Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)
REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644
Robert Rebitsch Formarinis Informationen wiederum als Generalissimus bestellt werden. Zu einer Ablösung oder Abdankung Generalleutnant Gallas' kam es allerdings nicht. Erst nach dem katastrophalen Feldzug von 1644 wurde der militärisch versierte, jedoch keineswegs überragende Erzherzog wiederum zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armada bestellt, wobei Gallas als Generalleutnant im Amt blieb. Für seine Pläne hätte Ferdinand einen energischen, aggressiven Feldherm gebraucht. Gallas aber war ein zögernder, kranker66, wohl auch Alkohol abhängiger Mann, der ohnehin bereits kriegsmüde war. Schon vor dem Feldzug nach Dänemark, im August des Jahres 1643, drückte Gallas in einem Schreiben an Maximilian von Trauttmansdorff67, der später der erste Gesandte des Kaisers bei den Friedensverhandlungen in Westfalen werden sollte und zugleich ein Vertrauter des Generalleutnants war, seine Friedenssehnsucht aus: Gleich nun auch für Excel, zu allerseits bösten angeordneten heylsame dispositiones der allmechtige Gott mit dem so hoch desiderierenden frieden genediglich benedeyen68 würdet.69 Gallas hätte nach der Schlacht von Tuttlingen einen schnellen Frieden vor einem mühsamen Feldzug bevorzugt.70 Im Gegensatz zu Lennart Torstensson, der ebenfalls stark an Rheuma und Gicht litt71, wie übrigens viele ihrer Zeitgenossen, entwickelte Matthias Gallas keinen Offensivgeist mehr. Er zeichnete sich eher durch eine Verschleppungs- und Verzögerungstaktik sowie durch ein defensives Taktieren als durch eine entschlossene, vorwärts drängende Kriegführung aus. So wurde man auch in Kopenhagen hellhörig. Christian IV., der hochtrabende Pläne schwang, mit der Flotte die Städte Rostock, Rügen und Stralsund besetzen sowie in einer koordinierten Kriegführung mit der kaiserlichen Armada, die Schweden in die Ostsee treiben wollte, wurde ob des Ausbleibens der Armada Ferdinands III. skeptisch und in höchsten Maße ungeduldig.72 66 Im Herbst und Winter 1643/44 war der Gesundheitszustand von Gallas besonders schlimm. Gallas an Maximilian von Trauttmansdorff, Schönau/Senov, 30. November 1643 (mit einer katastrophalen Unterschrift, die auf einen besonders schlechten Gesundheitszustand schließen lässt) und AVA FaT, Ka. 139, Gallas an Trauttmansdorff, Bertelsdorf bei Lautschin/LouCen. 13. Dezember 1643 sowie StOAD, FKG, Ka. 378, Gallas an Ferdinand III., Prag 13. April 1644, (Konzept). 67 Zum kaiserlichen Prinzipalgesandten auf dem Westfalischen Friedenskongress vgl. Wagner, Hans: Die kaiserlichen Diplomaten auf dem Westfälischen Friedenskongress. In: Diplomatie und Außenpolitik Österreichs. 11 Beiträge zu ihrer Geschichte. Hrsg, von Erich Zöllner, Wien 1977, S. 59-93. 68 Segnen, lobpreisen 69 AVA FaT, Ka. 139, Gallas an Trauttmansdorff, Feldlager bei Kojetein/Kojetln 6. August 1643. 70 Ebenda, Gallas an Trauttmansdorff, Schönau/Senov 7. Dezember 1643. 71 Vgl. Fi nd e i s en : Der Dreißigjährige Krieg, S. 441 f. 72 StOAD, FKG, Ka. 378, Plettenberg an Ferdinand III., Kopenhagen 1. und 3. April 1644 und auch DBBT VII. Nr. 191, 78-80, Christian IV. an Plettenberg, Kopenhagen 20. März 1644. 44