Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen
Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen mindesten Diener behandelt, sich Erpressungen jeder Art erlaubt, und sich einem Ehrgeiz hingibt, der die weitausgreifendsten Pläne einer aggressiven künftigen Politik hegt. Ich habe ihn öfters äußern gehört, es wären die Länder Bosnien und die Hercegovina durch die Traditionen seiner Familie und ihrer Sympatien für Montenegro eigentlich an ihn gewiesen, und wenn je durch irgend eine Eventualität diese Provinzen vom Türkenjoche befreit werden sollten, so kann nur er der Herr derselben werden- ja er äußerte bestimmt und aufgeregt auf meine dieses bezweifelnden Bemerkungen: es könne so lange er atme, Niemand Herr derselben sein, als eben er. Euer Exzellenz mögen daraus ersehen, wie geringe Garantie die Ruhe dieser Länder bei der unvernünftigen Ambition des Fürsten Daniel habe. Ich muß es also noch einmal wiederholen, daß, in so lange Fürst Daniel an der Spitze des Landes steht, und die Stellung nicht völkerrechtlich garantiert wird, von einem gesicherten Einflüße wie er im Interesse unserer Politik liegt, nicht die Rede sein könne. Nachdem ich dieses erläutert, komme ich auf die Art und Weise, um in Montenegro bei den obwaltenden Verhältnissen den größtmöglichsten Einfluß zu erhalten. Der Grund ist gelegt, große Sympathien sind geweckt, und man dürfte sie durch folgende hier im Kurzen angegebene Mittel erhalten: a) durch die Erbauung der von den Türken zerstörten Kirchen, und ebenso durch eine Geldspende zur Erbauung der zerstörten Ortschaften b) durch jährlich zu wiederholende Geschenke an einige der einflußreichsten Primaten, die ich Euer Exzellenz vorzuschlagen die Ehre haben werde c) durch ein kräftiges Einschreiten, die Verfassung des Landes so zu ordnen, daß der Fürst ohne dem Einflüße des Senats nicht willkürlich regiere d) dadurch, daß man die Abneigung des Fürsten für Montenegro einen Bischof weihen zu lassen, benützt, und Montenegro zur Diözese unseres griechisch nicht unierten dalmatiner Bischofs mache, oder einen in unserm Dalmatien zu residierenden, für Montenegro kreiere e) indem man in dem griechisch nicht unierten Seminarium zu Zara die fähigen diesem Berufe sich widmenden montenegrinischen Jünglinge aufnimmt, und ebenso in unsem Militär-Erziehungshäusem einige Plätze zu diesem Zwecke bestimmt f) die Zollschranken zwischen Österreich und Montenegro aufhebt, sie innerhalb der Grenzen unseres Staates mit denselben Rechten wie die übrigen Untertanen dotiert, und sie so nach und nach gewöhnt, sich als Landeskinder zu betrachten, und in unserm gnädigsten Kaiser auch ihren Landesherrn zu sehen. Außer diesen glaube ich Euer Exzellenz, als eine gute Maßregel anempfehlen zu können, wenn man den Adjutanten des Fürsten, Bieladinovic, welcher einen großen Einfluß auf den Fürsten besitzt, eine Dekoration erteilen würde. Es kann dieses um so eher geschehen als dieser Herr Bieladinovic anno 1848 ersprießliche Dienste geleistet und mit der goldenen Medaille bedacht war, die er, weil sein Ehrgeiz nach einem Orden verlangte, nicht annahm.70 Baron Mamula hielt sich vom 30. Juli-9.August 1853 in Montenegro auf, er behauptete damals, dass der österreichische Einfluss mindestens so groß sei wie der russische. In Cetinje und in allen anderen Kirchen Montenegros wurde „nun bei jeder Kriegsarchiv Wien, MKSM 1853: Nr. 1 371, Oberstl. v. Stratimirovich an Feldmarschallleutnant Frh. Kempen v. Fichtenstamm, Chef der obersten Polizeibehörde, Cattaro, 3. März 1853. 167