Budapest Régiségei 22. (1971)
TANULMÁNYOK - Holl Imre: Középkori kályhacsempék Magyarországon : 2. közlemény 161-207
/. ROLL MITTELALTERLICHE OFENKACHELN IN UNGARN II. EINLEITUNG Seit der Veröffentlichung des ersten Teiles unserer Abhandlung (Budapest Régiségei, Bd. XVIII 1958) brachten zum Teil die späteren Ausgrabungen, insbesondere jedoch die weitere Untersuchung der noch nicht aufgearbeiteten Bruchstücke und die sich an diese anschliessende Restauration eine so beträchtliche Menge neuen Materials an die Oberfläche, dass auch die Vorführung dieser begründet ist. Im ersten Teil veröffentlichten wir 78 Ofenkacheltypen, diese können mit weiteren 28 ergänzt werden. 1 Deshalb beschäftigen wir uns als Fortsetzung von neuem mit den Werkstätten der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das untersuchte und vorgeführte Material ist im Vergleich zur Gesamtproduktion der Töpferei äusserst gering, 2 seine wissenschaftliche Bedeutung — nebst seiner archäologischen zeitbestimmenden Eigenschaften —jedoch um so grösser. Diese königlichen Werkstätten beeinflussten durch ihre direkte und indirekte Einwirkung auch die in den entferntesten Gegenden des Landes tätigen Töpferwerkstätten. Der Stil ihrer Erzeugnisse und ihre Technologie wirkten fördernd, ihre Thematik beeinfiusste hingegen die Meister der Provinz vom Gesichtspunkt eines im Verfall begriffenen Zeitalters in vielen Fällen retardierend. Als Beispiele lassen sich diejenigen transsilvanischen Meister anführen, die am Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Kopien der „Ofen mit Rittergestalten" zu einer Zeit hergestellt haben, als das Ritterturnier und die ritterliche Anschauung, die durch sie entwickelt werden sollte, bereits im Verschwinden begriffe ist, — oder die transdanubischen Meister, 3 die zur Mitte des 15. Jahrhunderts, wahrscheinlich von einem Sigismund-Ofen beeinflusst, als Hauptornament ihres Ofens das Wappentier des böhmischen Königtums erwählen. Die Themenwahl dürfte jedoch auch bei diesen durch den auftraggebenden Adel beeinflusst worden sein. Ohne Kenntnis der höfischen Werkstätten kann nicht nur die Problematik der Meister in der Provinz 4 , sondern in vielen Fällen auch die ähnliche mittelalterliche Produktion der benachbarten Länder nicht erfolgreich untersucht werden, da die Erzeugnisse einzelner Meister durch ihre hohe Qualität längere Zeit ihre Wirkung auch auf ihre, in anderen Ländern tätigen Kollegen ausgeübt haben. Unsere Gruppierungen haben wir auch jetzt unseren ursprünglichen Gesichtspunkten gemäss durchgeführt. Aus der Untersuchung der technischen Ausführung des Erzeugnisses und seines Stils konnten wir auf je eine Werkstätte schliessen, wir führen also womöglich keine einzelnen Kacheln, sondern zusammenhängende Gruppen vor. (Einzelne Stücke und Bruchstücke Hessen wir auch deshalb aus unserer Bearbeitung weg, weil ihre Zugehörigkeit noch nicht festgetellt werden konnte.) In der Nummerierung der Typen und des Bildmaterials halten wir die fortlaufende Reihenfolge aufrecht, in dem Text der Abbildungen bezeichnen wir den Aufbewahrungsort nur dann, wenn wir ein nicht aus dem Budaer königlichen Schloss zum Vorschein gekommenes Stück behandeln. DAS ZEITALTER DES KÖNIGS SIGISMUND 1387—1437 GRUPPE I (1408—) Ausser den hierhergezählten acht Kacheltypen bereichern weitere sieben das über die Tätigkeit dieser Werkstätte ausgestaltete Bild. Ihr Tonmaterial stimmt mit den übrigen überein, ist stark gemagert, gräulichweiss oder gelblichgrau gebrannt (nur beim Typus 14 bräunlichrot) und auch ihr Stil weist mit seiner feinen Plastik, seinen gut komponierten, aus der heraldischen Praxis gut bekannten Lösungen auf ein und denselben Meister hin. Typus 9: Oblonge Kachel, mit halbzilindrischen Rumpf. Sie ist innerhalb des Leistenrahmens von einem breiten eingekerbten Band umsäumt. Das als Verzierung verwendete Wappen ist noch unbekannt, da bisher nur ein Bruchstück der inneren Kachelecke mit einem (heraldisch) nach links gewendeten, gekrönten und befiederten Helm zum Vorschein gekommen ist (Abb. 111). Dem Mass und der Verzierung nach dürfte dieser Kacheltyp etwa das Spiegelbild des Typus 5 (Abb. 32) gewesen sein und wurde wahrscheinlich bei demselben Ofen mit dem letzterwähnten Typus abwechselnd eingebaut. Das Bruchstück kam aus dem Budaer Burgschloss mit bräunlichgelber Glasierung (rekonstruierte Br: 25 cm) zur Vorschein (Burgmuseum, 51. 729 Inv.-Nr.). Typus 10: Eckkachel von halbiertem Mass. Innerhalb des Leistenrahmens befindet sich eine dem Raum völlig ausfüllende Komposition : eine stehende Figur in bis zum Boden reichenden, weitärmeligen Gewand, in der Rechten mit einem Zepter und in der Linken mit dem Reichsapfel ; an beiden Seiten mit Pflanzenmarkierungen (Abb. 112). Br: 11,6 cm. Diese Kachel ist eigentlich das Paar des tanzende 13 193