Budapest Régiségei 34. (2001)

KURZREFERATE = JELENTÉSEK - Kopp, Sylvia: Schutzbauten in Österreich : Schutzbau für die Ausgrabung der Bischofskirche in Teurnia auf dem Holzerberg in Kärnten/Österreich 257-259

SYLVIA KOPP SCHUTZBAUTEN IN ÖSTERREICH. SCHUTZBAU FÜR DIE AUSGRABUNG DER BISCHOFSKIRCHE IN TEURNIA AUF DEM HOLZERBERG IN KÄRNTEN/ÖSTERREICH KURZE HISTORISCHE ZUSAMMENFASSUNG 400 n. Ch. war Teurnia Bischofssitz innerhalb des Patriachats von Aquilea. Der Wirkungsbereich entsprach dem Territorium Oberkärntens samt dem angrenzenden Lungau. Zwei Bischöfe wurden namentlich überliefert: 1. Paulinus (480 in der Vita S.Severini­Tibumia) 2. Leonianus (577 war der letzte Bischof vom Teurnia- Konzil von Grado-Aquilea) 1916 wurde mittels Suchgraben am westlichen Ausläufer des Holzer Berges die zunächst einschiffige \ Kirche, im Osten angeschnitten. Sie hatte eine Apsis und eine Länge von 23,38 M und eine Breite von 8,25 m. Die jüngere dreischiffige Kirche hatte eine Länge von 26,85 m und eine Breite von 13,10 m, mit 3 Apsiden als Abschluß. Bei der Einwanderung der Slawen um 600 n. Ch. wurde die Kirche zerstört und blieb als Ruine stehen bis sie verstürzte. GRABUNGSGESCHICHTE UND SCHUTZBAU Grabungsleiter: Prof. Dr. Franz Glaser Entwurf des Schutzbaus: Arch. Dipl. Ing. Reinhold Wetschko. Bei der Grabung 1984 fand man eine 3-schiffige Kirche mit halbrunder Priesterbank und erhöhter Kathedra als Bischofssitz (Mauern bis auf eine Höhe von 1,80 m erhalten). Der Dom bot Platz für 500 Gläubige. Reicher Freskenschmuck (viele Malerei­fragmente) und vielfarbige Glasfenster (geschmolzene Glasreste) sowie die Architektur weisten auf südöstliche Einflüsse hin, besonders aus dem Raum Sirmium in Jugoslavien. Im Mauerwerk fanden sich als Spolien Inschriften aus dem 1 und 2 Jhdt. sowie Grabstelen des 2. und 3. Jhdts. sowie ein Grabporträt. Der ausgeführte Schutzbau ging davon aus, das kein antiker Bauteil mit modernen Materialien nachge­bildet wird und eine neutrale Hülle die frühchristliche Kirche schützen sollte. Die Außenhaut des Schutzbaues orientierte sich an regionalen Formen, nämlich an den Trockenhallen von Kartonagenfabriken. Der Konstruktion liegt ein Raster von 3,50x3,50 m zugrunde, an dem sich alle Elemente ausrichten. Der quaderförmige Baukörper besteht aus einer Stahlkonstruktion, die das Dach mit 6 Stützen trägt, wobei 4 außerhalb der Kirche und 2 in den seitlichen Längshallen stehen. Daher beschränkte sich der bauliche Eingriff innerhalb der Ruine auf die Errichtung von 2 Fundamenten. Die gesamte Außenhaut, die aus schräggestellten Lamellen besteht, ist an der tragenden Konstruktion befestigt. Die Schrägstellung bewirkt, daß bei normalen Windverhältnissen weder Laub noch Schnee in den Schutzbau geblasen werden können, aber sie erlauben gleichzeitig einen Blick ins Freie und schaffen, je nach Tageszeit, verschiedene Lichtverhältnisse. Die feine Gliederung der Holzlamellen schafft eine Einbindung des Baukörpers in die Waldlichtung. Zusätzlich wird dies durch die natürliche Verwitterung der unbehandelten Holzlamellen gefördert, welche das verschwimmende Grau alter Dachschindeln besitzen. Der zentrale Ort, Altarraum, Klerusbank und Bischofssitz wurde durch eine emporgezogene Laterne hervorgehoben; so fällt nur gebrochenes Licht ein und es entstehen keine störenden Licht-und Schatten­bereiche. Die Fundamente wurden bis in die Tiefe der antiken Fundamente geführt, begleitet von einer Drainage, um Feuchtigkeit und damit verbundene Algenbildung zu vermeiden. Entlang der nördlichen Längswand entstand ein erhöhter Besuchersteg, der einen genauen Überblick über den gesamten Grabungsbefund erlaubt. Er bietet Platz für 70 Personen, sodaß bei Führungen alle Teilnehmer darauf stehen können. Dadurch wurde eine massive Konservierung der Mauern vermieden; lediglich die oberste Steinlage wurde durch Mörtel befestigt. Von dem Besuchersteg führt eine Treppe vor die W-Seite der Kirche. Hier befindet sich nun der Besucher auf antikem Niveau und hat einen Blickwinkel wie der Mensch vor 1500 Jahren. BIBLIOGRAPHIE GLASER, Franz: Teurnia-Römerstadt und Bischofssitz. Klagenfurt, 1992. GLASER, Franz: Frühes Christentum im Alpenraum. Regensburg, 1997. GLASER, Franz: Archäologische Schutzbauten-Entwurf und Wirklichkeit. Die Brücke. Kärntner Kulturzeitsschrift 19. (1993), 7 ff. GLASER, Franz PAR 49. Heft 3-4. (1999), 10 ff. WETSCHKO, Reinhold: Pläne und unterlagen für den Schutzbau über die Bischofskirche von Teurnia. 257

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