Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen
Engelbert Deusch „Croatica“ in Konstantinopel ein und legte bereits am nächsten Tag Sultan Abdul Medschid I. (1839-61) die Gründe seiner Entsendung dar. Am 3. Februar formulierte Leiningen die österreichischen Forderungen in einer Note an den türkischen Außenminister Fuad Effendi. Während Großwesir Ali Pascha alle Forderungen ablehnte, reagierte der türkische Außenminister in einer Antwortnote vom 10. Februar mit geschmeidigen Worten, Ausflüchten, Vorwänden und halben Versprechungen. Leiningen wiederholte seine Forderungen als Ultimatum. Auf Befehl des Sultans richtete der Außenminister am 14. Februar eine Ergänzungsnote an Graf Leinigen. Der Status quo von Montenegro und der Rückzug der türkischen Truppen wurde versprochen, ebenso die Aufhebung der von Omer Pascha in Bosnien und der Hercegovina für den österreichischen Handel eingeführten Zollaufschläge. Die Pforte verpflichtete sich zur Zahlung der Summen, die in der durch die k. k. Gesandtschaft überreichten Liste über Forderungen österreichischer Untertanen angegeben waren. Die türkischen Hafenplätze Kiek und Sutorina durften von türkischen Truppen nur mit österreichischer Zustimmung benutzt werden. Die österreichische Mission des Grafen Leiningen erfolgte in einer für die türkische Regierung heiklen Situation. Von Russland drohte der Pforte ein ernstliches Zerwürfnis, Frankreich war wegen der Aufwertung Russlands durch die Türkei im Heiligen Land alarmiert und England scheute jeden türkischen Beschluss, der seine Handlungsfreiheit einschränkte. Die erfolgreiche Mission des Feldmarschallleutnants Leiningen war ein wichtiges Signal für die Christen im türkischen Reich, sie beendete die Politik Metternichs, die von Wohlwollen und Entgegenkommen gegen die Türken erfüllt war. Die Slaven wurden ab jetzt in ihren religiösen Bestrebungen mehr unterstützt. Durch das Aufblühen und Gedeihen der südslavischen Stämme Österreichs übten diese auf die in der Türkei lebenden Stammesbrüder große Anziehungskraft aus.66 Österreich hatte Montenegro vor der vollständigen Unterwerfung durch die Türken gerettet und damit gezeigt, dass nicht nur Russland orthodoxe Christen in der Türkei schützen kann. Russland wollte für Montenegro ebenfalls intervenieren, kam aber zu spät. Die Schutzfrage und Streitfragen über die heiligen Stätten in Palästina führten zum Krimkrieg.67 Aufgaben des Oberstleutnants v. Stratimirovich in Montenegro. 1. Organisierung des Widerstandes gegen die anrückenden türkischen Truppen. 2. Eine den Grundsätzen des Völkerrechtes analoge Kriegsführung einzuführen, was nicht ganz gelungen ist. 66 Derselbe, S. 144-154. 67 Sax, Carl Ritter von: Geschichte des Machtverfalls der Türkei bis Ende des 19. Jahrhunderts und die Phasen der „orientalischen Frage“ bis auf die Gegenwart. Wien 1908, S. 323-326. 164