Budapest Régiségei 34. (2001)
STUDIEN = TANULMÁNYOK - Kocsis László: Die Südostecke des Legionslagers von Aquincum aus dem 2.-3. Jahrhundert und der daran angrenzende Mauerabschnitt der spätrömischen Festung 71-78
LASZLO KOCSIS DIE SÜDOSTECKE DES LEGIONSLAGERS VON AQUINCUM AUS DEM 2.-3. JAHRHUNDERT UND DER DARAN ANGRENZENDE MA UERABSCHNITT DER SPÄTRÖMISCHEN FESTUNG Im Rahmen der Umbauten des Budaer Brückenkopfes der Árpád-Brücke bot sich uns mit der Verlegung der neuen Kommunalleitungen die Gelegenheit, in einem offenen Leitungsgraben auf dem Fahrdamm der auf die Brücke führenden Straße kurze Rettungsgrabungen durchzuführen. Bei vier kürzer bzw. länger befristeten Grabungen konnten wir im Frühjahr des Jahres 1981 die südöstliche Ecke des Legionslagers aus dem 2.-3. Jahrhundert sowie den daran angrenzenden Mauerabschnitt der spätrömischen Festung freilegen und dokumentieren 1 (Abb. 1). Einen Abschnitt der spätrömischen Festungsmauer hatte man abgerissen; hier bargen wir sekundär verwendete, von Grabmälern stammende skulptierte Steine, 2 durch die neue Angaben zur Untersuchung der Aquincumer Steinplastik gewonnen wurden. Mitte Februar 1981 stieß man am westlichen Brückenkopf der Arpad-Brücke, in einem von der Brückenbaufirma unter den Straßenbahnschienen ausgehobenen Leitungsgraben, auf eine mit Mörtelgusstechnik errichtete römische Mauer (Abb. 2). Während der für drei Tage eingestellten Bauarbeiten nahmen wir eine Rettungsgrabung vor und identifizierten den dabei zutage gelangten kurzen Mauerabschnitt als die südöstliche, abgerundete Eckmauer des Legionslagers. An die hier noch ostwestlich verlaufende, 2 m breite Eckmauer schloss von Süden eine an ihrer Ostseite aus Quadersteinen bzw. mit Mörtelgusstechnik ausgeführte Mauer unbestimmbarer Breite 3 an. Das Fundament dieser Mauer füllte mit waagerechten Reihen den Wassergraben außerhalb des abgerundeten Ecke des Legionslagers aus dem 2-3. Jh. aus (Abb. 3, Schnitt "D-D", Abb. 4) (deshalb war auch die Fundamenttiefe der beiden Mauern abweichend), (Abb. 5). Auf dem Grundriss und den dazu gehörigen Profilen "A-B" bzw. "B-C" ist gut erkennbar, dass das Gelände in der Neuzeit fast bis zum Niveau der römischen Grundmauern abgetragen wurde. Mitte April durchschnitt man etwa 8 bis 10 m südlich von der Stelle der im Februar durchgeführten Rettungsgrabung den südlichen Fahrdamm des Brückenkopfes für einen nordsüdlichen Leitungsgraben. Schon am ersten Tag kam im Laufe der Erdarbeiten die westliche Seite einer nordsüdlich verlaufenden, breiten, in Mörtelgusstechnik errichteten römischen Mauer ans Licht (Abb. 6, Abb. 7). Kurz darauf förderte der Bagger am Südende dieser breiten Mauer einen Reliefstein mit A#«-Darstellung zutage. Nach dem Abbruch der Arbeiten und Säubern der Mauer fanden wir an dieser Stelle einen neuzeitlichen Keller vor, dessen nördliche Mauer die spätrömische Festungsmauer durchschnitt (Abb. 8). Hier war die Mauertechnik sehr gut zu beobachten. Auf beiden Seiten der Mauern hatte man behauene Quadersteine verlegt und den Zwischenraum dann mit amorphen Steinen und Mörtelguss ausgefüllt. Nach dem Abriss der nördlichen Mauer des neuzeitlichen Kellers erschien jedoch (anstelle des erwarteten Festungsschnitts) ein schräger Mauerschnitt, der nicht als abgetragener Rest der amorphen Steine des oben erwähnten Mauerwerkes zu betrachten war. Die Kürze der verfügbaren Zeit ermöglichte es damals nur, den Befund zu registrieren und zu dokumentieren. Aber einige weitere Tatsachen bringen uns der Lösung vielleicht näher. Der beobachtete Keller nahm teilweise den Wassergraben des im 2.-3. Jahrhundert bestehenden Legionslagers ein. 4 Durch Fortsetzen des Abrisses gelang es, die vollständige Mauerbreite zu bestimmen, sie betrug 3 m (Abb. 9). Das spätrömerzeitliche Mauerwerk füllte nahezu die ganze muldenförmige Sohle des Wassergrabens aus. In den Abrisstrümmern von der westlichen Mauerseite konnten zehn relefierte Quadersteine geborgen und ins Aquincum Museum gebracht werden. Als man die nördliche Fahrbahn sperrte, um die Arbeit in den Leitungsgräben fortzusetzen, bot sich wiederum Gelegenheit für eine kurze Rettungsgrabung, bei der es gelang, einen weiteren Mauerabschnitt der abgerundeten Ecke des Legionslagers aus dem 2.-3. Jahrhundert freizulegen und zu dokumentieren. Wenige Tage später, Anfang Mai, führten wir kaum zehn Meter vom Schauplatz der Fundbergung unter dem südlichen Fahrdamm entfernt erneut eine Rettungsgragung durch und konnten auch dort, unter der Magyar L. utca (heute Kiskorona utca), einen kurzen Abschnitt der spätrömischen Festungsmauer aufdecken (Abb. 10). Unter der Qaudersteinreihe auf der westlichen Seite des Mauerwerkes dokumentierten wir das in 30 cm Breite herausstehende Grundmauerwerk. An diesem Punkt kamen, obwohl man die Mauerfront mit Quadersteinen aufgeführt hatte, keine reliefierten Stücke zum Vorschein (Abb. 11). Im Laufe der großen Festungsbaukampagne des konstantinischen 5 und nachfolgenden Zeitalters 6 fielen dem erhöhten Bedarf an Baumaterial zahlreiche frühere Steindenkmäler, Grabgärten, Stelen und 71