Nyelvtudományi Közlemények 77. kötet (1975)
Tanulmányok - Hüfner, Lorenz: Samuel Gyarmathi und seine Bemerkungen um die grammatische Komponente der Finnougristik 57
62 HÜFNEB, LORENZ zu der Gyarmathi Material geliefert hatte. Schlözer, der Engel als Verfasser verdächtigte, fühlte sich durch diese Rezension ungerecht attackiert und suchte eine Bestätigung seiner Ansichten bei Gyarmathi. Gyarmathi sah keine andere Möglichkeit, als sich in Schweigen zu hüllen. Sachlich und darüber hinaus als Ungar konnte er sich unmöglich mit Schlözers „Geschichte der Deutschen in Siebenbürgen" abfinden, geschweige denn Partei dafür ergreifen, ganz abgesehen davon, daß er bei einer solchen Parteinahme in Ungarn als Wissenschaftler ausgespielt hätte. Und darauf mußte Gyarmathi, der sich ja nur vorübergehend in Göttingen aufhielt und dessen „Ungarische Grammatik" mit finanzieller Unterstützung ausgerechnet der von Schlözer in Mißkredit gebrachten siebenbürgischen ungarischen Stände gedruckt worden war, unbedingt Rücksicht nehmen. Unter dem Druck dieses Dilemmas schloß Gyarmathi seine Affinitás in der relativ sehr kurzen Zeit von fünf Monaten bereits im Frühjahr 1798 ab. Auch diesmal mußte er mit fremder Hilfe nach einem Verleger suchen, um so mehr, als ihm eigene Mittel für den Druck nicht zur Verfügung standen. Er hielt in dieser Hinsicht sowohl in Göttingen als auch in seiner ungarischen Heimat Ausschau. Die schließliche Drucklegung ermöglichte ihm offenbar die Königliche Sozietät in Göttingen, zu der Gyarmathi — auch in der Absicht, dort Mitglied zu werden — Anschluß suchte. Schlözer gehörte dieser Sozietät nicht an, wohl aber dessen Gegner Heyne und Gatterer, was Gyarmathi in die Zwangslage versetzte, Schlözer gegenüber — wenn auch zweifellos mit schlechtem Gewissen — ein unehrliches Spiel treiben zu müssen. Er zitierte in der Affinitás aus Gatterers Universalhistorie, obwohl er sicherlich wußte, daß die dortigen finnisch-ugrischen Passagen auf Schlözers Allgemeine Nordische Geschichte zurückgingen. Noch schlimmer : er spielte Schlözers Gutachten über das Fasciculum I der Sozietät zu, in der Hoffnung, daß die positive Stellungnahme eines Wissenschaftlers vom Range Schlözers über alle Zweifel erhaben sein und so auf daß Urteil der Sozietät abfärben mußte. Diese Annahme erwies sich als durchaus richtig. Da die Sozietät keinen Fachmann auf dem Gebiet der Finnougristik besaß, beauftragte sie das damals 19 jährige mathematische Wunder der Georgia Augusta, August Murhard (1779 —1853), die Affinitás zu begutachten. Murhard, dem jegliche finnisch-ugrischen Kenntnisse abgingen, wußte sich nicht anders zu helfen als bei Schlözer zu plagiieren, was sachlich sicher das einzig richtige, vom Standpunkt der wissenschaftlichen Moral jedoch im höchsten Grade fragwürdig war. Vermutlich geschah das ohne Wissen, auf alle Fälle jedoch ohne Billigung durch Gyarmathi, denn er erkannte den berechtigten Einspruch Schlözers gegen derartige Praktiken nicht nur an, sondern versah darüber hinaus die noch nicht ausgedruckte Restauflage der Affinitás mit einem Anhang. Dieser sogenannte Appendix III enthält einmal die schriftliche Beurteilung des Fasciculum I durch Schlözer vom 19. November 1797 — in der Originalfassung — und außerdem einen Zusatz, der eindeutig besagt, daß Schlözer bereits 1771 in der „Allgemeinen Nordischen Geschichte" auf die Verwandtschaft der Ungarn mit den Lappländern eingegangen war. Damit hatte Gyarmathi die notwendige Ehrenerklärung gegenüber seinem Lehrer öffentlich abgegeben. Der offene Bruch war vermieden, aber durch die Begleitumstände der Drucklegung der Affinitás hatte das beiderseitige Verhältnis unzweifelhaft eine Trübung erfahren. Wenn nach der Rückkehr Gyarmathis nach Ungarn dessen Kontakte nicht nur zu Schlözer, sondern