Budapest Régiségei 37. (2003)
Felgenhauer-Schmiedt, Sabine: Zur Keramik des 9-11. Jh. aus Niederösterreich = A 9-11. századi alsó-ausztriai kerámiákról 29-38
SABINE FELGENHAUER-SCHMIEDT (Abb. 2. 1-3), einem wichtigen karolingischen Vorort, dass dort auch graphitlose Keramik zu finden ist 8 . Es handelt sich um sand/glimmergemagerte Tonware. Vergleichbare Töpfe mit zum Teil schon ausgeprägter Krempengestaltung wurden auch in der Burganlage von Gars-Thunau nördlich der Donau und in mährischen Zentren, wo auch schon einzelne Werkstattkreise ausgemacht werden konnten (Blucina-Typus, March-Typus), gefunden. Auffallend ist an dem Fundensemble von Mautern die große Anzahl verschiedener Bodenmarken. Während nun diese Siedlungsgrube sand/ glimmergemagerte Keramik geliefert hat, besteht die übrige Ware des 9.-10. Jahrhunderts in Mautern zum Großteil aus Graphitton. 9 Diese Tonware (Abb. 2. 4-6), die durch besondere Hitzebeständigkeit und auch durch Hydrophobie ausgezeichnet ist, unterscheidet sich von der graphitlosen durch eine durchwegs einfachere Gestaltung der Ränder (nur ausladend, keine Krempenbildung), auch die Wandstärke ist meistens größer. Während auf der sand/glimmergemagerten Keramik Bodenzeichen verschiedener Art zu finden sind, zeigen die Bodenunterseiten der Graphittongefäße keine derartigen Merkmale. Auch die aus Graphitkeramik hergestellten Töpfe tragen meist Verzierungen in Form von Wellenlinien, Wellenbändern, es kommen aber auch unverzierte Gefäße vor. Aus Wien ist ebenfalls Graphittonkeramik ähnlicher Art bekannt 10 . Bemerkenswert sind im Graphittonmaterial von Mautern Funde von Machdeckeln 11 , wie man sie auch aus Regensburg 12 kennt. Die Anspruchslosigkeit bei der Herstellung verleitet zu einer Qualifikation als „Hauskeramik", das begrenzte Rohstoffvorkommen und die bis zu 100 km darüber hinaus gehende Verbreitung von Graphittonware sprechen aber eher für zentrale Herstellung und an eine Verbreitung, wohl über Märkte, also eine organisierte Versorgung mit dieser Tonware. 3. KERAMIK AUS BURGANLAGEN NÖRDLICH DER DONAU In der Burganlage von Gars-Thunau (Abb. 3) im Kamptal nördlich der Donau, also zwischen der bayerischen Ostmark und dem Mährischen Reich gelegen, die im 9. und wohl auch noch in den ersten Jahrzehnten des 10. Jahrhunderts besiedelt war, wurde zum überwiegenden Teil (83 Prozent) 8 GROH-SEDLMAYER 2002. Abb. 172. 9 CECH 1993; GROH-SEDLMAYER 2002. Abb. 173. 10 Es handelt sich hierbei um die älteste frühmittelalterliche Keramik im Umkreis der Ruprechtskirche: FELGENHAUER-SCHMIEDT 1992. 11 CECH 1993. 12 E. WINTERCERST 1991 z. B. T. 53/ 2-4. graphitlose Keramik gefunden. 13 Dabei kommen Töpfe in der Art des Donautypus in verschiedensten Variationen vor, oft auch - wie in Mautern - mit ausgeprägterer Krempenbildung (Abb. 3. 1,2). Die Variationsbreite der Bodenmarken ist beträchtlich. Töpfe aus Graphitton, der insgesamt 16, 9 Prozent ausmacht, sind auch hier meist dickwandiger, mit einfacher gestaltetem Rand. Neben dem Typus Topf (mit 96 Prozent vorherrschend) gibt es in Gars-Thunau aber auch weitere Gefäßformen, wenn auch in geringer Anzahl. Dazu zählen Schüsseln, die sog, Backteller (Abb. 3. 13, 14), verschiedene Flaschentypen (Abb. 3. 7-12) und zwei Pfannen (Abb. 3. 5,6). Während die Flaschen einerseits mit Funden vor allem aus Böhmen 14 und auch Ungarn in Zusammenhang gebracht werden können, haben die Pfannen Parallelen im bayrischen Gebiet. 15 Zwei Fragmente mit gitterförmig aufgebrachten Tonleisten (Abb. 3. 15, 16) erinnern an Badorfer Reliefbandamphoren, Vergleichsfunde dazu gibt es auch in Böhmen, wo ebenfalls die Verbindung nach Westen hergestellt wird. 16 Auffällig sind auch noch zwei Töpfe, die eine spitzen Tonwulst am Halsansatz aufweisen (Abb. 3. 3,4), was auch im nordböhmisch- polnischen Bereich vorkommt. 17 Man kann also im Fundmaterial von Gars-Thunau neben dem zwar variationsreichen, aber letztlich nicht aussagekräftigen Topftypus etliche Einflüsse feststellen, die nach Böhmen und auch nach dem Westen weisen. Die Burganlage auf der Hur Sand in Oberpfaffendorf bei Raabs (Abb. 4) an der Thaya im nördlichen Waldviertel wird nach Aussage der Dendrodaten aus dem Nordwall erst im 10. Jahrhundert errichtet (926-930) und mit größter Wahrscheinlichkeit auch von den Ungarn wieder zerstört, ist also im zweiten Viertel des 10. Jahrhunderts besiedelt. 18 Die vorgefundene Keramik besteht ausschließlich aus im Umkreis der Burg anstehenden Graphitton und wird auf der Burg selbst hergestellt. Vorherrschend ist der Topf, verziert mit Wellenlinien, Wellenbändern und Kammeinstichen, auch Spatelkerben kommen vor. Die Variationsbreite in Größe, Formung (schlanker und breitbauchiger) und Verzierungszusammensetzung ist wiederum sehr groß. Auffallend ist das häufigere Vorkommen von 13 CECH 2001 14 SOLLE 1966. Abb. 61. 15 Regensburg : WINTERGERST 1991 VgL auch KOCH 1993. Abb. 3/5. 16 PRINCOVÁ-JUSTOVÁ 2002. Abb 12 ( Beispiele aus Trebovle und Dobesovice). 17 Vorbilder könnten die Gefäße in der Art des Typus Bruszczewo sein , s. BRZOSTOWICZ 2000. Abb. 178. 18 FELGENHAUER-SCHMIEDT 2002. 30