Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen
Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen Nachtragsforderung nicht vor den Reichsrat bringen, meinte aber, es könnte im Etat des Staatsministers v. Schmerling unter Unterstützungen für die montenegrinischen Flüchtlinge in Dalmatien verrechnet werden. Schmerling, der bereits 15 bis 20 000 Gulden jährlich dafür aufwenden musste, lehnte ab. Plener erreichte mit dem Hinweis, dass die Erhöhung des geheimen Fonds des Außenministeriums auffallen und unliebsame Erörterungen hervorrufen würde, von Schmerling die Zusage, ab 1865 einschließlich die 20 000 fl zu übernehmen, wenn sein Dispostionsfond um 50 000 fl erhöht würde. Für 1864 wünschte Baron Mamula, der vom Außenminister Graf Rechberg deshalb vernommen wurde, 8 000 fl. Dieser leitete den Wunsch am 6. Oktober 1864 an Finanzminister Plener weiter. Seit jenem Zeitpunkt war im Außenministerium in der Angelegenheit nichts geschehen. Am 12. September 1865 richtete der 1. Generaladjutant Graf Crenneville42 das Schreiben Nr. 3 199 an das Außenministerium und wünschte, dass der Fond jener 20 000 fl sichergestellt werden möge. Außenminister Gf. Mensdorff-Pouilly43 überließ es dem Finanz- und dem Staatsminister sich über die Frage zu verständigen. Staatsminister Graf Belcredi,44 dem der Generaladjutant gleichzeitig wie dem Außenminister schrieb, antwortete am 11. November 1865 ZI. 4 531, dass es nach dem vom Kaiser sanktionierten Finanzgesetz für 1865 wohl tunlich wäre, die 20 000 fl zu bedecken; dass nachdem aber gegenwärtig die größte Sparsamkeit beobachtet werden soll und von dem ursprünglichen Verlage per 105 000 fl in den letzten Monaten noch 8 000 fl vorrätig wären, die 20 000 fl für heuer in Ersparung kommen könnten. In Betreff der Bedeckung dieser Auslage für 1866 und die ferneren Jahre bemerkt H. Graf Belcredi, dass es die Aufgabe der Budgetkommission sein wird, hierwegen Seiner Majestät einen Antrag zu unterbreiten, und zwar über die Fragen: in welchem Belaufe die Ausgabspost für die projektierten Subventionen festzusetzen wäre und aus welchem Budget sie bedeckt zu werden hätte. Der Herr Staatsminister findet seinerseits, - wie einst Herr v. Schmerling, - dass die Zwecke jener Subventionen überwiegend in das Bereich der äußeren Politik fallen und dass er auf seinem Standpunkte Auslagen nicht verantworten könnte, welche ihm nicht verrechnet würden. Da der Generaladjutant die Ausgaben als militärisch-politische Zwecke bezeichnete, meinte der Außenminister, hätte das Kriegsministerium einen Anteil zu übernehmen. 42 Crenneville, Graf Franz Folliot de (1815-1888) wurde Nachfolger Grünnes in der Generaladjutantur und Militärkanzlei. Crenneville war der Kandidat einer Aristokratenphalanx um Graf Coronini und General Alexander Mensdorff-Pouilly. Rumpler Helmut: Eine Chance für Mitteleuropa. Österreichische Geschichte 1804-1914.Hrsg. Wolfram, Herwig. Wien 1997, S. 373. 43 Mensdorff-Pouilly, Alexander, Graf (1813-1871), 1850-52 Bundeskommissar in Holstein, 1852 Gesandter in St. Petersburg, 1862-64 Statthalter in Galizien, 1864-66 Außenminister, 1870/71 Statthalter in Böhmen. Vgl. Der grosse Brockhaus, 16. Aufl. 1955, 7. Bd. S. 684. 44 Belcredi, Richard, Graf (1823-1902), österreichischer Ministerpräsident 27. V. 1865-7. II. 1867. Redlich, Joseph: Kaiser Franz Joseph von Österreich. Berlin 1929, S. 470. 157