Budapest Régiségei 34. (2001)

STUDIEN = TANULMÁNYOK - Gesztelyi Tamás: Spätrömische Gemmenfunde in Pannonien 109-116

Zwillingen in Split (mit einem Stern und einer Mondsichel über ihr), 50 in Britannien 51 bzw. in Hispanien 52 vor. Neben den paganen Motiven erscheinen auch die christlichen, wie z. B. der Gute Hirt, 53 Christus unter den Aposteln, 54 Daniel in der Löwengrube, 55 das Christus-Monogramm, 56 sogar auch ein jüdisches, die siebenarmige Menora. 57 Die Herstellung der Anhänger ist demnach in einer Zeit und in einem Gebiet erfolgt, wo Paganen, Christen und Juden nebeneinander lebten und ihre Symbole nach der Interpretation des eigenen Glaubens gegenseitig gebrauchten. Eine solche Situation bestand im 4. Jh. und besonders typisch in der östlichen Hälfte des Römischen Reiches. 58 Mit der prophylaktischen Funktion der Glas­kameen mit zwei Kanälen haben wir uns früher beschäftigt. 59 Bei den Anhängern scheint es aufgrund der Form, der Farbe, der Motive und der Inschriften sicher zu sein, daß sie als Bulle und Amulette getragen wurden. Dafür spricht auch, daß die ungarischen Grabfunde dieser Art immer Kinderskeletten beigelegt waren. Obwohl die Kirchenväter und die Konzilienbeschlüsse das Tragen der Amulette abgelehnt haben, konnten sie diese tiefverwurzelte Tradition nicht beseitigen. 60 Auch bei der Verbreitung der Tiermotive spielte es eine Rolle, daß die Christen sich der Menschendarstellung enthielten, und eher die Motive symbolischer Bedeutung gewählt haben. Eindeutige Beweise sind dafür einmal das Kreuz, 61 ein­mal eine christliche Inschrift: EIC(OVC) X(IPCTOC) (EOV) V(IOC) über dem Löwen. 62 In der Mehrheit der Fälle fehlen aber die eindeutigen Beweise für den Glauben des Trägers, so wissen wir meist nicht, ob sie im Besitz von Paganen oder Christen waren. So wie bei den Glasanhängern können wir auch auf den Bleibullen neben den traditionellen Motiven - wie z. B. Kaiserporträts, Victorien - das Erscheinen der christlichen Symbolik - wie z. B. das Christus­Monogramm 63 - beobachten. Die Verbindung zwi­schen den zwei Fundgruppen zeigt der aus Blei gefer­tigte Anhänger mit dem Frosch aus Gorsium. Obwohl unter den vorgestellten ungarischen Anhängern kein direkter Beweis für christlichen Glauben vorliegt, han­delt es sich bei deren Trägern zweifellos um eine Völksgruppe, die vom Balkan nach Pannonién gekom­men ist und sich hier niedergelassen hat, und zwar in der Periode, als das Christentum in breiten Kreisen Fuß gefasst hatte. In der Gewohnheit des Tragens und in der Symbolik der Anhänger zeigt sich die Zeit des Zusammentreffens von Paganentum und Christentum, ähnlich wie manchmal auch bei den pannonischen Kästchenbeschlägen. 64 In diesen Kleinfunden dürfen wir einen Beweis dafür sehen, daß die Einwirkungen auf die pannonische Kultur und Kunst im 4. Jh. vor­wiegend vom Balkan her kamen. ANMERKUNGEN * Dieser Beitrag ist im Rahmen der Veröffentlichung der ungarischen Gemmensammlungen mit der Unterstützung der OTKA (ID Nr. T 025192) verfasst worden. 1. FURTWÄNGLER 1900. 364. 2. SENA CHIESA 1966. 66.; ZAZOFF 1983. 374. 3. ENGEMANN 1979. 275, ZAZOFF 1983. 384. 4. ZWIERLEIN-DIEHL 1991. 13. 5. GESZTELYI1994. 77.; GESZTELYI1996. 112. 6. z. B. PALÁGYI 1972. 115., Nr. 1., Abb. 17. 7. z. B. GESZTELYI 2000a. Nr. 229. 8. z. B. GESZTELYI 2000a. Nr. 28., 51. 9. z. B. GESZTELYI 2000a. Nr. 165.; SÁGI 1981. Grab 71., 107/7. 10. GESZTELYI 2000.; GESZTELYI 1998. 11. NOLL 1963. 68.; CAMBI 1974. 142.; ZWIERLIEN­DIEHL 1991 Nr. 2500-2507. 12. ILIFE 1934. 11 Nr. 1., 12 Nr. 1-7. PI. VIII. 1-4.; BAL­DINI LIPPOLIS 1989. 99-100, Nr. 27-28.; 'Atiquot 20 (1991) 142: "Amulets are known in Palestine, but are more abundant in Syria, during the fourth century." 145 Note 20: "G. A. Eisen (Glass. Its Origin, History, Chronology, Technik and Classification to the Sixteenth Century. New York, 1927. 517., 532-535.) has studied thirty different types of symbols, none of them limited to a specific population. Most are Syrian origin." Im Israel Museum zu Jerusalem habe ich 35 Glasanhänger gese­hen. Nach der freundlichen Mitteilung von Frau Maud Spaer werden sie bald publiziert. 13. VOLLENWEIDER 1979. Nr. 261.; BOUSSAC­STARAKIS 1983. Nr. 66. 14. ZWIEDERLEIN-DIEHL 1991. Nr. 2501., 2502., 2506. 15. GREIFENHAGEN 1975. Taf. 20., 4; 21, 1.; BALDINI LIPPOLIS 1999. 150., Nr. 8-10. 16. CAMBI 1974.: im Archäologischen Museum zu Split gibt es 27 St. S. noch MIDDLETON 1991. Nr. 295. Im Nationalmuseum zu Aquileia gibt es 10 unpublizierte Stücke. 17. LEES-CAUSEY 1983. 154. f. 18. MÜNCHEN 1972. Nr. 3539-3540.; GESZTELYI 2000a. Nr. 283. 19. ZWIERLIEN-DIEHL 1991. Nr. 2504-2505. 20. CAMBI 1974. 154, Anm. 51.; POPOVIC 1989. Nr. 67. 21. HENIG 1974. App. 77. 22. LOPEZ DE LA ORDEN 1990. Nr. 160. 23. Südwestlich von Mursa; MIGOTTI 1998. 57 Nr. 181. 24. BERTOCELJ-KUCAR 1979. 260., 271. 25. SÁGI 1981. 30., Grab 56., Abb. 13-15.; BILKEI 1979. 32 Nr. 27. 26. BURGER 1966. 134. f., Fig. 122.; GESZTELYI 2000a. Nr. 282. 27. NOLL 1963. 157. 28. SÁGI 1981. 104, 117. 29. BURGER 1966. 164. 30. CAMBI 1974. 149 ff. 31. ILIFFE 1934. 11 Nr. 1.; 12 Nr. 1-5.; BALDINI LIPPO­LIS 1989. 99-100., Nr. 27-28. 32. EISEN 1927. 534.; VOLLENWEIDER 1979. 249., Anm. 2.: Berlin, Staatliche Museen, Frühchristliche- byzanti­nische Sammlung (früher in Dahlem) Inv. Nr. 3341., 4942.; STUPPERICH 1986. 245., Nr. 48-50. 33. GESZTELYI 2000a. Nr. 283. 111

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