villen und Dörfer (Paula Zsidi)
sie administrativ - im Großen und Ganzen dem früheren Gebiet der civitas Eraviscorum entsprechend - zum munizipalen Grundbesitz. In diesem Zeitraum erscheinen auch die vom Territorium des Municipiums stammenden, die Munizipalbeamten erwähnenden Steindenkmäler, deren Zahl jedoch im Gegensatz zu dem bereits die Beamten der Colonia erwähnenden Inschriftenmaterial aus der Zeit nach den Markomannenkriegen gering ist (ALFÖLDY 1959/2, 21-22). Aus dieser Periode ist uns lediglich ein Steinbau bekannt, der auf ein auch als Wirtschaftszentrum fungierendes Villengebäude hindeuten dürfte (PETÓ 1993/2). Alle übrigen Villengebäude bzw. Details, die aus dem untersuchten Gebiet bislang bekannt sind, lassen sich in die Periode nach den Markomannenkriegen setzen (PÓCZY 1971, 94; LÁNYI 1990/2, 233). Ein TeÜ der einheimischen Bevölkerung lebte im Zeitraum nach der Schaffung des Municipiums anscheinen weiterhin in den dörflichen Siedlungen, z. B. Budatétény (SZIRMAI 1978, 64) bzw. dem Dorf am Csúcshegy (ZSIDI 1997/3, 62-63). Auf den Gütern in der Nähe des städtischen Territoriums hat sich das Bauen mit Steinmaterial, nach den archäologischen Befunden zu urteilen, erst später allgemein verbreitet. Der Colonia-Zeitraum Auf Grund unserer gegenwärtigen Kenntnisse beschleunigte sich die Veränderung der Siedlungsstruktur im Territorium des Municipiums im Zeitraum nach den Markomannenkriegen (ALFÖLDY 1959/2, 25-26; PÓCZY 1971, 94; LÁNYI 1990/ 2, 233-234; VISY 1994, 428). Neuen Antrieb erhielt dieser Prozess nach 194 durch den wirtschaftlichen Aufschwung der Severerzeit, als man das Municipium in den Rang einer Colonia erhob. Aus diesem Zeitraum sind aus dem Gebiet in der näheren bzw. weiteren Umgebung Aquincums die Namen von mehreren Dutzend Beamten - zugleich Grundbesitzern - bekannt. Sogar etwa 90 km von Aquincum entfernt wurden Dekurionen gewidmete Inschriften aus diesem Zeitalter gefunden (ALFÖLDY 1959/2, 25-26; SOPRONI 1994, 314). In Anbetracht der neueren Forschungen kann man sagen, daß die Aufgabe eines von früher her bestehenden Dorfes im Großen und Ganzen mit dem Bau eines Villengebäudes in dessen unmittelbarer Nähe zusammenfällt, d. h. die für den früheren Zeitraum charakteristische Siedlungsform wird von den im Umkreis eines Gutszentrums errichteten Villengütern abgelöst. Diese vermutete Ánderung der Siedlungsstruktur (PÓCZY 1971, 94) haben die Ergebnisse der neueren Forschungen bekräftigt. Im Falle des Gutes am Csúcshegy kann man gut verfolgen, wie gleichzeitig mit dem Bau der früher hier freigelegten Villa, die im Inneren schon in den ersten Jahrzehnten des 3. Jahrhunderts mit Stuckatur dekoriert war (L. NAGY 1937/2, 60), das nahegelegene Dorf aufgegeben wurde (ZSIDI 1997/3, 63). Auch bei den Uberresten der Villa am Fundort KaszásdűlőSzőlőkert utca ist die frühere Siedlungsspur an der Stelle des zum späteren Gutshof gehörenden Gebäudes gut zu beobachten (ZSIDI 1999/3, 103-105). Ob mit diesen Veränderungen auch eine Neuordnung des Gebiets, d.h. ein erneutes Abstecken der Grundstücke, einherging, ist vorerst ungeklärt. Zumindest bot das neue severische Ordnungskonzept, das auch in der Architektur der Stadt anschaulich wird, eine gute Gelegenheit dazu (ZSIDI 1997/1). Die Reihe der nach den Markomannenkriegen entstandenen Gutshöfe, die im früheren Forschungszeitraum bekannt wurden, 7 konnte in den vergangenen drei Jahrzehnten mit einigen Details mehrerer Meierhöfe aus der näheren Umgebung Aquincums ergänzt werden. 7 Die im Laufe der früheren Forschungen bekannt gewordenen Villengüter der Umgebung von Aquincum: Testvérhegyi dűlő-Ziegelei Lepold: S. Garády, Ásatások az óbudai Lepold-téglagyár mellett [Grabungen im Gebiet neben der Óbudaer Ziegelei Lepold]. ArchErt 49 (1936) 88-96; T. NAGY 1973, 155; Csúcshegy: L. NAGY 1937/2; Táborhegy: T. NAGY 1973; Kapucinus domb: L. Wekerle, Régészeti ásatásaim az ún. Kapuczinus dombon (Meine archäologischen Grabungen auf dem sog. Kapuzinerhügel). ArchÉrt 5 (1885) 20-24; Szépvölgyi út-Pálvölgyi-Höhle: T. NAGY, 1943. Anhand von früheren Beobachtungen bzw. Begehungen vermutete Villen: Római fürdőHaltestelle der HÉV, Aranyhegy, Mátyáshegy, Szemlőhegy: zusam-