Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 50. (2003) - 200 Jahre Russisches Außenministerium
ISCHENKO, Viktor: Der russische Botschafter Rasumofsky. Mensch und Politiker
Der russische Botschafter in Österreich A. Rasumowski: Mensch und Politiker sah man Andrej Kyrillowitsch jetzt als Märtyrer an, der für eine edle Sache litt. Und obwohl Pawel ihm die Pille zu versüßen suchte, indem er ihn am 10. Dezember 1800 zum Senator ernannte, stand die neue Berufung in keinerlei Zusammenhang mit seinen bisherigen Plänen und Absichten. Sein weiterer Weg ließ sich schwer Vorhersagen, wenn nicht der Tod Pawels im März 1801 wiederum eine günstige Wendung für Rasumowski mit sich gebracht hätte. Die Thronbesteigung des neuen Zaren Alexanders I. beging Rasumowski mit der Vorlage einer Schrift über die politische Lage in Europa und der Rolle, die Russland darin zugedacht sei. Und obwohl der schlecht verhüllte Konservatismus des Autors, die überschwängliche Apologie Österreichs und der Hass auf das republikanische Frankreich in diesem Moment nicht ganz den liberalen Neigungen Alexanders I. entsprachen, berief dieser Graf Andrej Rasumowski am 10. Mai 1801 als russischen Botschafter nach Wien, wo man ihn jubelnd aufnahm. Die österreichische Hauptstadt brachte dem russischen Botschafter immer eine große Sympathie entgegen und nannte ihn „Erzherzog Andreas“. Die Sympathie beruhte auf Gegenseitigkeit. Nach dem Tod seines Vaters 1803, erbaute er mit dem ererbten Geld eine schöne Villa, die die Wiener bis heute „Rasumowskipalais“ nennen und die Straße, in der es gelegen ist, heißt „Rasumowskigasse“. Das Haus Rasumowskis war stets hell erleuchtet, reich mit Gold und Silber ausgestattet, fast täglich fanden Festmahle, Bälle oder Versammlungen statt. Die Bildersammlung Rasumowskis konnte mit vielen Museen wetteifern. Einen bedeutenden Ruf in Europa erlangten die Musikabende im Haus des Botschafters. Als Musikliebhaber und selbst ein ausgezeichneter Musiker gründete Rasumowski ein Streichquartett, bei dem er selbst mitspielte und die Werke seiner Freunde, der Komponisten Haydn, Mozart und Beethoven aufführte. Der große Beethoven widmete Rasumowski sogar einige seiner Werke, darunter die 5. und 6. Symphonie sowie drei Quartette. Um den Weg von zu Hause in den Prater abzukürzen, baute der Graf aus eigenen Mittel eine Brücke über die Donau, die lange Zeit seinen Namen trug. Das weltliche Leben brach keinen Tag ab, auch in Kriegszeiten nicht, als Andrej Rasumowski mit großer Anstrengung die Verwirklichung eines der wichtigsten Ziele seines Lebens anstrebte: alles erdenklich Mögliche dafür zu tun, dass Russland und Österreich im Bündnis gegen Frankreich kämpften. Doch der Tod seiner Frau im Dezember 1806 traf den Grafen hart und nach dem Abschluss des Tilsiter Friedens 1807 trat er zurück. Ungeachtet dessen nutzte Alexander I. auch weiterhin die einmaligen Erfahrungen Rasumowskis, eines Mannes und Diplomaten, der sich wie kein anderer in der europäischen Politik auskannte. 1813 während des Feldzugs nach Frankreich gehörte auch A. K. Rasumowski als außenpolitischer Berater zum Gefolge Alexanders I. 1814 wurde er zum Bevollmächtigten der Friedensverhand- lungen und einem der Leiter der russischen Gesandtschaft zum Wiener Kongress 1814-1815 berufen. Alexander würdigte die Verdienste Rasumowskis vor dem Vaterland, erhob ihn zum Fürsten und trug ihm das Kanzleramt an. Doch antwortete Rasumowski mit einer höflichen Absagen und zog sich endgültig aus dem Staats85