Budapest Régiségei 33. (1999)
TANULMÁNYOK - H. Kérdő Katalin: Beiträge zur Materialuntersuchung der aquincumer Marmordenkmäler = Adatok az aquincumi márványemlékek anyagvizsgálatához 269
KATALIN H. KÉRDŐ BEITRAGE ZUR MATERIALUNTERSUCHUNG DER AQUINCUMER MARMORDENKMÄLER METHODE UND ZIEL DER UNTERSUCHUNG, ASPEKTE DER PROBEENTNAHME Mit Materialuntersuchungen antiker Denkmäler hat man sich früher schon befaßt. Allerdings waren die klassischen analytischen Verfahren der Mineral- und Gesteinskunde gerade im Fall der Marmordenkmäler nicht wirklich geeignet. Dagegen versprechen die heute gebräuchlichen geochemischen Stabilisotopuntersuchungen hinsichtlich der Bestimmung ihrer Herkunft ein verläßlicheres Ergebnis.' Die Untersuchungsergebnisse helfen uns, die Frage der Originalität bzw. Zusammengehörigkeit der Steindenkmäler zu entscheiden. Im Falle nicht zusammenfügbarer Stücke z.B. können sie deren Zusammengehörigkeit, oder umgekehrt bei abweichendem Material nachträglicher Ergänzungen die vermutete Umgestaltung bzw. Reparatur bestätigen. 3 Zur Erforschung der Handelsbeziehungen und Handelsrouten ist es wichtig, den "Einzugsbereich" eines jeweiligen Steinbruchs einzugrenzen, das heißt festzustellen, in welche Entfernung vom Abbauort das Steinmaterial gelangte. Bei besonders großen Steindenkmälern stellt sich die Frage, ob es sich um einen Importgegenstand gehandelt oder ob man den Steinblock transportiert hat, der dann an Ort und Stelle bearbeitete wurde. Die frühere Forschung hielt letzteres für wahrscheinlicher 3 und rechnete mit der Wanderung der Meister bzw. mit dem Entstehen neuer, von ihnen gegründeter Werkstätten/ Nach neuesten Erkenntnissen 5 erfolgte die Herstellung des Fertigprodukts, vorwiegend im Falle von Grabsteinen, in zwei Phasen. Der standardisierte architektonische Teil wurde noch in der am Steinbruch befindlichen Steinmetzwerkstatt verfertigt, während die endgültige Dekoration bereits in den Steinmetzwerkstätten des Verwendungsortes entstand. 1975 versuchte man zum ersten mal, die Provenienz der Aquincumer Marmordenkmäler zu bestimmen. Damals stand jedoch nicht genügend vergleichbares Material zu Verfügung, so daß auch die Verfasser von wahrscheinlicher Herkunft sprachen. Als Fundorte der untersuchten Marmorproben gaben sie Carrara, Göfflau (Österreich), ?Pentelikon und in der Mehrzahl der Fälle die rumänische Gebirgsgegend Poj na-Ruszkica an. A 1977 bot sich erneut Gelegenheit zu einer Untersuchung der Aquincumer Marmordenkmäler, die von Professor Harald W. Müller (Institut für Angewandte Geologie der Universität für Bodenkultur Wien) durchgeführt wurde. Das bedeutete eine Stabilisotopuntersuchung mit Sauerstoff und Kohlenstoff, weiters eine Spurenelementuntersuchung sowie eine lichtmikroskopische Untersuchung des Anschliffs. 7 Da für diese Untersuchungen Bohrproben geringer Abmessung (Durchmesser 1,4 cm) entnommen werden mußten, war es bei der Auswahl der Gegenstände ein entscheidender Aspekt, daß der Kunstgegenstand ästhetisch keinen Schaden nehmen durfte. Deshalb kamen kleine Stücke, beispielsweise Skulpturen, nicht in Betracht. Von 14 Gegenständen wurden Proben genommen, worunter sich, zwecks Kontrolle, auch zwei schon früher untersuchte Stücke befanden. Außerdem waren wir bestrebt, daß unter den Proben verschiedene Denkmalgruppen vertreten sind: Grabdenkmal, Skulptur, Bauinschrift, Votivdenkmal. UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE Von vier der Proben (5, 7, 10, 13) ließ sich die Herkunft nicht eindeutig bestimmen. Bei sieben (1, 2, 3, 6, 9, 11, 14) wurde als Ursprungsort Gummern (in Kärnten, Österreich) identifiziert. Das Material zweier Kunstgegenstände (4, 12) ist von der Insel Thassos stammender Dolomitmarmor, und das der 8. Probe Kalzitmarmor aus Aliki auf der Insel Thassos. Die von den früheren abweichenden Ergebnisse im Falle des Grabsteins ohne Inschrift (2:Ruszkica) und des Frauenporträts (8:Bukova) dürften sich aus den oben erwähnten Mängeln der Untersuchungmethode ergeben. Das Material der meisten Gegenstände hatte man im österreichischen Gummern abgebaut. Daraus wurden eine Grabstele, eine lebensgroße Statue, eine Votivtafel, aber auch kleinere Votivskulpturen angefertigt. Ihre Herstellungszeit erstreckt sich vom 1. bis zum 3. Jahrhundert. Der große Grabstein (2) z.B. ist eine lokale Arbeit eines norditalischen Wandermeisters aus dem 1. Jahrhundert n.Chr. Das in Óbuda gefundene Sarkophagfragment (1) entstand in der Werkstatt von Steinmetzen, die Mitte des 2. Jahrhunderts n.Chr., als man in Aquincum Bauarbeiten großen Stils in Angriff nahm, aus Virunum (Noricum) hierher übersiedelten. Die übrigen Denkmäler au Gummerner Marmor wurden noch keiner Werkstatt zugeordnet. Doch vermutlich handelt es sich bei der Bautafel (10), dem Grabrelieffragment (13) und der Votivtafel (14) ebenfalls um lokale Arbeiten. Die kleineren Denkmäler, wie der Widderkopf (6) und das Fragment der Votivskulptur (9), könnten auch in bereits fertigem Zustand als Importwaren nach Aquincum gelangt sein. Was die aus Marmor von Thassos gefertigten Skulpturen anlangt, hielt Krisztina Szirmai den Satyr-Torso vor269