Budapest Régiségei 40. (2007)

TANULMÁNYOK - Nagy Margit: Kora népvándorláskori sírleletek Budapest területéről = Grabfunde aus der frühen Völkerwanderungszeit im Gebiet von Budapest 95

KORA NÉPVÁNDORLÁS KORI SÍRLELETEK BUDAPEST TERÜLETÉRŐL Hunnenzeit wurde dieser Brauch üblich (Keszthely­Téglagyár, Csongrád-Berzsenyi utca Grab 2, Regöly-Pénzesdomb, Árpás-Szérűskert), und zwar in der Weise, daß an den Kopf das Getränk und an die Füße die festeren Speisearten gestellt wurden. Nicht zu enträtseln ist der Sinn der selten zu beobachtenden Erscheinung, daß links neben den Kopf (wahrscheinlich außerhalb des Sarges) ein flacher Kalkstein gelegt wurde (Abb. 14.2). Die Funde Das bedeutendste Stück im Grab der Budafoki út ist der mit Pferdeköpfen gezierte Beinkamm mit halbkreisförmiger Griff platte (Abb. 5.1; Abb. 16.1); aufgrund seiner Parallelen hat Tibor Nagy als Zeit des Grabes die Periode vor der Hunnenbesetzung der Provinz, das erste Drittel des 5. Jahrhunderts bestimmt. Jaroslav Tejral hat bei seiner Systematisierung der frühvölkerwanderung­szeitlichen Funde im Mitteldonaugebiet Tibor Nagys Datierung bestätigt und das Grab in der Budafoki út beim Horizont D2 (410-425) eingereiht. Der Kamm von der Budafoki út verdient aus zwei Gründen Beachtung: einerseits, weil wertvolle, mit Tierfiguren verzierte Kämme nicht nur mit bewaffneten Männern, sondern auch Frauen bestattet wurden. Der unter den rechten Oberarm gelegte Kamm kam offensichtlich nicht im Zusammenhang mit der Tracht, sondern als Gebrauchsgegenstand in das Grab. Andererseits hatte der Hersteller des Kammes eine besondere Formnovität geschaffen: die Verbindung des in germanischem Gebiet früher häufigen halbrunden Griffes mit den Pferdeprotomen. Während in der Fachliteratur kein Zweifel an der lokalen Herstellung der Kämme mit halbkreisförmigem Griff aufkommt, ist die Werkstattfrage der Kämme mit symmetrischen Tierkopfprotomen an dem halbkreisförmigen Griff umstritten, obwohl technisch die Erweiterung durch die Tierkopf teile keine unlösbare Aufgabe für einen Meister ist, der in der Lage ist, einen Kamm mit gebogenem Griff herzustellen. Der Grundtyp des Kammes aus der Budafoki út, der in der Tscherniachov-Sîntana de Mure§-Kultur allgemeine sog. Kamm mit „gebogenem Griff", ist in Aquincum nicht unbekannt. Am Donauufer von Békásmegyer wurde bei der Ausgrabung 1936 in der Abf allgrube 36 ein mit Bronzenägeln zusammengehaltener, sorgfältig geschliffener Kamm guter Qualität gefunden (Abb. 17.5a-b); gemäß der dem Gegenstand beigegebenen Grabungsaufzeichnung zusammen mit einer römischen Bronzemünze und einem Inschriftstein. Besondere Aufmerksamkeit verdient das mit Bronzenägeln befestigte Kammfragment mit gebogenem Griff (Abb. 17.1), das Judit Topái vom westlichen Gräberfeld der Aquincumer Militärstadt Grab IV/9 (Bécsi út 203) publizierte. Der Kamm und eine Bronzeschnalle, die auf der breiten Seite des Schnallenringes neben der Schnallendornspitze mit einander anschauenden Tierköpfen verziert war (Abb. 17.4), fanden sich zusammen mit einem freskoverzierten steinernen Wandfragment einer von Maschinen zerstörten altchristlichen Grab­kammer in der unter den Straßenbahnschienen ausgehobenen Erde. Ein Detail des Kamm­fragmentes, die nach oben verlaufende gebogene Ausbildung am Griffansatz, läßt eine besondere Form vermuten. Die an beiden Rändern nach oben biegende (je einen Tierkopf symbolisierende) Kammform mit gebogenem Griff kennen wir aus ukrainischen Gotengräberfeldern (z.B. Perejaslav­Chmernickij am Dnjepr Grab 5, Abb. 17.2), wo dieser Kammtyp zur Fundgruppe vom Ende des 4. Jahrhunderts der Tscherniachov-Kultur gehört. Die wahscheinlichere Rekonstruktionsmöglichkeit des Kammfragments der Bécsi út, wenn die obere Platte neben den Halbkreisbögen an den beiden Seiten im stumpfen Winkel endet (17. kép 1). Ähnlich bogig eingeschnittene Kämme mit halbkreisförmigem Griff benutzten die Westgoten in Sîntana de Mure§. Zur Zeit des Horizonts D2 des Donaugebietes legte man auch ins Grab des Kindes mit Zikadenfibel der ranghohen Untersiebenbrunner Familie einen Kamm mit runden Einschnitten am Griff (Abb. 17.3). Die D2-Datierung des Kammes aus Grab IV/9 der Bécsi út ist die erste bewertbare Angabe dafür, daß der N-Teil des westlichen Gräberfeldes der Aquincumer Militärstadt in den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts benutzt wurde. István Bónas Standpunkt, daß die mit Pferdeprotomen verzierten Kämme an der Wende des 4./5. Jahrhundert ausschließlich in römischen Werkstätten entstanden seien, steht nicht mit der Hypothese in Widerspruch, daß die Beinbear­beitungswerkstätten die Tierkopfverzierung den Wünschen der Barbarenkundschaft entsprechend entwarfen. Vladislav Popovic zeigte auf einer Verbreitungskarte, daß die Kämme mit Dreiecks­griff und Pferdeprotomen im Gebiet der einstigen Provinzen ans Tageslicht kamen, und zwar vor allem am Mittel- und Unterlauf der Donau. Bisher sind nur zwei Kämme bekannt, bei denen die Grundform ausgesprochen barbarisch ist: Budapest-Budafoki út an der mittleren Donau (Abb. 18.1) und Rommersheim am Mittelrhein (Abb. 18.4). Für den mit Spatha mit goldenem Griff bewaffneten 131

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