Budapest Régiségei 34. (2001)
STUDIEN = TANULMÁNYOK - Ertel, Christine: Spolien aus der Mauer des spätrömischen Legionslagers von Aquincum Fragmente von Grabaltären ohne Inschrift im Aquincum Museum 79-104
hohen Eigengewichtes und des Reibungswiderstandes ohnehin in ihrer Position verblieben. Man kann also davon ausgehen, daß auch die Altaraufsätze aus Aquincum, die zwischen den Polstern eine völlig gerade Oberfläche aufweisen, nicht dazu dienten, Opfer darzubringen. Aufgrund der also in allen Fällen zu ergänzenden Bekrönung sind die Altaraufsätze aus Aquincum als Teile von Grabaltären zu deuten. Ein weiterer Anhaltspunkt für die sepulchrale Herkunft der Fragmente aus Aquincum liegt in ihrer sekundären Wiederverwendung als Baumaterial. Wie bereits früher dargelegt, 53 wurden Grabdenkmäler häufiger wiederverwendet als anderes Steinmaterial. Sie verloren ihre Funktion relativ rasch, da sie keinen praktischen Nutzen hatten. Von den insgesamt 23 abgebildeten Spolien aus dem spätrömischen Uferkastell am Eskü-tér waren 18 Stücke Teile von Grabdenkmälern, 54 das ist ein Anteil von 78 %. Im Gegensatz zu diesem viel stärker durchmischten Fundkomplex fällt allerdings das einheitliche Erscheinungsbild der Altaraufsätze auf. Immerhin wurden in der spätrömischen Lagermauer acht sehr ähnliche Stücke am mehr oder weniger gleichen Ort neu verarbeitet, die man sicher nicht an sehr weit auseinander liegenden Fundorten zusammengesammelt, sondern bereits in konzentrierter Form vorgefunden hatte. Bei dem angeblich oder tatsächlich seltenen Vorkommen von Grabaltären ist es schwer vorstellbar, daß die Aufsätze an nahe beieinander liegenden Gräbern in Verwendung standen. Bei der Räumung eines zivilen oder sakralen Fundortes wie z. B. eines Praetoriums 55 oder Tempels 56 würden mehrere verschiedenartige Altäre anfallen. Wie beschrieben, sind auch die Ecksteine der Grabumfassungen einander sehr ähnlich. Möglicherweise hatte man für die spätrömische Lagermauer eine aufgelassene Steinmetzwerkstätte in den Canabae ausgeräumt bzw. einige "Ladenhüter" verarbeitet. 3. ALTARBEKRÖNUNGEN Bei den drei Altaraufsätzen mit Dübelloch und Gußkanal (2. 1, 2. 2 und 2. 5) steht außer Zweifel, daß auf der Oberfläche ein weiterer Bauteil aufgesetzt wurde. Seit der frühen Kaiserzeit finden in dieser Position pyramidenförmige Bekrönungen mit Pinienzapfen oder Kapitellen Verwendung. 57 Drei pyramidale Aufsätze finden sich auch im Lapidarium des Aquincum Museums. 3. 1 Pyramidaler Aufsatz (Abb. 8 a.) FO: östliches Gräberfeld der Zivilstadt Aquincum, aus der Donau gebaggert. AO: Lapidarium Nord, Inv.Nr. 64.11.123. B:44;H: 122; T: 31. Über einem geraden, 21 cm hohen Plinthensockel erhebt sich die glatte Pyramide. Sie wird von einem korinthischen Vollblattkapitell bekrönt. Die fleischigen Blätter setzen an einer Mittelrippe an, der dicke Blattüberfall ist in der Mitte gekerbt. Das kleine Stück besitzt nur einen Blattkranz mit 8 Blättern; darüber folgt die Kelchzone mit den hohen, überfallenden Kelchblättern. Die kräftige Abakusplatte wird von einem Knauf geschmückt. Auf ihr folgt auf einer Sockelplatte ein glatter, in der oberen Hälfte konisch zugespitzter Zapfen. KUZSINSZKY 1934. 214, Nr. 303, Abb. 149.; NAGY 1942. 478 ff, Abb. 13; ERDÉLYI 1974. Abb. 77. 3.2 Pyramidaler Aufsatz (Abb. 8 b.) FO: östliches Gräberfeld der Zivilstadt Aquincum, aus der Donau gebaggert. AO: Lapidarium Süd, Inv.Nr. 64.11.100 B: 54, H: 85, T: 47. Die Pyramide setzt über einem senkrechten Plinthenrand an. Der obere, noch 20 cm breite Abschluß ist von zwei einfachen, abgetreppten Leisten betont. Das bekrönende Element, vielleicht ein Zapfen, ist abgebrochen. KUZSINSZKY 1934, 214, Nr. 302. 3. 3 Pyramidaler Aufsatz (Abb. 8 c.) FO: Ausgrabung von Annamária Facsády 1997. Cserfa u. AO: Lapidarium Süd. B: 27,5 cm; H: 63; T: 28. Über einer geraden Plinthe erhebt sich die kräftig einund wieder ausschwingende Pyramide. Sie läuft in einer Sockelplatte aus, auf der ein glatter, kugeliger und leicht zugespitzter Zapfen sitzt. In der Spitze ist ein kleiner Schlitz eingelassen. Der Aufsatz ist an der schwächsten Stelle der Pyramide gebrochen. FACSÁDY 1999. Abb. 2. Auflagerflächen der Altaraufsätze: 2.1:88x56 2.2:70x50 2. 3: 84 x 67 2. 4: 62 x 58 2. 5: 72 x 42 2. 6: 82 x 73 2. 7: 87 x 76 2. 8: 75 x 55 Die vorgestellten Bekrönungen ähneln zwar durchaus den aus Aquileia bekannten Beispielen, aber sie sind für die zur Diskussion stehenden Altaraufsätze aus Aquincum zu klein. Man muß vermutlich davon ausgehen, daß die ebenen Auflagerflächen zwischen den Polstern der Aufsätze mehr oder weniger überdeckt wurden. Die mit 62 x 58 cm kleinste Auflagerfläche des Stückes 2. 4 ist noch immer erheblich größer als die Grundfläche der größten Pyramide mit 54x47 cm. Es ist aber natürlich möglich, daß die pyramidalen Abschlüsse zu kleineren Grabaltären gehörten oder auch Ecksteine von Grabumfassungen schmückten. Geschweifte Pyramiden bekrönten auch die Dächer von Grabädiculen, wie die Typenübersicht von H. Gabelmann zeigt. 58 Im Grabbezirk der Julier in Aquileia stand ein kleinerer Altar auf einem glatten Sockel, ein pyramidenförmiger Aufsatz mit Kapitell und Pinienzapfen lag daneben. 59 Seine Frontseite wird von einem Relief mit zwei verschlungenen Delphinen eingenommen. In der 85