Nyelvtudományi Közlemények 77. kötet (1975)

Tanulmányok - Hüfner, Lorenz: Samuel Gyarmathi und seine Bemerkungen um die grammatische Komponente der Finnougristik 57

58 HÜFNER, LORENZ eine zweiteilige deutsche Ausgabe unter dem Titel „Kritische Grammatik der ungarischen Sprache", Klausenburg 1794, erschien, sowie seine noch bedeu­tendere „Affinitás Linguae Hungaricae cum Linguis Originis grammatice demonstrata", Göttingen 1799. Ein 1799 abgeschlossenes Wörterbuch der slawischen Lehnwörter im Ungarischen, zu dem Engel eine historische Ein­leitung schrieb, ist nicht im Druck erschienen. Das 1816 in Wien herausge­gebene „Vocabularium in quo plurima hungaricis vocibus consona variarum linguarum vocabula collegit" ist zumindest insofern bemerkenswert, als es kein Geringerer als Wilhelm von Humboldt für seine Bibliothek beschaffte und aus­wertete.2 Samuel Gyarmathi ist zwar nicht der Begründer der finnisch-ugrischen Sprachvergleichung, um die sich bereits Aeneas Sylvius (Cosmographia 1503), Mathias Miechow (Tractatus de duabus Sarmatiis, Krakau 1517), Sigmund Herberstein (Rerum Moscoviticarum Commentarii, Basel 1549) später Martin Fogel, Albert Molnár, Olaf Rudbeck, Johannes Ihre, Johann Philipp Strahlen­berg, Gottfried Wilhelm Leibniz, Johann Eberhard Fischer und August Ludwig Schlözer mit Erfolg bemüht hatten. Aber mit Gyarmathi nahm eine neue Entwicklungsperiode der Finnougristik ihren Anfang. Sein entscheiden­des Verdienst beruht darin, in Ergänzung zu den bisher üblichen Wortverglei­chen den grammatikalischen Sprachvergleich in den Mittelpunkt gestellt zu haben. In richtiger methodologischer Erkenntnis ging es ihm darum, den Sprachbau nicht am Beispiel von Einzel Wörtern, sondern in seiner Gesamtheit zu erfassen. Dabei gelang es ihm in seinem „Nyelvmester", den er nach dem Vorbild der „Grammaire de l'Académie Française" anlegte, charakteristische Wesenszüge des Ungarischen herauszuarbeiten, so etwa die Vokalharmonie, das Fehlen des grammatischen Geschlechts, die Eigenart der Deklinationen u. a. Gyarmathis bedeutendstes Werk ist die „Affinitás linguae Hungaricae cum linguis Fennicae originis grammatice demonstrata. Nee non Vocabularia dialectorum Tataricarum et Slavicarum cum Hungarica comparata". Es entstand bezeichnenderweise auf Göttinger Boden während des dortigen Aufent­halts von Gyarmathi. Das Titelblatt dieser Arbeit von Gyarmathi nennt zwar das Jahr 1799, aber aus dem Brief des schwedischen Gelehrten Mathias Calonius an Porthan aus Stockholm vom 25. Dezember 1798 wissen wir, daß sie schon im Dezember dieses Jahres veröffentlicht wurde, als sie Calonius vom bekann­ten Literaturhistoriker, dem Pfarrer der deutschen lutheranischen Gemeinde in Stockholm, Christoph Wilhelm Lüdecke, bekam und, wie er schrieb, wun­derte er sich selbst, warum bei dieser Arbeit angeführt wurde, daß sie im Jahre 1799 erschien.3 Trotz einer Reihe von Irrtümern, die der „Affinitás" aus heutiger Sicht anhaften und die sich teilweise damit erklären lassen, daß das Werk unter großem Zeitdruck niedergeschrieben wurde, weil es Gyarmathi noch in Göttin­gen abschließen wollte, füllte es für damalige Verhältnisse eine wichtige Lücke aus und bedeutete gleichzeitig einen wesentlichen Fortschritt der finnisch­ugrischen Forschung. Die Idee, ein solches Werk zu schreiben, kam bei Gyarmathi ursprünglich recht verschwommen auf. Festere Formen nahm sie erst nach der entscheiden-2 Vgl. R. Gragger, Zur Geschichte der ugro-finnischen Sprachwissenschaft, I. Wilhelm von Humboldt, in : Ungarische Jahrbücher, Bd. 4. S. 32. 3 Vgl. dazu Yrjö Wichmann, Ein Paar Bemerkungen zu Gyarmathis Affinitás, in : Suomalais—Ugrilaisen Seuran Aikakauskirja 1906, S. 2—4.

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