Budapest Régiségei 27. (1991)
ANYAGKÖZLÉSEK - Németh Margit - Topál Judit: Verses szarkofág mumifikált temetkezéssel a Bécsi-úti sírmezőből 73-84
D(is) M(anibus) I Hic iacet ecce vides pupa sine fine decoris, qu(a)e mihi / tarn subito ropta est neque adhuc credere possi.) I Non ego tarn modica potui maculare pare/ntem. Cassia sum vocita. Iacet sub saxo recllusa. IUI annos vixi et menses V. Tu quidem quern re/citas ablatus pietate parentis, quisquis es vale. Der Aufbau des Verses ist außerordentlich einfach: Vorstellung, Belobung der Verstorbenen, der Schmerz der Mutter wegen Verlustes ihres Kindes; kurzer Lebenslauf des verstorbenen Mädchens, schließlich Gruß an den Leser des Grabverses, in Form eines Dialogs zwischen dem verstorbenen Kinde und seiner Mutter. Der dem Andenken des vierjährigen Mädchens gewidmete Grabvers ist anspruchloser als die drei bekanntesten metrischen Grabinschriften von Aquincum, sowohl was seine poetische Form, als auch seinen Inhalt betrifft. (12) Vermutlich handelt es sich nicht um ein vom Besteller ausgewähltes Mustergedicht, sondern um einen Grabvers, der gemäß dem Wunsche des Bestellers und aufgrund der von diesem mitgeteilten Angaben gesondert verfasst wurde. So setzt es sich einerseits aus den auf ähnlichen Grabinschriften am häufigsten gebrauchten Wendungen, anderseits aus den für den gegebenen Anlaß verfassAbbildungen Abb. 1. Oberansicht und Profilskizzen des Cassia Sarkophags in der Becsi-Straße. Abb. 2. Der Cassia Sarkophag (1). Der Sarkophag nach Öffnung (2). Abb. 3. Beigaben des Sarkophags. Képjegyzék 1. kép. A Bécsi úti Cassia szarkofág felülnézeti rajza és metszetei. 2. kép. 1: A Cassia szarakofág; 2: A szarkofág felnyitás után. 3. kép. A szarkofág mellékletei. ten Textteilen zusammen. Obwohl der Vers höheren poetischen Wertes oder philosophischen Inhaltes entbehrt, fallt doch das Bestreben nach einer individuellen Formulierung und Originalität auf. Hierauf weisen solche weniger gebräuchlichen Ausdrücke hin, wie maculare parentem (4. Zeile), oder der auf den Leser bezogene Ausdruck ablatus pietate parentis (bei der Begrüßung des Lesers, in den letzten anderthalb Zeilen): „Du aber, der dies liest, wenn auch du der liebenden elterlichen Betreuung beraubt wurdest, wer du auch seiest, lebe glücklich! " Auf ein anspruchvolleres Streben verweist auch die nicht völlig gelungene Dialogform. Über den Besteller der Inschrift oder die Zeit ihrer Entstehung läßt sich allein aus den bekannten Namen Cassia nichts folgern, wenn auch dieser als Vorname erst im 3. Jh. gebräuchlich wurde. (19) Die im Vers vorkommenden Vulgarismen (5. Zeile: vocita; 6-7. Zeilen: tu quidem quem re/citas) (14-15.), die häufigen Ligaturen im Text und deren Formen sowie die ganze Steinmetzarbeit, d. h. die nicht umrahmte Inschrift wie auch die Buchstabenformen, weisen darauf hin, daß die Inschrift um vieles später entstanden ist, als die bereits erwähnten Grabverse von Aquincum, also frühestens an der Wende vom 3. zum 4. Jh. angesetzt werden kann. Abb. 4. Die im Grabe gefundenen Beigaben (1-6). Einige Textilüberreste aus der Mumienbandage, verkleinert (7). Abb. 5. Die Beschriftung des Sarkophags. Abb. 6. Die Inschrift des Cassia Sarkophags. Verkleinert. 4. kép. 1-6: A sírban talált mellékletek; 7: Néhány textilmaradvány a múmia bandázsból. Kicsinyítve. 5. kép. A Cassia szarkofág felirata. 6. kép. A Cassia szarkofág felirata. Kicsinyítve. 78