Budapest Régiségei 16. (1955)
TANULMÁNYOK - Vattai Erzsébet: Budapesti ezüstlelet a XV-XVI. századból 207-219
ERZSÉBET VATTAI BUDAPESTER SCHATZFUNDE AUS DEM XV. UND XVI. JAHRHUNDERT Aus dem reichen Schatzfund, der schon 1874 bei der Grundlegung der Budapester UniversitätsBibliothek zum Vorschein kam, sind in der Fachliteratur nur 1—2 Stücke bekannt. Das Denkmalmaterial des mittelalterlichen Goldschmiedegewerbes der Städte Buda und Pest ist wohl restlos vernichtet, ebendarum ist die Bestandaufnahme der auf dem Gebiet von Budapest entdeckten Funde sehr wichtigAusser den 4 Bechern kamen Kleiderrequisiten, Juwelen und Geld zutage. Besonders reich war die Auswahl an Kleiderhaften aus gegossenem Silber. Die Haften sind meistens auch vergoldet, während Steinschmuck (Granat) nur in 1—2 Fällen vorkam. Ihr Gebrauch hängt mit der Gestaltung der Frauenkleidung am Ende des XV. und Anfang des XVI. Jh. zusammen. Bereits im XV. Jh. beginnt die für die Frauenkleidung so charakteristische Ausbildung der Taille des Mieders und in Verbindung damit erlangt auch das Frauenhemd eine wichtige Rolle. Der Oberteil des engen, anliegenden Kleides wird manchmal von dichtgeschlossenen Haften zusammengefasst, oder die Haftenden werden abgerückt und von der auf beiden Seiten des Ausschnitts angebrachten Schnur zusammengehalten. Diese Tracht können wir auf Porträts von Bürgerfrauen sehen und auf Gemälden, die Szenen aus dem Leben von Heiligen darstellen. Ähnliche und primitivere Haften fand man überall im Lande bei Ausgrabungen, was von ihrer weiten Verbreitung zeugt. Zu den interessantesten Fundstücken gehören Haften, deren Verzierung Liebesszenen darstellt. Ausserdem kamen Gürtelbeschläge aus GussSilber zum Vorschein, ein zum Teil gegossenes Spangenfragment, ferner Gold-, Silber- und Bronzeringe. Bei einigen Ringen ist das Alter umstritten. Leider war bei dem Erscheinen des Fundes kein Fachmann zugegen, und die Sachen gelangten nur aus zweiter Hand ins Museum. Am gleichen Ort fand man auch Münzen aus dem XV.—XVI. Jh., von denen die jüngsten unter Ludwig II. (1526) geprägt worden sind. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Schatz bestimmt vor der katastrophalen Schlacht bei Mohács vergraben wurde, jedenfalls aber noch im XVI. Jh., wie dies auch der Stil der Gegenstände bezeugt. Topographischen Forschungen gemäss erstreckte sich König Matthias' Haus und Garten in Pest angeblich an der Stelle zwischen dem jetzigen Franziskaner Kloster und dem Gebäude der Universitäts-Bibliothek. In dieser Gegend fand man auch zwei behauene Steine. Zeitgenössischen Zeugen gemäss haben hier im Jahre 1525 Ludwig IL und seine Qfrnahlin mit den hohen Würdenträgern des Landes gespeist. Von dem späteren Los des Hauses und Gartens erfahren wir nichts; gewiss wurden diese während der Türkenherrschaft zerstört. Die Gegenstände haben keinen so hohen Wert, dass man sie für Königs- oder Magnaten-Schmuck halten müsste. Reiche Bürger konnten solche Juwelen ebenfalls besitzen. Der Fundort kann auch nicht als Herstellungsort gelten, denn sie konnten im Kaufwege aus verschiedenen Städten zum Besitzer gelangen, obwohl es nicht ausgeschlossen ist, dass manches Stück von Pester oder Budaer Goldschmieden verfertigt wurde. Selbst die reichgeschmückten Haften muss man nicht unbedingt für ausländische Ware halten; solche konnten ebensogut von Goldschmieden in Buda oder Pest oder auch in den Provinzstädten hergestellt worden sein. VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN Abb. 1. Becher aus dem XVI. Jh. Nat. Museum Hist. Abt. Abb. 2. Kleiderhafte aus dem XV.-XVI. Jh. Nat. Museum. Hist. Abt. Abb. 3. Kleiderhafte aus dem XV.-XVI. Jh. Nat. Museum. Hist. Abt. Abb. 4. Flügelbild des St. Anna-Altars zu Leibitz (1521), Museum der Bildenden Künste. Abb. 5. Kleiderhafte aus dem XV.-XVI. Jh. Nat. Museum, Hist. Abt. Abb. 6. Ringe aus dem XV.-XVI. (?) Jh. Nat. Museum, Hist. Abt. 219