Budapest Régiségei 34. (2001)
STUDIEN = TANULMÁNYOK - Mattern, Marion: Götterverehrung im römischen Hessen : besonderheiten und regionale Einflüsse im Spiegel der Steidenkmäler 177-187
MARION MATTERN GÖTTERVEREHRUNG IM RÖMISCHEN HESSEN BESONDERHEITEN UND REGIONALE EINFLÜSSE IM SPIEGEL DER STEINDENKMÄLER Neben der Auswertung von Bestattungssitten und Gefäßkeramik sowie der Analyse von Kleidung und Tracht sind auch Steindenkmäler eine wichtige Quelle, um Aufschlüsse über die kulturelle Stellung eines Gebietes zu erlangen. Der hier zu betrachtende Bereich umfaßt bis auf wenige Ausnahmen das gesamte römisch besetzte Gebiet Hessens. Im Westen bildet der Lauf des Rheins die Grenze, im Norden ein kleiner Teil der Lahn sowie der Verlauf der römischen Grenzanlage, die auch die östliche Begrenzungslinie des Bearbeitungsgebietes markiert. Im Süden schließlich bildet die Landesgrenze des heutigen Bundeslandes Hessen die Trennungslinie. Nicht einbezogen wurden die Steindenkmäler des rechtsrheinisch gelegenen Mainz-Kastel, sowie die diejenigen Denkmäler, die dem ehemaligen Hauptort der Civitas Taunensium entstammen. An Limesstrecken wurden erfaßt: der Taunuslimes, der Wetteraulimes, der Mainlimes, sowie die ältere Odenwaldstrecke zwischen Obernburg und Hesselbach und die anläßlich der Vorverlegung des Odenwaldlimes neu gegründeten Kastelle Miltenberg und Trennfurt (Abb. 5). Mit der Gründung des Legionslagers in Mainz in den Jahren um 13 v. Chr. und den seit ca. 10 v. Chr. von dort unternommenen Feldzügen gegen die rechtsrheinisch siedelnden Germanen beginnt auch die hessisch-römische Geschichte. Seit claudischer Zeit befand sich das Taunusvorland gegenüber dem Legionsstandort Mainz unter unmittelbarer römischer Kontrolle. Schon in dieser Zeit ist auch bereits mit einem ständigen Truppenlager in Wiesbaden zu rechnen. Der Auslöser der vollständigen Besetzung des Taunus und der Wetterau waren die Chattenkriege Domitians in Nordhessen, die bis 85 n. Chr. andauerten. Bei Abschluß der Kampfhandlungen war die Wetterau fest in römischer Hand, ferner der Unterlauf des Main bis Obernburg und der gesamte Neckarlauf. Der Odenwald wurde kurze Zeit später besetzt. In der Regierungszeit Domitians beginnen auch die Arbeiten am Limes. Bereits Ende des 1. Jhs. n. Chr. war im Hochtaunus und in der Wetterau die spätere Limesstrecke in wesentlichen Teilen festgelegt. Wohl kurz nach 150 n. Chr. wurde die ältere Odenwaldlinie durch die vordere, schnurgerade von Walldürn nach Lorsch verlaufende Grenze ersetzt. Die Jahre 259/260 n. Chr. werden als traditionelles Datum für den Limesfall und die damit einhergehende Aufgabe des rechtsrheinischen Gebietes durch die Römer angesehen. Nachrichten, die Auskunft über die ethnische Zusammensetzung der vorrömischen Bevölkerung geben, sind äußerst spärlich. Im Taunusvorland und in der Wetterau ist vor der römischen Okkupation mit einer eher geringen keltisch-germanischen Bevölkerung zu rechnen. 1 In römischer Zeit ist für das Wiesbadener Stadtgebiet der Stamm der Mattiaker belegt. Tacitus zählt sie zu den Germanen und lobt ihr Vertrags- und Treueverhältnis zu Rom. Es ist durchaus möglich, daß dieser Stamm hier nicht ursprünglich saß, sondern erst von den Römern angesiedelt wurde. 2 Gleiches könnte auch für die kleineren Germanengruppen suebischer Herkunft gelten, die um Groß-Gerau siedelten. Diese Gruppen sind dort frühestens seit der ersten Hälfte des 1. Jhs. n. Chr. durch Bodenfunde nachzuweisen. 3 Besonders für das südlich der Mainlinie liegende Gebiet dürfte auch mit einer größeren Anzahl gallischer Einwanderer zu rechnen sein. 4 Mit der Konsolidierung der römischen Besetzung des in Rede stehenden Gebietes erfolgte auch die Einbindung in die römische Verwaltung. Die Römer konnten auf dem rechten Rheinufer nicht, wie beispielsweise in Gallien, auf bereits bestehende Strukturen zurückgreifen. In der Regierungszeit Traians wurde die Civitas Mattiacorum mit dem Hauptort Aquae Mattiacorum (Wiesbaden), die Civitas Taunensium mit dem Hauptort Nida (Frankfurt-Heddernheim) sowie die Civitas Auderiensium mit dem Hauptort Dieburg eingerichtet. Die Besiedlung des Gebietes gliederte sich in die erwähnten Civitates mit ihren stadtähnlichen Hauptorten und ihren in den fruchtbaren Gegenden liegenden Villae rusticae, sowie in den Limesstreifen mit seinen Kastellen und Vici. 5 Wie nicht anders zu erwarten prägte die nahe Grenze und die daraus resultierende unmittelbare Verknüpfung mit der jeweiligen politischen und militärischen Situation die wirtschaftliche Lage und das gesellschaftliche Leben in diesem Gebiet in besonderem Maße. Alle ökonomischen Aktivitäten dürften vorrangig auf die Versorgung der Truppen und ihre Bedürfnisse ausgerichtet worden sein. Die enge wirtschaftliche Verflechtung von Kastellbesatzung und Vicusbewohnern zeigt sich nicht zuletzt darin, daß bis auf ganz wenige Ausnahmen die Vici, wenn sie nicht verkehrsgünstig an einer stark frequentierten Straße, wie beispielsweise Groß-Gerau lagen, gemeinsam mit den Kastellen aufgegeben wurden. In der Limeszone wurden erwartungsgemäß häufig 777