Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
AGSTNER, Rudolf: Die diplomatische und konsularische Präsenz von Österreich(-Ungarn) im Afrika südlich der Sahara
Rudolf Agstner Konsuln befinden“ erweitert. Damit war das Generalkonsulat auf Mauritius u. a. auch für das Gebiet, das heute einen Teil der Republik Südafrika bildet, zuständig.1 1841 wurde auf den Kapverdischen Inseln eine Honorar-Konsularagentie in San Jago de Cabo Verde errichtet, welche ebenfalls durch Handelsinteressen motiviert war. 1854 beantragte der Handelsminister im Zuge der Reorganisation des Konsularwesens in Portugal „auf den Inseln des grünen Vorgebirges die Beibehaltung der Konsularagentie in S. Jago und die Errichtung zweier neuer Agenden in Boa Vista und Isola del Sate [...].“ Der Antrag wurde von den Triester Behörden mit dem Beifügen unterstützt, daß es bei der Wichtigkeit der Cap Verdischen Inseln, sogar zweckmäßig wäre, die Agende S. Jago zu einem Vizekonsulat zu erheben und derselben obige zwei zu errichtende Agentien unterzuordnen. Der Handelsminister verkennt nicht, daß diese Inselgruppe für unseren Handel von einer steigenden Wichtigkeit wird, wozu die dort errichteten Kohlenetablissements wesentlich bei tragen. [...].2 Das erste k. k. Konsulat im Afrika südlich der Sahara war das „k. k. Konsulat für Zentralafrika“ in Khartoum, damals Teil Ägyptens und damit des Osmanischen Reiches. Durch Allerhöchste Entschließung vom 14. Jänner 1850 genehmigte Kaiser Franz Josef die Bestellung von Johannes Wilhelm von Müller, ein Tierforscher und Begleiter des berühmten Alfred Brehm, zum k. k. Konsul in Khartoum. Der Beschluss Wiens veranlaßte London, ebenfalls aktiv zu werden - am 12. März 1850 wurde der seit 1845 in Khartoum lebende Engländer John Petherick zum königlich britischen Konsularagenten für den Sudan bestellt. Paradoxerweise war es nicht Großbritannien, sondern das Kaiserthum Österreich, das zuerst im Sudan offiziell in Erscheinung trat. Mitte März 1850 erteilte der osmanische Sultan Abdul Mejid I. sein „großherrliches Berate“ für Konsul Müller, der allerdings seinen Posten nicht antrat, weshalb am 4. Jänner 1851 Dr. Konstantin Reitz zum k. k. Konsularagenten in Khartoum ernannt wurde. Als das Dampfboot der seit 1851 unter dem Schutz Kaiser Franz Josefs stehenden Katholischen Sudanmission am 28. März 1852, von Alexandrien kommend, unterhalb von Khartoum eintraf, glaubte Reitz, „daß Österreich berufen sei, den ganzen Handel im Sudan an sich zu bringen“ und regte die Schaffung eines Handelshauses in Khartoum und die Anschaffung eines Dampfbootes an. In der damals zu Ägypten gehörenden Hafenstadt Massaua am Roten Meer (heute Eritrea) wurde 1861 ein k. k. Honorarvizekonsulat errichtet, um „über die Vorgänge im benachbarten Abyssinien und 1 Hofkammerarchiv Wien [in Hinkunft: HKA], Litorale Commerz, 651 rot, 1754-1800, Fasz. 117/6; 654 rot, 1808-1813, Fasz. 117/9. 2 Haus-, Hof- und Staatsarchiv [in Hinkunft: HHStA], Kabinettskanzlei-Vorträge, K. 12, MCZ. 2283/1854. 38