Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)

PROCHÁZKA, Jiří: Nicolaus Warkotsch’s Missionen nach Russland 1589–95 (Beginn, Wende und Resultate)

Jin' Prochâzka Es handelte sich vor allem um die Pelzwaren, die in vielen Zimmer des Hradschin in Prag zu Schau gestellt wurden. Zu den Geschenken gehörten angeblich auch 2 Leoparden. Es entstand aber ein Problem, die, vor allem, sibirische Pelze zu schätzen. Überraschend und völlig widersinnig wurde ein Teil von diesen kostbaren Geschenken in Istanbul verkauft. Diese materielle Hilfe wurde oft in den späteren Verhandlungen zwischen dem Kaiser und dem Zaren erwähnt. Im Jahre 1595 war die kaiserliche Diplomatie sehr erfolgreich. Nicht nur Russland, sondern auch Siebenbürgen, die Walachei und Moldau, standen auf Seiten des Kaisers. Leider wurde die Einstimmigkeit mit Polen nicht erreicht. Diese Situation verhinderte den Abschluss • 23 einer antitürkischen Koalition weiterhin. Deutlich ist, dass das Ansehen von Mitteleuropa in dieser Zeit sehr stieg. Für die diplomatischen Verhandlungen und Aufenthalte von Warkotsch in Osteuropa in den Jahren 1589-1595 ist eine Situation wichtig, die uns die Archivquellen schildern. Das Jahr 1592 war ein Wendepunkt, nicht nur im Verlauf des Türkenkrieges, sondern auch in der kaiserlichen Diplomatie gegenüber Russland. Warkotsch, unermüdlich, schickte die Schreiben an den Kaiser und bot seine weiteren Gesandtschaftsdienste an. Kaiser Rudolf II. antwortete am 8ten September 1592, dass er weiterhin mit seiner Gesandtschaft in Russland rechne.* 23 24 Im Jahre 1593 reiste Warkotsch zum zweiten Mal nach Osteuropa. Am 29<en August diese Jahres befand er sich mit dem seinem Geleit in Orsha. Diese Stadt befindet sich heute in Weißrussland, südlich von Witebsk und westlich von Smolensk am Dnjepr. Die Stadt gehörte damals zu Polen-Litauen. Als eine Stadt an der Grenze wurde Orsha mehrmals zerstört, vor allem durch den Napoleonfeldzug nach Russland. Hier wartete Warkotsch auf eine offizielle Bewilligung nach Russland einzureisen. Die Einreise war aber nicht einfach. Der Gubernator von Smolensk fragte in Moskau, Prochâzka, Jifi: Der große und lange Krieg mit den Türken, S. 30. Vocelka: Die politische Propaganda, S. 234. 23 „Assecuratio confoedarationis provinciae Silesiae cum rege et regno Poloniae contra Turcos“, 6. Aprilis 1596, Breslau. Das Schreiben von Andreas Jerim (Bischof von Breslau) und Adam von Lobkowicz (damaliger Kaiserlicher Gesandter in Polen) an Kaiser Rudolf II. vom 16. Mai 1596. Archiv Masarykovy univerzity, Bmo, B 88, Josef Macürek, 43, 555, 557. Im ersten historischen Dokument stimmten die schlesischen Stände auf einer Sitzung in Breslau der antitürkischen Koalition mit Polen zu. Die zweite erwähnte Quelle betont, dass die Streitigkeiten zwischen Polen und Habsburgem sehr tief seien. Daher wäre ein Bündnis nicht denkbar. 24 Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien, Russland I, Konv. 3, 1592, fol. 3-4. 34

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