Budapest Régiségei 30. (1993)
TÁRGYI EMLÉKEK ÉS LELETEK = DENKMÄLER UND FUNDE - Garbsch, Jochen: Gewichte gleicharmiger römischer Waagen in der prähistorischen Staatssammlung München = Egyenlőkarú római mérlegekhez tartozó súlyok a müncheni Prähistorische Staatssammlungban 273-280
79. 40 Pfund 80. 180 Pfund 81. Holzhausen, Ldkr. Traunstein (mit Ring; Abb. 2) (13.098 bzw. 13.046,4 g) FO unbekannt (Gewicht noch 12.753 g) 1980, 3824 1993,5013 200 Pfund 82. (58.941 bzw. 58.708,8 g) FO unbekannt (Gewicht noch 54.144 g) (Abb. 3, 2) 1993, 5012 Ursprüngliche Beschriftung CLXXX durch daruntergesetzte Zahl XI auf 169 Pfund (55.339,05 bzw. 55.121,04 g) oder weniger wahrscheinlich mit Lesung IX auf 171 reduziert (55.993,95 bzw. 55.773,36 g) (65.490 bzw. 65.232 g) FO unbekannt (Gewicht noch 61.125 g) (Abb. 3, 1) 1993,5011 Ursprüngliche Beschriftung CC durch vorgesetztes I auf 199 Pfund (65.162,55 bzw. 64.905,84 g) reduziert Im Gegensatz zur Schnellwaage mit einem fest installierten Laufgewicht muß bei der gleicharmigen Waage die Last durch ihrem Gewicht völlig entsprechende Gewichte egalisiert und so der Waagbalken in die Horizontale gebracht werden. Praktisch wird dies dadurch erreicht, daß man Gewichtssätze benutzt, die durch geeignete Abstufung ermöglichen, mit einem Minimum von Gewichtswerten jedes vorkommende Gewicht darzustellen. Eindeutig komplette römische Gewichtssätze - etwa samt Behälter -wurden bisher noch nicht entdeckt. Die bis jetzt umfangreichsten Funde in Süddeutschland enthielten Stücke von einer, zwei, vier und sechs Unzen (Heidelberg-Neuenheim) bzw. einer halben, einer und zwei Unzen (Rißtissen). In Schälchenform, wie bei den bekannten neuzeitlichen, vor allem in Apotheken verwendeten Nürnberger Einsatzgewichten, gibt es Sätze von 1,1/2,1/3,1/41/6 und 1/12 Pfund. 16 Dies führt in Analogie zu neuzeitlichen Gewichtssätzen auch für die antiken Sätze zur Annahme, daß die Abdeckung aller denkbaren Wägungen am elegantesten durch Verdoppelung bzw. Halbierung von der kleinsten zur größten Gewichtseinheit (bzw. umgekehrt) erfolgt. Bei modernen Waagen erfolgt dies im Dezimalsystem. So enthält ein Gewichtssatz einer Küchenwaage vom Ende des 19. Jh. z.B. folgende Gewichte: 2 kg, 1 kg, 0,5 kg (Eisen), 200 g, 100 g (2 x), 50 g, 20 g, 10 g (2 x), 5 g, 2 g, (2 x), 1 g (Messing). Die Summe der Messinggewichte ergibt 500 g. Der Gewichtssatz einer Chemikerwaage vom Anfang des 20. Jh. enthält analog dazu eine Stükkelung bis zum Gesamtgewicht von 100 g (50 g, 2 x 20 g, 10 g, 5 g, 2 x 2 g, 1 g, 500 mg, 2 x 200 mg, 100 mg, 50 mg, 2x20mg, 10 mg). Analog kann man im unzialen römischen System verfahren und z.B. ein Pfund wie folgt darstellen: Semis (6 Unzen) + quadrans (3 Unzen) -I- triens (2 Unzen) + uncia (1 Unze) = 12 Unzen = 1 Pfund, oder Semis + triens (4 Unzen) + sextans (2 Unzen) = 12 Unzen = 1 Pfund. Natürlich sind auch im römischen System noch weitere Unterteilungen zumindest theoretisch bezeugt, bis hinab zum 1/288 Pfund = 1,137 g. Und schlußendlich ist auch das Gewicht des römischen Pfundes nicht konstant, sondern nimmt zur Spätantike hin ab. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Analyse der Gewichte nach ihrer Häufigkeit. Wenn man regelhafte Gewichtssätze annimmt, müßten die meisten Gewichte etwa gleich häufig vertreten sein. Dem ist jedoch nicht so. Am häufigsten sind die kleinen Werte: 20 Unzenstücke, je 12 Halbunzen- und Zweiunzenstücke, sechs Dreiunzenstücke, fünf Halbpfünder und vier Drittelpfünder, aber nur zwei Pfundstücke und nur je ein Stück zu 5, 7 und 10 Unzen. Dies kann damit zusammenhängen, daß Wägungen im Bereich bis zwei Unzen besonders häufig vorkamen, kann aber auch so gedeutet werden, daß man anfallende Wägungen statt mit einem einzigen regulären Gewichtssatz auch mit einem großen Vorrat kleiner Gewichte erledigen konnte. Im Extremfall kann bei ständig wiederkehrenden Wägungen sogar ein einziges Gewicht ausreichen, indem man das Wiegegut so lange manipuliert, bis sein Gewicht dem gewünschten Wert entspricht. So entfällt leider die auf den ersten Blick naheliegende Möglichkeit, aus den 18 Unzengewichten (nr. 15-32) von Burghöfe auf mindestens 18 Gewichtssätze (und mindestens 18 gleicharmige Waagen) in diesem Kastell zu schließen. Anmerkungen * Die verehrte Jubilarin hat sich immer für Fragen des Handwerks und Handels weit über Pannonién hinaus interessiert. Was liegt daher näher, als ihr einen kleinen Beitrag über das Alltagsgerät des römischen Händlers zu widmen, zumal die beiden gewichtigsten Stücke mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit aus Pannonién stammen! 1. H. U. NUBER, Zwei römische Schnellwaagen aus Eining, Ldkr. Kelheim und Arxtham, Gde. Höslwang, Ldkr. Rosenheim. Bayer. Vorgeschichtsbl. 32,1967,29 ff. 2. Vgl. die Katalog-Liste (das Jahr der Inventarisierung sagt allerdings nichts über Fundzeit oder 276