Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
DEUSCH, Engelbert: Ein Versuch die österreichische Protektion auf das Fürstentum Montenegro auszudehnen
Engelbert Deusch auf ehrlichem Wege, und durch das Gute zu erreichen; so will ich mich als Euer treuester Freund bewähren, - wo nicht, so soll es mein Ruhm sein, Böses zu tun.’ Die Einnahme der Festung Zabljak und die Proclamation Daniels an die Bewohner der an Montenegro gränzenden Länder liefern den vollständigen Comentar zu dieser denkwürdigen Erklärung des jungen Fürsten. In seinen weit aussehenden Plänen wird er durch seine zwei Oheime Georg und Peter, mit welch letzterem er vollkommen ausgesöhnt ist, unterstützt. Peter, ein gewöhnlich tapferer Montenegriner, von altem Schrott und Korn den fanatischen Haß gegen die Muselmänner zu einer Religionssache gemacht, der andere Georg aber, ein quieszierter russischer Offizier mit ziemlich bedeutenden militärischen Kenntnissen ausgerüstet, voll Energie aber dabei schweigsam und verschlossen schon unter dem frühem Vladika als die Hauptstütze russischen Einflusses galt und es noch geblieben ist. Neu kann ich unter den Persönlichkeiten, welche vermöge ihrer Stellung oder ihrer charakteristischen Eigenschaften berufen sind in die Geschicke dieser Länder speziell einzugreifen, den Woiwoden, des in der Herzogowina gelegenen Grachowa [Grahovo] nicht mit Stillschweigen übergehen, welcher, obgleich ein rebellischer Beamter gegen die legitime Souveränität der Pforte, deren Integrität aus 1815 auch Rußland mit garantiert hat dennoch als Waffenbruder der Montenegriner von Seite Seiner Majestät des Kaisers von Rußland mit einem Commandeurkreuze beehrt wurde: Auch er scheint mir eine Individualität zu seyn, an welcher man in dem gegenwärtigen erwartungsvollen Momente nicht leichthin vorübergehen darf. Endlich ist unter den markanten Persönlichkeiten Montenegros der neugewählte, aber noch nicht zum Bischof eingeweihte Metropolit, früher Abt des Montenegrinischen Klosters, Nikodem Raicevich zu erwähnen, da ihm seine hohe Stellung als geistlicher Primas Cemagoras [Cema Goras] immerhin gestattet, auf die politischen Ereignisse des Landes einen bedeutenden Einfluß auszuüben. Jedenfalls wäre es im österreichischen Interesse zu wünschen, daß der neucreirte Metropolit seine kirchlichen Weihen in Karlowitz und nicht in Rußland empfange, weil nach der in der orthodoxen Kirche beobachteten Übung geistliche Würdenträger bei diesem feierlichen Akte stets ihre Inspirationen für das ganze Leben empfangen. Wien am 20. Dezember 1852.24 Der Gouverneur von Dalmatien will Montenegro unterstützen Der stellvertretende Gouverneur von Dalmatien, Baron Mamula,25 hielt 1853 für einen günstigen Zeitpunkt, den schädlichen Einfluss Russlands in Montenegro und in den angrenzenden türkischen Provinzen zurückzudrängen und die Sympathien dieser Völker für die k. k. Monarchie zu gewinnen. Mamula betonte Anfang Jänner 1853, dass durch Montenegro seit mehr als zweieinhalb Jahren keine Grenzverletzung in Dalmatien 24 Memoire des Oberstleutnants Stratimirovich an Außenminister Buol-Schauenstein, Wien, 20. Dez. 1852. Kopie von Statimirovich unterschrieben. Kriegsarchiv Wien: MKSM (= Militärkanzlei Seiner Majestät) 1853; Nr. 53. 25 Mamula Lazarus (1795-1878), avancierte 1850 zum Generalmajor und zum Brigadier in Ragusa und Cattaro; 1851 Freiherr; ab 1853 fungierte der Feldmarschallleutnant als Divisionär und Stellvertreter des Militär- und Zivilgouvemeurs in Dalmatien. 1859-1865 war Mamula Gouverneur und kommandierender General in Dalmatien. Ging als Feldzeugmeister ad honores 1865 in den Ruhestand. Vgl. Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, VI. Bd. Wien 1975, S. 45. 152