Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)
SCHMIED-KOWARZIK, Anatol: Die 80-Millionenschuld und die wirtschaftlichen Ausgleichsverhandlungen zwischen Cisleithanien und Ungarn
Anatol Schmied-Kowarzik Mit der Regelung der 80-Millionenschuld 1878 wurde zwar letztlich die rechtliche Situation der Schuld gegenüber der Notenbank geklärt; doch die Lösung, dass Cisleithanien bei Ad-hoc-Abzahlungen die Hauptlast zu tragen hatte, blockierte deren Rückzahlungsbereitschaft und das auch, wenn es im Interesse der Sanierung der Währung lag. So war es 1895 besonders Ungarn, das auf eine starke Reduzierung der Schuld drängte, um den Goldvorrat der Bank zu stärken. Denn dies war sinnvoll für die Währungsreform. Cisleithanien hingegen versuchte die Zahlung größerer Beträge zu umgehen und andere Wege der Rückzahlung zu finden. Letztlich auch aus diesem Grund wurde im Ausgleich von 1907 die inzwischen auf 60 Millionen Kronen - 30 Millionen Gulden - reduzierte Schuld unverzinst und unverändert beibehalten und daher bis zum Ende der Monarchie nie gänzlich abbezahlt. So konnte die verfehlte Finanzpolitik der Jahre 1848 bis 1866 bis 1914 nie ganz überwunden werden, auch wenn beide Teile der Monarchie dazu finanziell in der Lage waren. Als Relikt vergangener Zeiten blieb eine Schuld von 60 Millionen Kronen bei der Notenbank, und d. h. für diese 60 Millionen Kronen war mehr Geld im Umlauf, als der Goldvorrat der Bank statutengemäß gestattet hätte. 226