Országgyűlési napló - 1997. évi tavaszi ülésszak
1997. február 25 (248. szám) - Dr. Roman Herzog, a Német Szövetségi Köztársaság elnökének és kíséretének köszöntése - Dr. Roman Herzog, a Német Szövetségi Köztársaság elnökének beszéde (német nyelven) - DR. ROMAN HERZOG, a Német Szövetségi Köztársaság elnöke:
850 Jahrhundert schon geistige Wahlverwandtschaften, von der Architektur über die Literatur zur Musik. Aber daß ein Volk dem anderen zur Freiheit verhilft, ohne durch Krieg oder Diplomatie dazu gezwungen zu sein, nur durch weitsichtige Einsi cht bewegt, das ist etwas ganz Anderes, etwas ganz Außerordentliches. Ich weiß nicht, ob es in der Geschichte so etwas schon jemals zuvor gegeben hat. Für mich als Präsidenten des wiedervereinigten Deutschland ist es jedenfalls eine außerordentliche Gunst des Schicksals, dem ungarischen Volk für diese Großherzigkeit noch einmal, zum wiederholten Male Dank zu sagen. Die Öffnung der Grenze im Jahre 1989 hatte aber noch eine zweite historische Dimension. Sie machte nicht nur deutsche Geschichte, sondern sie wa r eine Weichenstellung in der Geschichte Europas. Ministerpräsident Horn hat bei den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1996 in München zu den Ereignissen von 1989 gesagt: "Wir mußten uns entscheiden, und wir Ungarn haben uns für E uropa entschieden". Das bringt mich zu der Frage, die sich mir unvermeidlicherweise stellt, wenn ich heute zu Ihnen, dem Ungarischen Parlament, spreche. Sie wird überall in Europa gestellt. Es ist die ganz einfache Frage: "Wozu brauchen wir überhaupt Europ a ?" Die Antwort darauf zu finden, erscheint schwierig, wenn man sich von der in diesen Tagen oft um sich greifenden Euroskepsis beeindrucken läßt. Das Ziel, der Sinn, die Substanz Europas scheinen unterzugehen in den Aufgeregtheiten der Debatte über die A genda der europäischen Regierungskonferenz in diesem Jahr, mit der Debatte über die Fristen der Währungsunion, der Rangordnung von Erweiterung und Vertiefung der Europäischen Union, die Bedingungen und die Zeitpläne des Beitritts neuer Mitglieder und ob da s alles eingehalten werden kann, und über das komplizierte Verhältnis von Europäischer Union, NATO, OSZE, Westeuropäische Union und so weiter, und so fort. Aber meine Damen und Herren, die Antwort ist, wie stets im Leben, leicht, wenn man sich auf das Wese ntliche konzentriert, wenn man sich den Blick auf den Wald nicht durch die Bäume verstellen läßt, besonders leicht ist die Antwort auf die Frage "Warum Europa?", wenn man sie in Ungarn stellt. Aus der Situation von 1989, vom Standpunkt Budapests aus betrac htet, lag die Antwort auf der Hand: Europa ist eine Friedensgemeinschaft, eine Freiheitsgemeinschaft, eine Gemeinschaft der Demokratien, natürlich auch eine Wirtschaftsgemeinschaft nicht zuletzt eine Sicherheitsgemeinschaft, und natürlich berufen sich alle diese Gemeinschaften, in denen wir in Westeuropa leben, auf das Fundament eines einzigen gemeinsamen geistigen Erbes. Schon vor tausend Jahren hat der Heilige Stephan gewußt, worum es ging, als er die Ungarn "Teil und Beschützer des Westens" bezeichnete. Gewiß fallen dieses geistige Erbe und die auf ihm ruhenden Gemeinschaften uns nicht gratis in den Schoß, meine Damen und Herren. Sie sind immer wieder gefährdet. Die letzten großen Gefährdungen waren der Zweite Weltkrieg und der darauf folgende Kalte Krieg . Die westeuropäische Friedensgemeinschaft wurde vor fünfzig Jahren von Überlebenden des Zweiten Weltkrieges gegründet. Sie konnte ein halbes Jahrhundert Bestand haben, weil sie zugleich eine Gemeinschaft der Freiheit und der Demokratie war. Die westeuropä ische Geschichte der letzten fünfzig Jahre ist deshalb auch ein eindrucksvolles Indiz für den unlösbaren Zusammenhang zwischen Freiheit, Demokratie und Frieden. Und doch, die Europäische Gemeinschaft blieb nicht nur durch den Kalten Krieg bedroht, sondern sie blieb in ihrer künstlichen Beschränkung auf Westeuropa immer in ihrer Substanz unvollendet. Die zweite Chance kam dann 1989. Der Kalte Krieg ging zu Ende. Die Mittel- und Osteuropäer standen vor der gleichen Wahl wie vor einem halben Jahrhundert die Westeuropäer. Sie haben nicht gezögert, sich zu entscheiden. Und Ungarn ging mit seinem Entschluß zur Öffnung der Grenze im September 1989 voran. An den Westeuropäern ist es heute, die Entscheidung der Mittel- und Osteuropäer anzunehmen. Europa wird unvollendet bleiben, solange Budapest, Prag, Warschau nicht dazugehören. Das ist, und