Budapest Régiségei 14. (1945)
Járdányi-Paulovics István: Germán alakok pannoniai emlékeken 203-281
typen, die hier an der mittleren Donau entstanden sind. Diese Behauptung scheint z. B. durch das gesicherte Bestehen von Kleinkunstwerkstätten, bzw. der Tätigkeit eines Kleinplastikers (Romulianus artifex) in Brigetio (Anm. 110.) bewiesen werden zu können. An der schönen Bronzebüste aus Brigetio im Ung, Nat. Museum (Abb. 24. Anm. 111.) ist die am meisten auffallende Eigentümlichkeit neben dem wohlgeordneten, üppigen Spitzbart, und dem barbarisch wirkenden, herabhängenden Schnurbart die sonderbare Haartracht. Sie bedeckt haubenartig den Scheitel, und das zusammengefasste Haarbüschel hängt dann an der rechten Schläfe in einem schönen Knoten gebunden herab. Aus diesem Rahmen schaut uns ein Gesicht von düster lebhaftem Ausdruck entgegen : es erweckt nicht den Bindruck eines wilden »Barbaren«, sondern eines überlegten, bejahrten, — man kann sagen — vornehmen Mannes. Es ist die Darstellung einer gewissen Persönlichkeit, eines vornehmen germanischen Individuums, das uns sonst historisch unbekannt ist. Dem Vág-Plusse gegenüber, in Brigetio können wir mit Recht an eine königliche Gestalt der Quaden denken, deren Reihe hier mit Maroboduus, Gatualda und Vannius anfängt. Die Statuette stellt wahrscheinlich einen römisch geschulten, feineren germanischen Führer der Zeit des Feldzuges Marc Aureis dar. Dasselbe gilt von dem Bronzeköpfchen aus Dunapentele ( Intercisa) : dieselbe ruhige Kopfhaltung und derselbe Gesichtsausdruck ist hier zu finden (Abb. 25. Anm. 112.). Das längliche Gesicht hat denselben markanten Ausdruck und dieselben charakteristischen Eigentümlichkeiten, wie die Büste von Brigetio. Auch die Haartracht ist dieselbe. Doch ist eine besondere, merkwürdige Erscheinung an den Bronzen festzustellen, die die Verwandschaft derselben noch mehr verengt : bei der Büste von Brigetio oben in der Mitte des Scheitels befindet sich ein rundes Loch von cca 5 mm Durchmesser ; am Köpfchen von Intercisa ist etwas seitlich an der Stirne vor dem Haarknoten auch ein kleines rundes Loch (3 mm Durchm.) zu konstatieren. Dieses eigentümliche Loch kommt — meines Wissens — in so auffälliger Weise nur bei diesen zwei Köpfen vor. Zur Erklärung desselben können wir nichts gänzlich Bestimmtes vorlegen, mehr sind wir nur auf Vermutungen angewiesen. Die eine Erklärung kann mit einer Stelle des Tacitus : capillum ..... principes et ornatiorem habent zusammenhängen (Anm. 114.). Der vornehme Germane am Relief von Brigetio trägt ausser dem Nodus (Anm. 113.) an seiner Stirne ein kopfschmuckartiges Band, oder einen Reifen. Dieser bandförmige Kopfschmuck ist auch auf einer Kuchenform in Aquincum zu sehen. Das Stirnloch könnte also mit der Anbringung eines Kopfschmuckes erklärt werden. Der Schmuck, aber auch selbst der Nodus, kommt nur den Vernehmen zu (Anm. 118—122., 124.). Ammianus Marcellinus berichtet uns von dem Alemannenkönig Chnodomarius, »cuius vertici flammeus torulus aptabatur, anteibat cornu sinistrum« (Anm. 125.). An anderer Stelle spricht er von einem torulo capiti circumflexo (29, 1, 31). Nach Girke und Müllenhoff (Anm. 126—128.) können wir in diesem Torulus eine (goldene?) Kopf binde erkennen. Eine andere Erklärung dieser Erscheinungen am Kopf kann religiöser, symbolischer Art sein. Wir wissen von einem Hirschgott der Germanen, der durch ein Geweih am Kopf symbolisiert wurde. Man wird mit einem Zusammenhange zwischen dem Hirschgott-Kult und den Hörner-Helmen rechnen können. Letztere waren hier an der mittleren Donau nicht unbekannt, wie uns der prachtvolle Grabstein aus Aquincum des mit zwei hörnigem Helm dargestellten Castricius zeigt (Anm. 129—130.). Die Germanendarstellungen schliessen wir mit einer Bronzestatuette aus Brigetio ab, die das Bild einer germanischen Frau trägt (Abb. 26. Anm. 131—132.). Bei der Deutung der Statuette müssen wir von der unregelmässig herabfallenden, barbarisch wirkenden Haartracht und in erster Linie von dem in 279