Budapest Régiségei 34. (2001)

STUDIEN = TANULMÁNYOK - Pochmarski, Erwin: Zur Ikonographie und Chronologie der römischen Sarkophage aus Brigetio 201-221

sind gleich gekleidet: sie tragen das sagum mit Scheibenfibel, die tunica manicata mit den weiten Ärmeln und die langen, engen braccae, sowie das Ringschnallencingulum. Dieses wird von Ubl ähnlich wie die übrigen Bestandteile der Uniform mit einer Neuadjustierung des römischen Heeres unter Caracalla in Zusammenhang gebracht. 27 Als Attribut hat der rechte Legionär eine Benfiziarierlanze, die er mit der Linken knapp unterhalb des Lanzenblattes hält, während die Schwurfinger der Rechten auf eine Kugel gelegt sind, welche die Lanze bekrönt. Ubl hat sich mit der Frage befasst, wen die durch ihr Kürze auffallende Benefiziarierlanze charakterisiere; er kommt zum Schluss, dass der in der Inschrift als. immunis caeri­arensis bezeichnete Soldat im officium des legátus legionis als Schreiber Dienst getan habe 23 und ihm dieses Attribut zukomme. Im Mittelakroter des Sarkophagdeckels sind die Halbfiguren eines Ehepaares mit den Brustbildern zweier Kinder vor sich dargestellt. Der bärtige Mann rechts trägt ein sagum mit Scheibenfibel und die tuni­ca manicata, entspricht also in der Bekleidung den bei­den Soldaten in den Seitenfeldern. Die Frau hat schul­terlange, gewellte Haare, die über die Ohren reichen und an die von Iulia Domna getragenen "Nestfrisur mit bedeckten Ohren" 29 erinnert. Ubl hat für den Sarkophag eine Datierung in die 1.Hälfte des 3. Jh. n. Chr. 30 bzw. in die Mitte des 3. Jh. n. Chr. vorgeschla­gen. 31 Aus dem Gentilnomen Aelius ergibt sich höchs­tens ein Anhaltspunkt für eine Datierung ab Marc Aurel, 32 was durch die Uniform jedenfalls in die Zeit ab Caracalla präzisiert wird. Die Uniform der beiden Soldaten in den Seitenfeldern eines Sarkophags (Nr. 20) aus Brigetio, der nach Hódmezővásárhely gelangt ist, besteht aus sagum mit Scheibenfibel, tunica manicata und braccae, was der von Ubl charakterisierten Dienstuniform seit Caracalla entspricht. Der linke Soldat hält einen Centurionenstab (vitis), der bis über die Schultern reicht und am oberen Ende einen abgesetzten runden Knauf aufgesteckt hat: 33 es handelt sich nach Ubl dabei um eine der drei Formen der vitis im 3. Jh. n. Chr. Der rechte Soldat hält mit der Rechten eine Benefiziarierlanze, an welcher der große kugelförmige Absçhluss auffällt. Im Mittelakroter des Sarkophagdeckels finden sich die Halbfiguren eines Ehepaares: der bärtige Mann rechts trägt das sagum und die tunica manicata, die Frau links eine Melonenfrisur und die palla. Während die Tatsache, dass es sich bei dem Verstorbenen M. Aurelius Emeritus aus Carnuntum um einen centurio des legio I adiutrix handelt, zur Datierung nichts beiträgt, weist das Gentilnomen auf eine Datierung nach Marc Aurel bzw. eher nach Caracalla hin. Auch die Dienstuniform spricht für eine Datierung in das 3. Jh. n. Chr. 34 frühestens ab Caracalla; die von Fitz aus stilistischen Gründen vorgeschlagene Datierung an das Ende des 2. Jh. n. Chr. 35 scheidet aus antiquarischen Gründen aus. In der Folge sollen drei weitere Sarkophage mit figürlichen Darstellungen in den Seitenfeldern beider­seits der Tabula behandelt werden. Im ersten Fall (Nr. 21: Abb. 6) handelt es sich um zwei Figuren des dio­nysischen Thiasos, im zweiten Fall (Nr. 53) um zwei Dienerfiguren und im dritten Fall (Nr. 54) um zwei sog. Attisfiguren. Die beiden letztgenannten Sarkophage stammen nicht mit Sicherheit aus Brigetio. 36 Bei den Verstorbenen handelt es sich bei zwei Sarkophagen (Nr. 21. 55) um Militärpersonen: im einen Fall (Nr. 21: Abb. 6) war der Grabinhaber ein miles duplarius der legio I adiutrix, im anderen (Nr. 54) Veteran der legio II adiutrix: 37 in beiden Fällen trägt die Truppenangabe nichts zur Datierung bei, im zweiten Fall allenfalls das Kaisergentilicium Aelius, das für eine Datierung nach Marc Aurel sprechen würde. 38 Im dritten Sarkophag waren zwei Brüder beigesetzt, die in der Inschrift als équités Romani angesprochen werden; aus dem Gentilicium des Stifters Aurelius Flavus lässt sich eine Datierung ab Marc Aurel oder eher ab Caracalla 39 ableiten. Von den Darstellungen sind die beiden dionysi­schen Figuren in den Seitenfeldern des ersten Sarkophages (Nr. 21: Abb. 6) auch für eine Datierung von größtem Interesse. In der rechten Seitennische steht eine Mänade, deren Mantel bis zur Scham her­abgeglitten ist und vorne nur die Beine bedeckt; er ist seitlich und im Rücken hochgezogen und bildet über dem Kopf der Mänade eine velificatio, wobei die Mänade den Mantel mit den erhobenen Armen zu hal­ten scheint. Es handelt sich um eine Variante eines Mänadentypus (Kymbalistria E), der auf den dionysi­schen Sarkophagen, 40 aber in ähnlicher Form auch auf einem dionysischen Relief der Provinz Noricum vorkommt. 41 M. Pochmarski-Nagele hat für das norische Relief auf der Grundlage des Vergleichs mit stadtrömischen Sarkophagen, welche diesen Figurentypus verwenden und an den Anfang des 3. Jh. n. Chr. zu datieren sind, eine entsprechend spätere Datierung in das 1. Viertel des 3. Jh. n. Chr. vorgeschlagen. 42 Im linken Seitenfeld ist ein im Kreuzschritt nach rechts gehender Satyr dargestellt, der um den linken Arm einen Mantel geschlungen; in der gesenkten Linken hält er eine Weintraube, während der in der abgewinkelten Rechten gehaltene kleine, rundliche Gegenstand nicht eindeutig zu identifizieren ist. Für diese Satyrfigur finden sich unter den diony­sischen Sarkophagen keine direkten Parallelen, wohl aber unter den dionysischen Reliefs aus Noricum. Pochmarski-Nagele hat an die vier Jahreszeitengenien des Spectatiermonumentes in Sempeter, die z. T. dionysische Attribute tragen, eine ganze Reihe ähn­licher Satyrdarstellungen angeschlossen, die sich durch das gleiche Bewegungsmotiv (Kreuzschritt) zusammenstellen lassen. 43 P. Kranz hat den Jahreszeitenzyklus des Spectatiermonumentes in das ausgehende 2. bzw. beginnende 3. Jh. n. Chr., setzen wollen, 44 worin ihm Pochmarski-Nagele gefolgt ist. 45 Legt man diese typologisch-ikonographischen Untersuchungen auf die Zeitstellung des Sarkophages 203

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