Budapest Régiségei 40. (2007)

MŰEMLÉKVÉDELEM - Istvánfi Gyula: Elméleti-, Épített-, Virtuális Rekonstrukció - a Kronoszkóp ürügyén = Rekonstruktion Theoretische-, Erbaute-, Virtuelle- - A'propos Kronoskop 315

ISTVÁNFI GYULA verlangt, dass wir das Erbe im Zusammenhang mit jener Kultur bestimmen und beurteilen, zu der es gehört. Die Charta von Krakau (2000) ist - entsprechend der Jahrtausendwende - am umfangreichsten, voll mit Aufgaben, Methoden, Bestimmungen: „Die entsprechenden Denkmalschutzmittel und methoden müssen immer den gegebenen Umständen entsprechen, aber diese Umstände sind einer ständigen Veränderung unterworfen." Es gibt auch eine klarere Formulierung: „Die Rekonstruktion eines vollständigen Gebäudes welches einer Waffengewalt oder Naturkatastrophe zum Opfer gefallenen ist, dann annehmbar, wenn dieses hinsichtlich der Eigenidentität der Gesamtheit der Gemeinschaft eine außerordentliche gesellschaftliche oder kulturelle Motivation besitzt. (Zitate aus ICOMOS Buch der Chartas 2002) Rekonstruktionen sind in der Tat mit Fingerspitzengefühl anzuwenden, aber im Geiste des Allgemeinwohls - gemeint ist: es soll sich um etwas handeln, was auch vom breiten Publikum verstanden wird - sollen wir uns nicht scheuen, diese mit Maß anzuwenden. Die Mehrheit der virtuellen Rekonstruktionen wurde durch die rasante Entwicklung der Compu­ter ermöglicht. Selbstverständlich werden sämtliche Linien, Flächen, Maße, strukturelle Eigenarten der Gebäude vorher vom Planer festgelegt. Das Kronoskop besteht aus einer Computerzentrale, aus einem, im Gelände stationierten, bilgebenden Instrument, in welches man hineinschauen kann, und aus einem Lichtmessgerät. Das mit dem Com­puter erzeugte Bild „hebt" das Bild der rekonstruierten Gebäude auf die vor dem Betrachter stehenden Ruinen, das drehbare Instrument ermöglicht einen Blickwinkel von beinahe 180 Grad. Da wir im Verhältnis zum Gefüge der einstigen Stadt aus einer eventuellen, heutigen Fläche auf die Ruinen hinunterblicken, bei einem Horizont, der höher als der ursprüngliche ist, wurden die aufsteigenden Wände der im Vordergrund stehenden Gebäude nicht rekonstruiert, es wurde sogar der Vorplatz des vorzustellenden Gebäudes weggelassen, weil wir nur so innere, detaillierbare Bilder erhalten. Die Einstellung 2 des Gerätes zeigt beinahe vollständig das Große Wohnhaus, mit dem Perystilum im Mittelbereich, etwas rechts ist das Bild des Saales mit zwei Säulen und dem Stockwerk zu sehen. Im Wesentlichen handelt es sich um die Hajnóczi-Rekonstruktion, mit kleineren Korrek­turen. Auf seinen Zeichnungen war jedoch jener Gebäudeteil (Lupanarium?) nicht enthalten, welcher von uns neu rekonstruiert wurde. Schließlich noch einige Worte zum Arbeitsprozess, der in etwa der Folgende ist: Die mehr oder weniger genauen Messungen müssen mit dem Ort verglichen werden. Ein Problem kann die Trennung der Perioden, die Aufdeckung der zusammen gehörigen Wände bedeuten. „Ich habe die Die Maße auf römische Fuß umgesetzt, somit den Grundriss erstellt und bin dabei quasi in die Haut des alten Baumeisters geschlüpft". Mit diesem Verfahren können die Wände bis zur Decke gehoben werden, wenn wir die Existenz eines Gewölbes feststellen können, dann bis zum Gewölbefuß. Anzumerken ist, dass die größeren Gebäude in Aquincum den sehr hoch entwickelten, im ganzen Reich gültigen Bautechniken, Bauprinzipien entsprachen. Bei der Annäherung an die Maße des Luftraumes der größeren Räumlichkeiten kann die Anwendung einer üblichen Proportionalität behilflich sein. Für die Konstruktionen der Türe und Fenster stehen uns ziemlich gute Funde aus Aquincum zur Verfügung. Bei der Bestimmung der Dächer und Schalungen müssen zwei verlässliche Angaben bekannt sein. Die eine ist, dass das Dach eine Dachkonstruktion mit Bindern, dichten Dachebenen ist. Alle Tegulas waren beiderseitig auf Dachsparren gestützt. Diese Art von Dach existiert auch heutzutage vielerorts in Italien, aber es ist auch aus dem Altertum erhalten. Größere Gewölbe, Kreuzgewölbe erhielten keine Unterlagen aus Holz unter den Ziegeln (Tegulas), sondern die Dachseiten, bei Kreuzgewölben die Dachkehlen wurden über den Gewölbefuß und beim Sturz mittels Auffüllen des Gewölberückens gestaltet, die Tegulareihen wurden in Mörtel gelegt. Die theoretischen Rekonstruktionen zum Kronoskop wurden in etwa solchen Schritten erstellt. Diese wurden in ein Computermodell umgesetzt, so sind jene virtuellen Bilder entstanden, welche wir beim Blick in das Instrument betrachten können. Falls das Programm eine Fortsetzung haben wird, wird auch die Präsentation der näheren Details, Interieurs, bunten Hächen möglich. Auch diese müssen anhand der aus Pannonién bekannten rekonstruierten, gemalten Zirnrnereinrichtungen, oder der bei jeder Ausgrabung gefundenen, angemalten Mauerstücke geplant werden. Ihre virtuelle Darstellung wird den Besucher hoffentlich mit weiteren Erlebnissen bereichern. 320

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